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Kokainsüchtiger fühlt sich von Passant provoziert – Stich in Hals

Von Sven Raschke

15.04.2021Lesedauer: 4 Min.
Der Angeklagte und ein Anwalt im Gerichtssaal: Er bereut die Tat und wäre bereit, in einer Entzugsanstalt untergebracht zu werden.
Der Angeklagte und ein Anwalt im Gerichtssaal: Er bereut die Tat und wäre bereit, in einer Entzugsanstalt untergebracht zu werden. (Quelle: Sven Raschke/leer)
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Was als fröhlicher Abend mit reichlich Drogen in der Kieler Innenstadt begann, endet mit Messerstichen. Das Opfer entgeht knapp dem Tod und ist möglicherweise lebenslang arbeitsunfähig.

Unmittelbar vor der blutigen Tat waren alle Beteiligten eigentlich gut gelaunt gewesen. Teils wohl auch wegen viel Drogen – die wiederum zur plötzlichen Eskalation führten und dazu, dass das Opfer beinahe gestorben wäre und vielleicht ein Leben lang nicht mehr richtig wird arbeiten können. Aber der Reihe nach.

Ein Abend in Kiel, 12. August 2020 gegen 22 Uhr. Der damals noch 21-Jährige Angeklagte spaziert mit einem Freund unweit der Shell-Tankstelle an der Ringstraße. Torkelnd und lallend, wie er selbst am Donnerstag vor Gericht beschreibt. Denn die Suchtbedürfnisse waren gut bedient. Beide haben reichlich Drogen konsumiert: Alkohol getrunken, Tabletten geschluckt, Kokain geschnupft und im Falle des Angeklagten auch gespritzt, wie er aussagt. Er sei nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen, leicht reizbar, aber dennoch: "Die Stimmung war gut."

Opfer stand auch unter Drogen

Ebenso bei dem auf dem Bürgersteig entgegenkommenden Pärchen. Der 24-jährige Handwerker und seine Freundin kommen vom Einkaufen. Sein Urlaub hat gerade begonnen. Auch er hat laut seiner früheren Aussage Bier konsumiert, Koks geschnupft.

Vor Gericht kann er sich nicht mehr daran erinnern – überhaupt sei beinahe der gesamte Tag aus seiner Erinnerung gelöscht. Auch seine Freundin weiß nur noch wenig. Laut ihrer Aussage hätten sie und ihr Freund über die beiden anderen gelacht: "Haha, guck mal, die Besoffenen."

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Erinnerungen aller Beteiligten lückenhaft

Wie viel diese davon mitbekommen haben, wird aus verschiedenen lückenhaften Erinnerungen von Angeklagtem, Opfer und Zeugen nicht ganz klar. Offenbar gibt es zwischen dem Handwerker und der anderen Gruppe einen Blickkontakt, den der Freund des Angeklagten als provozierend empfindet. Beleidigungen wechseln, es kommt zum Gerangel zwischen dem Handwerker und dem Freund des Angeklagten.

Der Handwerker schlägt seinen Kontrahenten zu Boden. Da zieht der bisher unbeteiligte Angeklagte ein Messer. "Ich dachte, vielleicht macht er ihn jetzt kalt. Ich musste mich schnell entscheiden", begründet er vor Gericht sein damaliges Handeln. Er sticht zu, dreimal, trifft den Handwerker an Hals und Rücken. Dieser fasst sich an den Hals, bemerkt das Blut. Seine Freundin erinnert sich: "Dann ist er auf mich zugetaumelt, zusammengebrochen und in meinen Armen fast verblutet."

Opfer leidet an Spätfolgen

Der mutmaßliche Täter und sein Freund fliehen zunächst. Umstehende Zeugen rufen Polizei und Rettungswagen. Das Opfer wird bewusstlos ins Krankenhaus gebracht. Es schwebt zwischenzeitlich in Lebensgefahr und kann das Krankenhaus erst Wochen später wieder verlassen.

Noch heute sind Teile seiner linken Hand infolge einer der Stichwunden am Hals gelähmt. Den Arm kann er nur schwer kontrollieren. Ob er seinen Beruf als Handwerker jemals wieder voll wird ausüben können, ist ungewiss. "Wenn ich jetzt durch die Stadt laufe", so das Opfer, "drehe ich mich öfter um. Ich schlafe nachts schlechter, das Selbstvertrauen ist ein bisschen weg. Ich fühle mich nutzlos auf der Arbeit mit meinem Arm."

Angeklagter bereut die Tat

"Mein Ziel war es, ihn für kurze Zeit gefechtsunfähig zu machen", erklärt der Angeklagte, der im Gerichtssaal nicht weniger mitgenommen wirkt als das Opfer. "Es war nie meine Absicht, ihn umzubringen. Leider habe ich den Hals getroffen. Da habe ich nicht hingezielt." Er habe ein sehr schlechtes Konzentrationsvermögen, gerade unter Drogeneinfluss.

Mit dem Drogenkonsum hatte der heute 22-Jährige und aus Nordfriesland Stammende nach eigener Aussage bereits früh angefangen. "Mit 13, 14 ging es los: Cannabis, Speed, Ecstasy, mit 15 Kokain."
Das war lange nachdem sich seine Mutter vom Vater getrennt hatte. Der hatte getrunken und sie geschlagen.

"In der Schule bin ich nicht zurechtgekommen", erinnert sich der Angeklagte. Er kam auf ein Internat, flog dort raus. "Ich hab alles andere als Schule gemacht, Mist gebaut." Die Hauptschule schaffte er schließlich mit Ach und Krach, riss sich dann zusammen für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kindergarten. Doch spätere Anläufe zur Mittleren Reife oder einer Ausbildung zum KFZ-Lackierer scheiterten an seiner schlimmer werdenden Drogensucht.

Unterbringung in einer Anstalt könnte Veränderung schaffen

Mittlerweile spritzte er sich Kokain und Heroin. Mehrere Entzüge und Therapien hielt er nicht durch. "Jeden Tag hab ich Kokain geraucht und gespritzt, haufenweise Tabletten genommen", so der Angeklagte. Die Mutter nahm ihn schließlich nicht mehr bei sich auf. "Mein Vater hat mir immer das Gefühl gegeben, ich kann nichts."

Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag – den möglichen Tod des Opfers habe der Angeklagte billigend in Kauf genommen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Im Falle einer Verurteilung erwarten den Angeklagten neben einer Freiheitsstrafe die Unterbringung in einer Entzugsanstalt. Er wäre bereit dazu, so der Angeklagte. "Ich kann noch die Kurve kriegen. Ich schätze mich nüchtern als freundlichen, umgänglichen Typen ein." Zurzeit sei er auf Entzug, telefoniere öfter mit seiner Mutter. Zum Opfer gewandt sagt er: "Es tut mir von Herzen leid. Ich habe scheißüberreagiert."

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