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Kiel: Das steckt hinter der Plastikmüll-Ausstellung im Rathaus

INTERVIEWAusstellung im Rathaus  

Das steckt hinter der Plastikmüllschau in Kiel

04.02.2020, 18:21 Uhr
Verzicht auf Plastik: Das können Menschen in Kiel tun

Die Stadt Kiel möchte gerne eine "Zero Waste City" werden und auf Sicht komplett auf Plastik verzichten. Dafür gibt es eine Reihe von Maßnahmen, wie Ausstellerin Alexandra Mörth verrät. (Quelle: t-online.de)

Alexandra Mörth: Die Ausstellerin verrät, was Kieler konkret tun können, um auf Plastik zu verzichten. (Quelle: t-online.de)


Das Rathaus in Kiel ist derzeit mit Plastikmüll gefüllt. Dahinter steckt eine Ausstellung über die Verschmutzung der Meere und der Kieler Förde. Eine Ausstellerin hat t-online.de-Autor Sven Raschke verraten, wie jeder im Alltag Plastik vermeiden kann.

Im Kieler Rathaus ist derzeit eine Ausstellung über Plastikmüll zu sehen. Studierende der Universität Kiel richten dabei mit Verschmutzungsmodellen, Schaubildern und Fotos den Fokus nicht nur auf die Plastikfluten in den Meeren weltweit, sondern auch auf die Probleme vor der eigenen Haustür, die Ufer der Kieler Förde. Dabei kann jeder etwas für eine möglichst plastikfreie Umwelt tun, sagt eine der Ausstellerinnen, die Studentin Alexandra Mörth.

t-online.de: Die Ausstellung fällt in eine Zeit, in der Menschen jeden Freitag für mehr Umweltschutz auf die Straße gehen. Kommt die Motivation für die Ausstellung aus einer ähnlichen Richtung?

Alexandra Mörth: Ja, auch. Wir beschäftigen uns im Studium ja alle in irgendeiner Weise mit Plastik. Ich habe in Lateinamerika Fotos von Plastik gemacht. Eine Kommilitonin hat Mikroplastik auf den Osterinseln untersucht, eine andere hat sich in Afrika mit Recycling beschäftigt und so weiter. Da haben wir gedacht, eine Ausstellung wäre genial, weil wir alle unsere verschiedenen Erkenntnisse einbringen können. Und das Rathaus ist perfekt, weil hier jeder herkommt und damit konfrontiert wird.

Als Plastik in den 50ern aufkam, hatte es ja wahrscheinlich noch keinen so schlechten Ruf. Wann änderte sich das?

1959 wurde die Plastiktüte erfunden, um das Abholzen von Wäldern für die Herstellung von Papiertüten zu stoppen. Inzwischen ist praktisch alles aus Plastik, wir können es gar nicht umgehen. Und bis vor ein paar Jahren war Plastik auch immer noch als überwiegend nützlich angesehen. Aber seit Bilder von verschmutzten Stränden und Meeren um die Welt gehen, entsteht immer mehr ein Bewusstsein für das Problem.

Ein Wassertank: Hier wird die Verteilung von Plastik im Meer simuliert. (Quelle: Sven Raschke)Ein Wassertank: Hier wird die Verteilung von Plastik im Meer simuliert. (Quelle: Sven Raschke)

In der Ausstellung geht es ja auch um Plastik in Kiel. Wie stehen wir hier denn in Sachen Plastik da?

Der meiste Müll im Wasser kommt von Passanten und Boten, den die Möwen häufig aufpicken. Fast alle Seevögel – man schätzt 90 Prozent – haben Plastik im Magen. Auch herumtreibende Fischernetze oder Teile davon sind in der Ostsee ein großes Problem. Den meisten Müll in der Förde gibt es in der Tipitzmole, also im nördlichen Teil. Dort wurden 55 Mikrofasern und 40 Plastikteile pro Kilogramm Sand gefunden. An der Ostsee finden sich auf 100 Meter Strandlinie 70 Müllteile. Die stammen größtenteils vom Land und werden dann ins Meer getrieben. An der Nordsee sind es viermal mal so viel.

Also kann man sagen, die Ostsee schneidet im Vergleich gar nicht so schlecht ab?

Ja, und auch die Abwassersysteme sind hier recht gut. Über die gelangt bei uns vergleichsweise wenig Mikroplastik in die Umwelt.

Was wird in Kiel unternommen, um Plastikmüll weiter zu reduzieren?

Es gibt zum Beispiel schon sehr viele Startups, die sich dem Problem annehmen. Der Verpackungshersteller "Umtüten" stellt Brottüten und andere Tüten aus Stoff her. Viele Bäcker haben vergangenes Jahr zusammen "Tobego" gestartet und bieten wiederverwendbare Coffee-to-go-Becher an. Es gibt einen Unverpackt-Laden, andere Geschäfte bieten Obst und Gemüse möglichst unverpackt an.

Und was macht die Stadt?

Kiel hat ja das Ziel, eine Zero-Waste-City – also eine müllfreie Stadt – zu werden. Das Konzept entsteht gerade erst. Man hat sich mit Wissenschaftlern und lokalen Vorreiten zusammengesetzt. Im April sollen die Ergebnisse vorgestellt werden und im Mai beginnt dann die Umsetzung.

Blick in die Ausstellung: Studierende der Uni Kiel setzten sich mit Plastikmüll auseinander. (Quelle: Sven Raschke)Blick in die Ausstellung: Studierende der Uni Kiel setzten sich mit Plastikmüll auseinander. (Quelle: Sven Raschke)

Was kann ich als Kieler Bürger besser machen?

Beach-Clean-Ups sind auf jeden Fall eine gute Sache, das heißt, an den Strand gehen und Müll einsammeln, damit er nicht ins Meer getrieben wird. Das veranstaltet etwa Greenpeace regelmäßig, aber das kann man natürlich auch selbstständig machen. Am wichtigsten ist es, Plastik im Alltag zu vermeiden und auf Alternativen umzusteigen – besonders bei Verpackungen. Bei Kleidung ist besonders wichtig, dass es natürliche Fasern sind. Eine Fleecejacke etwa verliert 250.000 Fasern pro Waschgang. Es gibt sogar Hundebeutel aus Papier.

Und die halten?

Ich denke schon. Ich habe sie nicht selbst getestet. Wenn es Plastik sein muss, dann darauf achten, dass es recyceltes Plastik ist. Und Müll trennen. Plastik in den gelben Sack. 

Da sagen ja viele, es kommt eh alles am Ende in die selbe Tonne oder geht in die Türkei.

Leider stimmt es, dass vieles am Ende verbrannt wird und Deutschland sehr viel Plastik in andere Länder exportiert. Es heißt, dass 45 Prozent recycelt werden, aber das ist nur die Menge, die eingesammelt wird. Davon kann längst nicht alles tatsächlich recycelt werden – auch wegen falscher Trennung. Am Ende sind es dann rund 16 Prozent.

Und Sie persönlich? Leben Sie das, was Sie in der Ausstellung empfehlen?

Ja. Ich versuche, komplett plastikfrei zu leben – auch wenn das nicht zu Hundert Prozent geht.

Wo ist es am schwersten?

Bei Kosmetik. Die kommt fast immer in Plastikverpackung. Ganz wenige verkaufen Kosmetik im Glas.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 21. Februar im Rathaus, Fleethörn 9, und ist kostenlos.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Alexandra Mörth

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