Interview
Unsere Interview-Regel

Der Gespr├Ąchspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschlie├čend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

"Das Rotlicht-Milieu habe ich im Prinzip ausgekostet"

Von Eva Puschmann

Aktualisiert am 04.09.2021Lesedauer: 5 Min.
Manuela Freitag steht im Eingang zu einem Haus auf der Herbertstra├če: Seit 30 Jahren arbeitet sie als Domina.
Manuela Freitag steht im Eingang zu einem Haus auf der Herbertstra├če: Seit 30 Jahren arbeitet sie als Domina. (Quelle: Michael Philipp Bader/leer)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild f├╝r einen TextSchwere St├Ârung bei KartenzahlungenSymbolbild f├╝r einen TextSchotte bekommt zwei neue H├ĄndeSymbolbild f├╝r einen TextUS-Staat verbietet fast alle AbtreibungenSymbolbild f├╝r einen TextLauterbach erw├Ągt neue MaskenpflichtSymbolbild f├╝r einen TextPolizei jagt brutale MesserstecherSymbolbild f├╝r einen TextLeichenfund in Essen: Ist es eine Vermisste?Symbolbild f├╝r einen TextYeliz Koc knutscht wieder im TVSymbolbild f├╝r einen TextTopmodel ist wieder schwangerSymbolbild f├╝r einen TextBMW iX kommt in neuer SportausgabeSymbolbild f├╝r einen TextNeun WhatsApp-Kniffe, die kaum jemand kenntSymbolbild f├╝r einen Watson TeaserSender-Reaktion entsetzt Ex-"GNTM"-Kandidatin

Natursekt, Peitschen und Nippelklemmen sind f├╝r Manuela Freitag Alltag. Die 57-J├Ąhrige ist die dienst├Ąlteste Domina Hamburgs. Im Gespr├Ąch mit t-online berichtet sie von Gewalt im Kiez ÔÇô und was sie an ihrem Job mag.

Manuela Freitag hat ihr ganzes Erwachsenenleben im Hamburger Rotlichtmillieu verbracht. Heute ist sie die wohl dienst├Ąlteste Domina in der ber├╝hmt-ber├╝chtigten Herbertstra├če. Schon als Teenager hat sie sich prostituiert.

Damals war es vor allem das Geld, das Freitag dringend brauchte. Nach 45 Jahren im Milieu hat die Hamburgerin nun ein Buch geschrieben. "Herbertstra├če. Kein Roman" erscheint an diesem Freitag.

t-online: Wie sind Sie zur Arbeit im Rotlicht-Milieu gekommen?

Manuela Freitag: Mit zw├Âlf Jahren ging ich das erste Mal auf den Strich. Das entstand aus der Situation heraus. Ich brauchte Geld. Ich lebte im Heim und dort f├╝hlte ich mich nicht wohl und nicht geborgen. Also bin ich da abgehauen und auf dem Steintor in Bremen gelandet. Dort habe ich die Frauen gesehen ÔÇô die drogenabh├Ąngigen Frauen.

Ich habe gesehen, wie sie in die Autos einstiegen und die G├Ąste dann im Auto bedient haben. Und ich dachte mir 'Och, das k├Ânntest du auch mal probieren.' Die fahren mit dir im Auto weg und wenn du zur├╝ck kommst, hast du Geld in der Tasche. Das hat mir nat├╝rlich gefallen. Also habe ich das weitergemacht ÔÇô erstmal.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Wie Petechien aussehen und wo sie sich zeigen
Blauer Fleck und Petechien am Arm


Hatten Sie dabei Ber├╝hrungs├Ąngste?

Es war mir eher unangenehm. Das Herz klopft nat├╝rlich vor Aufregung. Dann aber zum ersten Mal 30 oder 50 Mark in der Hand zu haben, war f├╝r mich etwas Besonderes.

