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Kiel: Stadt erwägt Alkoholverbot und Sperrstunde im Schrevenpark

Lärm und Müllberge im Schrevenpark  

Stadt erwägt Alkoholverbot und Sperrstunde

07.06.2021, 21:57 Uhr
Kiel: Stadt erwägt Alkoholverbot und Sperrstunde im Schrevenpark.  (Quelle: Johanna Brüggemann)

(Quelle: Johanna Brüggemann)

Seit das Sommerwetter da ist, türmt sich im Schrevenpark der Müll schlimmer denn je. Anwohner sind dem Lärm Tausender Feiernder ausgesetzt. Die Stadt erwägt eine Sperrstunde sowie Alkoholverbot.

Mit dem guten Wetter strömen die Menschen wieder in den Schrevenpark. Und mit ihnen kommen die Probleme zurück in Kiels wohl beliebteste Grünanlage – nur dieses Jahr offenbar massiver als bishre. An den vergangenen beiden Wochenenden musste die Polizei immer wieder wegen des Lärms von hunderten Feiernden einschreiten.

Und an den Morgen darauf waren die sonst grünen Wiesen bunt vor Müll. "Ich habe Bilder vom Wochenende gesehen, die sind schon katastrophal", sagt Christian Zierau, Ordnungsdezernent der Stadt. Er sieht die Ursache – einmal mehr – in der Pandemie.

Auch Gewalt gegen Beamte 

Am extremsten war die Situation am letzten Maiwochenende. An dem Samstag versammelten sich aus Anlass des Holstein-Kiel-Entscheidungsspiels nach Angaben der Stadt etwa 3.000 Menschen im Schrevenpark. Aber auch an den anderen bisherigen Wochenendtagen musste die Polizei einschreiten, weil Hunderte Feiernde nicht auf die Aufforderungen der Ordnungskräfte im Park hören und nach Hause gehen wollten – zuletzt waren es bis spät in die Nacht vom vergangenen Samstag auf Sonntag 800 Menschen.

Bei der Stadt gingen wegen des Lärms laut Zierau "eine Vielzahl von Beschwerden" der Anwohner ein. "Wir haben in diesem Park schon immer viele junge Menschen, die sich treffen. Jetzt kommt aber dazu, dass die Clubs noch nicht geöffnet haben. Da kommt es dann im Park zu entsprechenden Treffen", so Zierau. Einerseits versehe er die jungen Leute, "die sich freuen, dass die Pandemie auf dem Rückzug ist." Auf der anderen Seite müssten aber auch Regeln eingehalten werden. "Da sind schließlich auch Tiere, die belästigt werden."

Eigentlich patrouillieren im Schrevenpark regelmäßig Ordnungskräfte, die für die Einhaltung der Regeln sorgen sollen. "Das traf an den Wochenenden leider auf wenig Verständnis", so Zierau. "Dass eine öffentliche Autorität sagt: Jetzt ist hier Schluss – das wird leider nicht befolgt." Das bekamen am vergangenen Freitag auch die einschreitenden Polizisten zu spüren. Vier Beamte wurden verletzt, ein Mann wurde festgenommen, so die Angaben der Stadt.

Kieler empören sich über den Müll

In den sozialen Medien reagieren die Kieler vor allem empört auf die Müllberge. "War echt schockiert und ohne Worte", schreibt eine Nutzerin im Nachbarschafsforum nebenan.de . "Ekelhaft", "Unfassbar" und "Das macht mich so wütend" liest man auf Instagram. Von "unfassbar asozialem Verhalten" spricht ein Nutzer. Ein anderer schreibt: "Da steht sogar noch ein Grill... Na klar, beim nächsten Mal wird eben ein neuer gekauft... zum Kotzen diese Menschen."

Ein Elternteil schreibt: "Waren gestern zur Nachmittagszeit dort, mit unseren beiden Kleinkindern. Die beiden spielten ständig mit aufgesammeltem Müll und zur Krönung mit alten Grillkohlen, die sie unter einem Baum fernab der großen Wiese gefunden hatten. Richtig blöd und schade. Gefühlt wird es auch schlimmer." Den Eindruck hat auch ein weiterer Nutzer: "Dass Müll liegen gelassen wird, kennen wir wohl leider alle, aber in dem Ausmaß??? Und dann auch noch zu allem Überfluss, wo Gänse grasen und sich dabei schwer verletzen können??? Ich finde keine Worte dazu. Was ist mit dieser Menschheit los? Was muss ich für ein Mensch sein, dass ich zu so etwas fähig bin? Die Natur ist verdammt nochmal kein Mülleimer!!!“  

Vorschläge zur Verbesserung

Die Kieler Aktivistin Johanna Brüggemann hatte über Instagram dazu aufgerufen, Vorschläge zu machen, wie die Situation verbessert werden könnte. Die Antworten lauten etwa: Verstärkte Kontrollen, (höhere) Strafen, Alkohol- und/oder Grillverbot, eine Sperrstunde oder das Sperren von Wiesen. Außerdem das Aufstellen von mehr Mülltonnen, die Ausgabe von Müllsäcken, Müllpfand und die Aufklärung und Sensibilisierung der Besucher.

Manche der Vorschläge sind besonders kreativ. Etwa eine Art "Müll-Voting": "Zwei Container aufstellen und jedes Wochenende kann man mit dem Müll über etwas abstimmen; der vollere Container gewinnt." Ein anderer Nutzer schlägt vor, den Müll nicht wegzuräumen, sondern zu einem weithin sichtbaren Mahnmal aufzutürmen. 

Stadt erwägt Alkoholverbot und Sperrstunde

Vorschläge seien immer willkommen, sagt dazu Ordnungsdezernent Zierau. Über einige davon werde bei der Stadt bereits nachgedacht. Als Reaktion auf die Ausnahmesituation am letzten Maiwochenende wurde die Zahl der Ordnungskräfte im Schrevenpark bereits von vier auf acht verdoppelt.

Ein mögliches Alkoholverbot werde gerade geprüft. "Vorm Stadion hat es damit am Samstag Ende Mai ja gut funktioniert", so Zierau. Auch eine Sperrstunde sei nicht ausgeschlossen. "22 Uhr wäre eine möglich Zeit. Das muss letztendlich aber auch durchsetzbar sein." Mehr Mülltonnen könnten laut Zierau allerdings auch den Effekt haben, dass noch mehr Menschen in den Park kommen.

Daneben wolle man "gezielt Gruppen sensibilisieren", etwa über die sozialen Medien, vielleicht mit Bildern, die den vermüllten Schrevenpark am Morgen danach zeigen. "Strafen sind das letzte Mittel", so Zierau. "Wir setzen eher auf Verständnis. Das Wesentliche ist für uns das Thema Lärm und das Nicht-Respektieren von Gewalt gegen Beamte."

Kommt Freiheit, kommt Ruhe?

So wenig der Ordnungsdezernent den aktuellen Zustand begrüßt – er vertraut darauf, dass der nicht von Dauer ist. "Ich glaube dass wir gerade eine temporäre besondere Situation haben", sagt Zirau. Mit fortschreitender Normalisierung der allgemeinen Situation und dem weiteren Rückzug der Pandemie werde sich auch die Lage im Schrevenpark entschärfen.

In einigen Wochen, so glaubt Zierau, werde alles wieder normaler werden. Normal, das heißt dann wohl: Nicht ganz so viel Müll und etwas weniger nächtlicher Lärm im Schrevenpark.

Verwendete Quellen:
  • Johanna Brüggemann, Aktivistin aus Kiel
  • Eigene Recherchen

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