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Holstein Kiel vor dem möglichen Aufstieg: "Tragt das einzig wahre Trikot"

Kiel im Aufstiegs-Fieber  

"Hängt Fahnen, Schals und Plakate auf und tragt das einzig wahre Trikot"

Von Eva Puschmann, Sven Raschke

23.05.2021, 10:27 Uhr
Holstein Kiel vor dem möglichen Aufstieg: "Tragt das einzig wahre Trikot". An einem Balkon hängt eine Flagge: Die Fan-Gruppe will dazu aufrufen, dass die ganze Stadt in den Farben des Vereins leuchtet. (Quelle: Sven Raschke)

An einem Balkon hängt eine Flagge: Die Fan-Gruppe will dazu aufrufen, dass die ganze Stadt in den Farben des Vereins leuchtet. (Quelle: Sven Raschke)

Obwohl sie nicht ins Stadion dürfen, stehen die Fans hinter der Mannschaft von Holstein Kiel. Eine Fangruppe will das in der ganzen Stadt sichtbar machen und ruft die Bürger dazu auf, alles in Blau, Weiß und Rot zu hüllen. 

Horst Michelsen ist Holstein-Fan, seit er in Kiel wohnt. Das macht 40 Jahre für den 66-Jährigen. Die Fahne hängt, wohin es auch geht, das ganze Jahr durch an seinem Rollstuhl – "egal ob Regen oder Schnee", wie er sagt. Fanbekundungen wie diese wünscht man sich beim Block 501.

Die Fangruppierung hatte vor ein paar Tagen dazu aufgerufen, wo es nur geht, Farbe zu bekennen. "Hisst die Fahnen in euren Gärten; hängt Fahnen, Schals und Plakate in eure Zimmerfenster oder Autos und tragt das einzig wahre Trikot auf der Arbeit oder in der Fußgängerzone", heißt es auf Flyern und den sozialen Kanälen von Block 501. Zwei Tage vor dem großen Entscheidungsspiel am Sonntag gegen Darmstadt zeigt der Gang durch die Kieler Straßen: Da ginge deutlich mehr.

Auch Nicht-Fans lassen sich mitreißen

Aber wer sich aufmerksam umsieht, entdeckt hier und da durchaus das Blau-Weiß-Rot: Gehisst in Schrebergärten, Balkonfassaden schmückend – oder etwa flatternd vor den Büros der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, direkt gegenüber des Holstein-Stadions.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung hat geflaggt. (Quelle: Sven Raschke)Auch die Kassenärztliche Vereinigung hat geflaggt. (Quelle: Sven Raschke)

"Als unmittelbare Nachbarn haben wir uns da doch in der Verantwortung gesehen, Holstein Kiel den Rücken zu stärken", sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Peter Oleownik. Er selbst sei gar kein so großer Fußballfan – "aber wenn Holstein Kiel spielt, dann natürlich schon. Da ist man natürlich ein bisschen patriotisch", sagt Oleownik und tippt auf Sieg für Kiel. 

Und auch im Netz lassen sich viele dazu hinreißen, sich in den Farben der Kieler Mannschaft zu präsentieren. So verkündeten beispielsweise die Mitarbeitenden der AWO, dass sie der Mannschaft die Daumen drücken.

Und sogar Mateu Morey vom BVB präsentiert bei Instagram sein neues Kieler Trikot. Der Dortmunder Rechtsverteidiger hatte sich bei einem Laufduell im DFB-Pokal-Halbfinale gegen die Kieler ohne gegnerische Einwirkung schwer verletzt. Als kleine Aufmerksamkeit zur Genesung gab es dafür einen Geschenkkorb von den Störchen. Am Sonntag drückt er ihnen dann hoffentlich in blau-weiß die Daumen.

Fangruppe empört über Zuschauerverbot

Eine Sache trübt die Vorfreude auf das Spiel am Sonntag allerdings: Das Verbot von Fans im Stadion. Dass am Sonntag immer noch keine Zuschauer ins Stadion dürfen, findet er gut. "Gerechtigkeit für alle", sagt Michelsen. "Und vor allem beim letzten Spiel – was sollte das auch." 

Tatsächlich hat er seine Mannschaft schon seit Jahren nicht mehr spielen gesehen. "Kann ich nicht – ich hab ja kein Sky. Das letzte Spiel hab ich gesehen, ach, da waren sie noch in der dritten Liga." Das Entscheidungsspiel würde er schon gern anschauen – wird es aber wohl wie all die anderen Partien in den vergangenen Jahren im Radio verfolgen. Ob es für die Kieler für die Bundesliga reicht, weiß er nicht, zuversichtlich ist er dennoch. "Natürlich! Positiv denken müssen wir ja. Obwohl – erste Liga wäre nicht das Richtige, das sag ich ganz ehrlich." Warum? "Weil sie dann gleich wieder absteigen würden."

Horst Michelsen: Der 66-Jährige fährt mit Holstein-Kiel-Flaggen an seinem Rollstuhl durch Kiel. (Quelle: Sven Raschke)Horst Michelsen: Der 66-Jährige fährt mit Holstein-Kiel-Flaggen an seinem Rollstuhl durch Kiel. (Quelle: Sven Raschke)

So entspannt wie Michelsen sieht man es beim Block 501 nicht. "Die Mannschaft spielt die Saison ihres Lebens und wir sind dazu verdammt, die Spiele unseres Vereins vom Sofa aus zu verfolgen", heißt es von dort. Die Gruppierung beklagt, "dass sich unsere Mannschaft vor diesem historischen Spiel am Sonntag nicht den verdienten Rückhalt holen kann, um gestärkt in unser Aufstiegsspiel zu gehen".

Maskenpflicht vor dem Stadion

Das Zuschauerverbot im Stadion wird sicherlich viele Fans nicht davon abhalten, sich am Spieltag vor dem Gebäude versammeln zu wollen. Damit rechnet man jedenfalls von Stadtseite. Sprecher Arne Ivers weist deshalb auf die dort am Sonntag geltende Maskenpflicht hin. Die Stadt kündigte bereits an, die Straßen direkt um das Stadion herum zu sperren. Auch das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung sei dort verbindlich, heißt es.

"Wir alle fiebern dem Sonntag entgegen und der mögliche Aufstieg wäre ein historisches Ereignis", sagt Kiels Ordnungsdezernent Christian Zierau. Dennoch sollen durch die Feierlaune der Fans nicht andere gefährdet werden.

Stadt zeigt am Sonntag keine Flagge

Bis zum Anpfiff jedenfalls ist für die Kieler noch etwas Zeit, die Stadt einzufärben. Mit den Worten von Block 501: "Es liegt an uns: Um der Mannschaft das richtige Mindset zu geben, müssen wir unverkennbar machen, dass wir fest an das Team glauben. Ganz Kiel soll und muss Farbe bekennen."

Vor dem Rathaus wird am Spieltag trotzdem keine Flagge der Störche wehen – anders als noch beim letzten Spiel am vergangenen Sonntag gegen den Karlsruher SC. "Wir können dieses Mal leider nicht beflaggen", begründet Stadtsprecher Ivers, denn der 23. Mai ist zugleich Tag des Grundgesetzes, und dafür sei eine entsprechende Festbeflaggung vorgeschrieben.

Verwendete Quellen:

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