Und ich wusste ganz genau, wenn ich noch einmal mitfahre, habe ich noch einmal 30 oder 50 Mark in der Tasche. Davon konnte ich mir Schuhe, frische Schl├╝pfer kaufen, essen gehen, trinken gehen. Das war nat├╝rlich spannend. Erst der Nachgeschmack war bitter. Irgendwann war das Geld aufgebraucht und dann musste man wieder los.

Wie sind Sie dann dazu gekommen, als Domina zu arbeiten?

Das Milieu habe ich im Prinzip ausgekostet. Ich habe in Bars gearbeitet, Saunaclubs, in St. Georg in Hamburg und auf der Davidstra├če in Hamburg. Die Herbertstra├če und Domina zu werden, ist das beste, das mir passieren konnte. Inzwischen ist die Herbertstra├če so etwas wie mein zweites Zuhause geworden.

Eigentlich haben die G├Ąste mich darauf gebracht. Ich bin in meiner Art offenbar sowieso herrisch und komme auch auf gewisse Art und Weise sehr dominant r├╝ber ÔÇô zumindest bei den G├Ąsten. Vielleicht war es auch eine Berufung, vielleicht habe ich es auch von meiner Mutter, die ich nie kennenlernte und von der ich nur wei├č, dass sie bis zu ihrem Tod anschaffen ging. Entweder, du hast es drauf oder du hast es nicht drauf. Ich k├Ânnte mir jedenfalls nicht mehr vorstellen, nicht als Domina zu arbeiten.

Wie hat sich die Arbeit im Rotlichtviertel w├Ąhrend der Jahre ge├Ąndert?

Der Kiez hat sich hundertprozentig ver├Ąndert. Auf der einen Seite wird viel modernisiert. Die Reeperbahn soll zu einer Schickimicki-Meile gemacht werden. Auf der anderen Seite ist der Kiez sehr schmutzig geworden. Und der Ton sehr viel rauer. Uns werden viele Kraftausdr├╝cke an den Kopf geworfen. Viele Frauen bieten sich f├╝r sehr kleines Geld an.

Die Herbertstra├če dagegen ist immer noch ein bisschen wie fr├╝her. Das bedeutet mir schon sehr viel. Man kennt viele, die dort arbeiten schon ├╝ber Jahre. Man kommt in die Stra├če, dann schon gehtÔÇÖs los 'Hallo', 'Moin', 'Na alles klar','Tsch├╝ss", 'Viel Bock'. Man f├╝hlt sich direkt heimisch.

Gibt es nach 30 Jahren als Domina noch W├╝nsche, die Sie ├╝berraschen?

Ja, das gibt es auch noch. Ein Mann wollte von mir, dass ich vor ihm ein Huhn schlachte. Das habe ich abgelehnt. Einmal hatte ich auch ein gl├╝ckliches Schwein da. Das war eine belustigende Situation. Dieser Mann hat schon an der Scheibe gegrunzt und ist dann auf allen Vieren nach oben in mein Studio gelaufen.

Das war auch f├╝r mich etwas Neues. Ich habe so gelacht. Ihm war das vollkommen egal. Er hat einfach weitergemacht und gegrunzt und seinen Hintern an meinen Stiefeln geschubbert.

Gibt es f├╝r Sie klar definierte Grenzen?

Alles, was f├╝r mich ├╝berschaubar ist und was ich kontrollieren kann, mache ich. Aber wenn Blut ins Spiel kommt, h├Ârt es bei mir auf. Wenn ich beispielsweise etwas aufschneiden oder zun├Ąhen soll, dann sage ich "nein, das mache ich nicht".

Auf der Herbertstra├če in Hamburg f├╝hlt sich die 57-J├Ąhrige wohl.
Auf der Herbertstra├če in Hamburg f├╝hlt sich die 57-J├Ąhrige wohl. (Quelle: Michael Philip Bader/leer)

Bei den unterschiedlichen W├╝nschen sind ja auch die Kosten verst├Ąndlicherweise unterschiedlich. Wie entstehen die Preise f├╝r die Leistungen?

Das ist ganz individuell und Verhandlungssache. Ich fange mit 100 Euro an, die Stunde kostet dann bei mir 250 Euro. Und dann kommt es drauf an, was sich daraus in einer Stunde entwickelt.

