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Prozess in Kiel: Mann hortet Wehrmachtspanzer und Waffen in Keller

Prozessauftakt  

Mann hortet Wehrmachtspanzer und Waffen in Keller

28.05.2021, 14:00 Uhr
Prozess in Kiel: Mann hortet Wehrmachtspanzer und Waffen in Keller. Der wegen Besitzes eines Panzers und anderen Kriegsgeräts Angeklagte (M) und sein Anwalt Gerald Goecke (l) im Gerichtssaal in Kiel. (Quelle: dpa/Axel Heimken)

Der wegen Besitzes eines Panzers und anderen Kriegsgeräts Angeklagte (M) und sein Anwalt Gerald Goecke (l) im Gerichtssaal in Kiel. Foto: Axel Heimken/dpa. (Quelle: Axel Heimken/dpa)

Ein Rentner aus der Nähe von Kiel steht wegen Besitzes eines Kampfpanzers und zahlreicher weiterer Kriegswaffen vor Gericht. Es geht um die Frage: Handelt es sich um Kriegsgerät oder Museumsstücke?

Ein Wehrmachtspanzer, Typ "Panther", ein Mörser, eine Flugabwehrkanone, ein Torpedo, dazu zahlreiche Maschinen- und Sturmgewehre, Pistolen, Waffenteile und Tausende Schuss Munition. Die Liste klingt so, als könnte man damit einen kleinen Krieg beginnen – beschreibt aber die Privatsammlung eines 84-jährigen Rentners aus dem Kieler Vorort Heikendorf. Klaus-Dieter F. bunkerte das Kriegsgerät jahrelang auf seinem Grundstück. Als die Behörden 2015 darauf aufmerksam wurden und das komplette Arsenal beschlagnahmten, gingen die Bilder um die Welt.

Am Freitagvormittag nun steht Klaus-Dieter F., der in seiner Villa auch Nazi- und Wehrmachtsgegenstände sammelte, vor dem Kieler Landgericht. Die große Frage, die zu klären ist: Handelt es sich bei Panzer und Co. lediglich um eine harmlose Hobbysammlung – oder um den unerlaubten Besitz von einsatzfähigem Kriegsgerät?

Waffen scheinen weitestgehend alt, beschädigt und kampfuntauglich

Die Auflistung der verschiedenen Waffen, Waffenteile, Granaten, Sprengstoffe und Munition unterschiedlichsten Kalibers zu Beginn der Verhandlung durch die Staatsanwaltschaft scheint kein Ende zu finden. Irgendwann geben es die zahlreich anwesenden Journalisten auf, mitzuschreiben. Auch Gerichtssprecher Markus Richter hat auf spätere Nachfrage hin den Überblick verloren. Deutlich wird aber: Das Gerät ist zu großen Teilen rostig oder beschädigt.

Das trifft auch auf Panzer, Mörser und Torpedo zu, die denn auch nach vorläufiger Einschätzung des Richters ohne erheblichen Reparaturaufwand nicht mehr ausreichend funktionsfähig seien, um als Kriegswaffe im Sinne des Kriegswaffenkontrollgesetzes infrage zu kommen. Der Panzer sei nicht mehr fahrtüchtig, die Panzerung nach heutigem Standard zu schwach für einen Kriegseinsatz, das Rohr von Rost befallen und eine Nutzung, wenn überhaupt, nur unter erheblicher Gefahr für die Insassen möglich.

Ein "Panther" Kampfpanzer steht in Heikendorf (Schleswig-Holstein) zum Abtransport bereit (Archivbild): Der Panzer ist nicht mehr fahrtüchtig. (Quelle: dpa/Carsten Rehder)Ein "Panther" Kampfpanzer steht in Heikendorf (Schleswig-Holstein) zum Abtransport bereit (Archivbild): Der Panzer ist nicht mehr fahrtüchtig. (Quelle: Carsten Rehder/dpa)

Nach Ansicht des Richters sei zu erkennen, dass bei der aufwendigen Renovierung des Panzers durch Klaus-Dieter F. das Ziel nicht der Kriegseinsatz war, sondern die Herstellung eines museumstauglichen Zustandes. Lediglich beim Flakgeschütz lasse der Zustand auf einen hinreichenden Tatverdacht auf den Besitz einer Kriegswaffe schließen.

