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Corona-Intensivpflegerin packt aus: "Wir brauchen psychologische Betreuung"

Corona-Intensivpflegerin packt aus  

"Wir brauchen psychologische Betreuung"

Von Benedikt Kaninski

11.10.2021, 18:04 Uhr
Corona-Intensivpflegerin packt aus: "Wir brauchen psychologische Betreuung". Die Intensivpflegerin Josephin Kampmann: "Viele von uns haben mit der Situation zu kämpfen." (Quelle: t-online/Kaninski)

Die Intensivpflegerin Josephin Kampmann: "Viele von uns haben mit der Situation zu kämpfen." (Quelle: Kaninski/t-online)

Das Coronavirus beschäftigt die Kliniken weiter  viele Beschäftigte blicken mit Besorgnis auf den kommenden Winter. t-online hat mit einer Essener Intensivpflegerin über die Belastung im Team gesprochen. 

Josephin Kampmann arbeitet seit sieben Jahren als Pflegerin auf einer Intensivstation der Uniklinik Essen. Seit Beginn der Pandemie gab es hier nur einen halben Tag, an dem kein Corona-Patient auf der Intensivstation lag.

Etwa zwei Drittel der Behandelten sind in der Klinik an Corona verstorben. "Wir versorgen die Patienten 24 Stunden. Hier finden alle Maximaltherapien statt, mehr geht nicht. Entweder man wird hier genesen oder verstirbt“, erklärt Kampmann.

Corona auf Intensivstation: Über 400 Personen in Uniklinik verstorben

Aktuell liegen auf der Intensivstation im Essener Uniklinikum 17 Corona-Patienten. Die meisten von ihnen werden beatmet und würden ohne entsprechende Geräte nicht überleben. Auf den Normalstationen liegen außerdem 15 Patienten, die bisher nicht intensivmedizinisch betreut werden müssen. Auch wenn sich die aktuellen Zahlen gering anhören, ist die Bilanz von 430 Verstorbenen seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 erschreckend. 

Die hohen Todeszahlen bei den Corona-Patienten gehen auch am Team der Intensivstation nicht spurlos vorbei. "Viele von uns haben psychisch mit der aktuellen Situation zu kämpfen. Einige sind auch selbst krank geworden. Wir haben psychologische Angebote bekommen. Das fand ich sehr gut und auch wirklich nötig", erklärt Kampmann.

Die Corona-Station der Uniklinik Essen: 430 Personen sind hier seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorben. (Quelle: t-online/Kaninski)Die Corona-Station der Uniklinik Essen: 430 Personen sind hier seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorben. (Quelle: Kaninski/t-online)

Die sowieso schon extremen Belastungen für das gesamte Team haben sich dementsprechend durch Corona deutlich intensiviert. Trotzdem muss Josephine Kampmann jeden Tag aufs Neue mit der Situation umgehen: "Ehrlich gesagt bin ich noch im Prozess des Verdrängens und nicht des Verarbeitens. In Wellen ist das manchmal besser zu ertragen und manchmal kommen auch Situationen vor, wo man völlig an seine emotionalen Grenzen geht."

Die Flure der Intensivstation wirken daher wie eine Parallelwelt, die mit dem alltäglichen Leben nicht viel gemeinsam hat, berichtet sie: "Ich habe immer das Gefühl, ich komme hier in ein Raumschiff. Alles steht hier für sich", so die Intensivpflegerin.

Corona in Uniklinik Essen: "Mulmiges Gefühl" mit Blick auf den Winter

Doch auch dort verändere sich die Lage derzeit: "Von meiner persönlichen Seite aus war es Ende August deutlich schlimmer als aktuell. Allerdings merkt man jetzt wirklich, dass die Welle der Ungeimpften gestartet ist. Alle die hier liegen und schwersterkrankt sind, sind in der Regel ungeimpft", bestätigt Kampmann.

Die Frage, wie es weitergeht, beschäftigt auch die Mitarbeiter auf der Intensivstation der Uniklinik. Wie werden sich die Patientenzahlen entwickeln und werden sich die Ungeimpften doch noch für einen Piks entscheiden? Kampmann sieht in der Impfung den einzigen Ausweg aus der Pandemie.

Die Corona-Intensivstation in der Uniklinik Essen: "Ich habe das Gefühl, ich komme hier in ein Raumschiff", sagt eine Mitarbeiterin. (Quelle: t-online/Kaninski)Die Corona-Intensivstation in der Uniklinik Essen: "Ich habe das Gefühl, ich komme hier in ein Raumschiff", sagt eine Mitarbeiterin. (Quelle: Kaninski/t-online)

In ihrem Alltag kommt sie auch mit Menschen in Kontakt, die sich nicht impfen lassen wollen: "Grundsätzlich kann ich verstehen, wenn man skeptisch ist. Wenn man sich allerdings einfach informieren würde und nicht irgendwelchen Gerüchten und Ideologien folgt, wären vielleicht mehr Leute geimpft."

"Wir gehen alle mit einem sehr mulmigen Gefühl in den Winter. Der letzte Winter war nicht zu beschreiben", fasst die 29-Jährige zusammen. Damals starben in Deutschland täglich über 1.000 Menschen an den Folgen der Infektion.

Das war auch auf der Corona-Intensivstation in Essen spürbar: "Dass hier Menschen sterben, ist tatsächlich normal. Wir haben gelernt, wie man damit umgehen kann." Dennoch: "In der Theorie ist das einfach erklärt, aber in der Praxis schwierig umzusetzen."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen vor Ort

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