Viele G├Ąste kommen in mein Studio und f├╝hlen sich inspiriert. Die ├Ąu├čern dann W├╝nsche die sie vorher am Fenster nicht ge├Ąu├čert haben. Schauen sich um, wollen vielleicht mal etwas ausprobieren, sich fesseln lassen oder an der Leine spazieren gef├╝hrt werden.

F├╝r die G├Ąste, die verl├Ąngern m├Âchten, gibt es drei Geldautomaten auf der Stra├če. Da zieht der Kunde seinen Schl├╝pper an, guckt nach rechts, guckt nach links. Rennt schnell zum Automaten, holt Geld und kommt wieder zur├╝ck.

Gibt es unter Ihren Kolleginnen so etwas wie Konkurrenzkampf?

Die Gesch├Ąfte werden schwerer und der finanzielle Druck ist immer da. Nat├╝rlich gibt es da Konkurrenz. Manch eine g├Ânnt dir wahrscheinlich nicht den Dreck unter den Fingern├Ągeln. Wenn es ums Geld geht, da will nat├╝rlich jeder die Nase vorn haben. Das ist klar. Aber daneben gibt es eben auch den kleinen Schnack zwischendurch. Ich sage mal so: Wir lachen und wir weinen zusammen

Wie reagiert Ihr Umfeld auf den Job als Domina? Und wie ist Ihre Familie damit umgegangen?

Zu Anfang sind alle immer ein bisschen neugierig, wollen viel ├╝ber meinen Beruf wissen. Und wenn sie alles geh├Ârt und aufgesaugt haben, dann werde ich schnell mal links liegengelassen.

Ich bin aber ein sehr starker und fokussierter Mensch. Ich konzentriere mich auf mich selbst. Deshalb kann ich auch damit umgehen. Obwohl ich nat├╝rlich auch manchmal traurig dar├╝ber bin.

F├╝r meinen Sohn war es ├╝berhaupt kein Problem ÔÇô solange ich nicht k├╝sse und keinen Geschlechtsverkehr habe. Das war ihm als Teenager sehr wichtig. Er hat mir sogar manchmal Gl├╝ck gew├╝nscht, wenn ich zur Arbeit gegangen bin. Das hat mir immer ein gutes Gef├╝hl gegeben.

Loading...
Loading...
Loading...

W├╝rden Sie r├╝ckblickend etwas ├Ąndern wollen?

An schlechten Tagen mache ich mir schon Gedanken, ob ich auch etwas anderes h├Ątte machen k├Ânnen. Ich h├Ątte vielleicht schon das Zeug dazu gehabt. Aber nun ist es nun mal so, wie es ist.

Weitere Artikel

Von Corona getroffen
Prostituierte: "Viele von uns fallen durchs Raster"
Gilt als "bekannteste Prostituierte" des Landes: Salom├ę Balthus setzt sich f├╝r die Rechte ihres Berufsstandes ein.

Auf Ebay-Kleinanzeigen
Paar soll gestohlene Grills f├╝r 120.000 Euro verkauft haben
Ein Grill der Marke "Santos": Die Polizei sucht die Besitzer von rund 100 gestohlenen Ger├Ąten.

Nach Kollision ├╝berschlagen
Notarztwagen verungl├╝ckt bei der Fahrt
Das Fahrzeug der Berliner Feuerwehr: Durch den Aufprall hat sich der Pkw ├╝berschlagen und ist auf dem Dach liegen gebileben.


Daf├╝r habe ich heute einen Job, bei dem ich unabh├Ąngig bin. Ich bin meine eigene Herrin. Was mich an dem Job reizt, ist das Facettenreiche, dass man so viele Menschen kennenlernt und damit eine gro├če Menschenkenntnis bekommt. Und die Ehrlichkeit, die ich ├╝ber all die Jahre gelernt habe. Ich habe gelernt mit mir selbst ehrlich umzugehen. Das finde ich gut und wichtig.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website