Verteidigung spricht von ungefährlichen Sammlerstücken

Der Angeklagte verfolgt die gesamte Verhandlung schweigend und ohne erkennbare Gefühlsregung. Sein Verteidiger Gerald Goecke stimmt dem Richter in dessen Einschätzung weitestgehend zu. Nur zum für seinen Mandanten heiklen Punkt der Flak bemerkte er: "Zum Rohr gibt es keine Munition." Zur Waffentauglichkeit müsste diese erst angefertigt werden. "Das würde ein halbes Jahr dauern und 216.000 Euro kosten."

Zudem stamme die Flak aus einem militärhistorischen Museum der Bundeswehr. Goecke könne sich nicht vorstellen, dass diese ein kriegswaffentaugliches Stück herausgeben würde. Waffen und Munition seien über 50 und 80 Jahre alt, nicht gewartet und gepflegt, die Sprengstoffe längst ungefährlich und alles zusammen lediglich Sammlerstücke.

Anklage sieht dennoch Verstoß gegen Kriegswaffengesetz

Die Staatsanwaltschaft sieht den Fall deutlich kritischer als Richter und Verteidigung. Da der Angeklagte bemüht gewesen sei, den Panzer in einen möglichst originalgetreuen Zustand zu versetzen, handele es sich im Mindesten um den Versuch der Herstellung einer Kriegswaffe.

Viele der Beschädigungen am Panzer seien zudem erst bei der Beschlagnahmung durch die Behörden entstanden. Überhaupt sei der Zustand des Panzers nicht entscheidend für die Einschätzung, ob er Kriegsgerät sei oder nicht – dafür genüge die offizielle Einstufung des Panzertyps als Kriegswaffengerät.

Angeklagter sammelte auch Nazi- und Wehrmacht-Gegenstände

Rund neun Stunden brauchten 20 Soldaten im Jahr 2015, um den knapp 40 Tonnen schweren "Panther" mit Bergungspanzern aus dem Keller des Anwesens zu ziehen. Der 84-Jährige will seinen Panzer in England als Schrott gekauft haben. "Die Ordnungsbehörden und alle Anwohner wussten seit Jahren von dem 'Panther' und anderen Museumsstücken historischer Militärtechnik in dem Keller meines Mandanten", sagte Verteidiger Goecke vor dem Prozess der Deutschen Presse-Agentur. Sein Mandant habe eine "untadelige Lebensführung" und sei "in seinem langen Leben strafrechtlich in keiner Weise" vorbelastet.

Doch an der untadeligen Lebensführung des ehemaligen Finanzmaklers gibt es Zweifel. In den Räumen der Villa von Klaus-Dieter F. fanden Ermittler laut "Spiegel" zahlreiche Hitlerbüsten, Hakenkreuzfähnchen und NS-Uniformen. Der damalige Bürgermeister von Heikendorf sprach von einem "nachgebauten Führerbunker".

Erkenntnisse der Ermittler, so der "Spiegel" weiter, "legen nahe, dass der Senior sich in einem braunen Sumpf bewegte". Der Anklage zufolge "pflegte er zumindest in der Vergangenheit eine Nähe zu Rechtsextremisten, sah verächtlich auf den deutschen Rechtsstaat".

Verständigung auf Bewährungszahlung in Aussicht

Bereits seit 2018 bemühte sich Klaus-Dieter F.s Anwalt um eine Verständigung mit Gericht und Staatsanwaltschaft, um seinem Mandanten einen langwierigen Prozess und die damit verbundene "Belastung körperlicher und seelischer Art" zu ersparen. "Meinem Mandant läuft die Lebenszeit weg", so Goecke. Im Gespräch war bisher ein Verkauf des Panzers an ein Museum in den USA für eine Million Euro. Die Summe sollte als Bewährungsauflage in die Landeskasse fließen.

Richter und Staatsanwalt signalisieren am Freitag Bereitschaft zu einer entsprechenden Verständigung. Noch müssten aber Einzelheiten geklärt werden. Dazu wollen sich die Parteien bis zum nächsten Verhandlungstag am Donnerstag, dem 10. Juni, zusammensetzen. Dann sollen Sachverständige zum Zustand der Waffen befragt werden.

Wie es aussieht, wird Klaus-Dieter F. mit einem blauen Auge davonkommen. Seinen Panzer und die Waffensammlung aber ist er wohl für immer los.

Verwendete Quellen:

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