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Essen: Landesumweltamt erforscht Gründe für Insektensterben

Landesumweltamt in Essen  

Ausmaß des Insektensterbens wird genauer erforscht

12.06.2019, 16:23 Uhr | t-online.de

Essen: Landesumweltamt erforscht Gründe für Insektensterben. Zwei Grüne Heupferde (Quelle: dpa/Marcel Kusch)

Felix Helbing, Mitarbeiter der Universität Osnabrück, zeigt zwei Grüne Heupferde in Fanggläsern. Foto: Marcel Kusch (Quelle: Marcel Kusch/dpa)

Das Landesumweltamt will das Ausmaß des Insektensterbens in Nordrhein-Westfalen ermitteln. Wie das Amt am Mittwoch in Essen mitteilte, sei unklar, wie es um die große Mehrzahl der rund 25.000 Insektenarten in NRW bestellt ist. Erforscht sei lediglich der Bestand von rund 3.000 in der Roten Liste erfassten Insektenarten - von ihnen gelten gut die Hälfte als gefährdet oder bereits ausgestorben. Ziel der landesweiten Bestandsaufnahme sei es, sich einen breiteren Überblick zu verschaffen.

In Zusammenarbeit mit der Universität Osnabrück sollen in den nächsten drei Jahren die Bestände von Heuschrecken und Tagfaltern erfasst werden. Diese Insekten stünden stellvertretend für viele andere Arten in der Natur. "Tagfalter sagen uns etwas über die Landschaftsstruktur", erklärte Projektleiter Professor Thomas Fartmann.

Für die Zählung werden Auen oder Börden stichprobenartig nach den Insektenvölkern abgesucht. Die Heuschrecken werden dabei mit einem sogenannten "Isolationsquadrat" gefangen, das wie ein mit weißem Stoff bespannter Käfig aussieht und nach oben geöffnet ist. "Quasi ein kleiner Laufstall", sagte Fartmann.

Das zwei Quadratmeter große Viereck wird 15 Mal auf eine Grünfläche geworfen. Dann untersucht das Projektteam, wie viele und welche Heuschrecken-Arten auf diesem Fleck leben. Gezählt werden die Tiere im Juli und August, wenn sich die Larven entwickelt haben - dann seien die einzelnen Arten leichter zu bestimmen, sagte Mitarbeiter Felix Helbing. Heuschrecken seien als Nahrungsquelle "elementar für viele Vogelarten", so der Landschaftsökologe.

Für die Erfassung der zu den Schmetterlingen zählenden Tagfalter wird ein großer Kescher genutzt. Mitarbeiter sollen die Schmetterlinge entlang von Wegrändern einfangen. Die Strecken sind 1,5 Kilometer lang und fünf Meter breit. Wenn einer der etwa 145 verschiedenen Tagfalter-Arten in das Netz geflogen ist, wird er in einem Glasbehälter inspiziert und anschließend wieder freigelassen. In einer App wird der Fundort mit den entsprechenden GPS-Koordinaten festgehalten. Hier sollen die Untersuchungen zwischen Mai und August eines Jahres stattfinden.

Das NRW-Umweltministerium unterstützt das Forschungsvorhaben mit 570 000 Euro: "Das Insektensterben zeigt, dass in unserem Ökosystem etwas nicht funktioniert", sagte Umweltministerin Ursula Heinen-Esser am Mittwoch in Essen. Die CDU-Politikerin bezeichnete den Rückgang als "neben den Folgen des Klimawandels die größte ökologische und ökonomische Bedrohung".

Der Insektenschwund wird seit Jahren in den Roten Listen von Bund und Land dokumentiert. Von den rund 1.700 Schmetterlings-Arten in NRW sind den Angaben zufolge 55 Prozent als gefährdet eingestuft. Von den 54 Heuschrecken-Arten in Nordrhein-Westfalen gelten knapp 50 Prozent als gefährdet.

Untersuchungen in mehreren Regionen Deutschlands belegen einen immensen Insektenschwund in den vergangenen Jahrzehnten. Der Entomologische Verein Krefeld sammelt seit 1989 Insekten nach einer einheitlichen wissenschaftlichen Methode. Auf dieser Datengrundlage hat er ermittelt, dass die Gesamtmasse flugfähiger Insekten an untersuchten Standorten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg in den letzten drei Jahrzehnten im Mittel um mehr als 75 Prozent abgenommen hat.

Als ein Hauptgrund für das Insektensterben wird seit längerem eine zu intensive Landwirtschaft mit hohem Pestizideinsatz vermutet. Insekten sind für eine intakte Natur von großer Bedeutung. Sie gelten als "Dienstleister am Ökosystem", denn sie bestäuben Obstbäume und Gemüsepflanzen, zersetzen Aas, Totholz und Kot. Außerdem sind sie eine Nahrungsquelle vieler anderer Tiere, etwa von Vögeln.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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