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Köln: Nummer gegen Kummer – "Die Kinder haben sonst kein Zuhörer"

Nummer gegen Kummer in Köln  

"Die Kinder haben sonst niemanden, der ihnen zuhört"

30.01.2021, 11:52 Uhr
Köln: Nummer gegen Kummer – "Die Kinder haben sonst kein Zuhörer". Eine Mitarbeiterin des Kölner Kinder- und Jugendschutzbundes bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit: Bei der Hilfe-Hotline rufen jedes Jahr Tausende Kinder und Jugendliche an. (Quelle: Kinder- und Jugendschutzbund Köln)

Eine Mitarbeiterin des Kölner Kinder- und Jugendschutzbundes bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit: Bei der Hilfe-Hotline rufen jedes Jahr Tausende Kinder und Jugendliche an. (Quelle: Kinder- und Jugendschutzbund Köln)

Sie sind für Kinder und Jugendliche da, wenn ihnen niemand sonst hilft: Die Mitarbeiter des Kölner Kinder- und Jugendhilfetelefons beraten ihre Klienten in schwierigen Situationen.

Manche Anrufer wollen nur reden, manche brauchen wirklich Hilfe: Aus den unterschiedlichsten Gründen rufen Kinder und Jugendliche bei der Hilfe-Hotline des Kinder- und Jugendschutzbundes in Köln an. Was sie aber alle bekommen, ist einen aufmerksamen Zuhörer. Denn die ehrenamtlichen Betreuer der Hotline sind darin besonders geschult. Für sein Engagement, das letztes Jahr 50-jähriges Jubiläum gefeiert hat, ist der Kinder- und Jugendschutzbund in Köln mit dem Ehrenamtspreis der Stadt ausgezeichnet worden.

Allein im Jahr 2019 hat der Verein 7.500 Anrufe entgegengenommen. Im Corona-Jahr 2020 waren es sogar noch mehr, wie der Leiter der Prävention und Frühen Hilfen im Stadtbezirk Rodenkirchen, Hans-Jürgen Dohmen, t-online erzählt.

Der Verein bietet mit seinen ehrenamtlichen Mitarbeitern und der Telefonhotline den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, über Themen zu sprechen, über die sie sonst vielleicht noch nie geredet haben. "Es geht viel um Sexualität, Liebeskummer, aber auch Mobbing in der Schule, Erziehung oder sexuellen Missbrauch", erzählt Martina H.*, die bereits seit zehn Jahren ehrenamtlich bei der Hotline arbeitet. "Durch die Anonymität des Angebots trauen sich die Anrufer, Fragen zu stellen, die sie sonst wohl nicht gestellt hätten, etwa in Bezug auf Sexualität", sagt H. weiter. 

Manchmal wundere sie sich, warum sie solche Themen nicht mit den Eltern besprochen hätten, gibt H. zu bedenken. Auch die ehrenamtliche Mitarbeiterin Kathrin B.*, die gerade erst ihre einjährige Ausbildung als Vorbereitung auf den Telefondienst absolviert hat, bestätigt, dass es manchmal um ganz alltägliche Dinge geht. "Manche wollen etwa wissen, wie sie mit Freunden umgehen sollen, die gemein zu ihnen waren."

Viele wollen nur jemanden, der zuhört

Die Gespräche verlaufen dabei in den Abläufen oft ähnlich, dennoch ist jedes verschieden, betonen beide ehrenamtlichen Mitarbeiter. Am Anfang stehe meist die Begrüßung, dann werde nach dem Anliegen gefragt, und danach hören die Mitarbeiter der Telefon-Hotline meist recht lange zu. "Denn die Kinder und Jugendlichen rufen an, damit ihnen jemand zuhört", so H. Nachdem die Situation geschildert worden ist, versuchen die Mitarbeiter die Klienten oft zu bestärken oder einen Dialog anzufangen. "Dann kann man schauen, wie können die Kinder mit dem Problem umgehen und kann ich Hilfe anbieten", sagt Martina H.

Es gebe aber auch Anrufer, die minutenlang einfach nur schweigen. "Dann muss man versuchen, herauszufinden, was die Kinder bewegt", so H. weiter. Teilweise können die Telefonate aber sehr traurig sein, gibt H. zu bedenken. Denn viele Anrufer legen einfach plötzlich auf. "Da weiß man nie, ob es daran liegt, was man gesagt hat und fragt sich natürlich nach den Gründen", so H.

Hilfe gibt es auch für die Ehrenamtlichen

Hans-Jürgen Dohmen, der die Ehrenamtler im Kölner Kinder- und Jugendhilfetelefon koordiniert, sagt, dass er seine Mitarbeiter auf solche Situationen vorbereitet. "Einmal im Monat gibt es eine Besprechung, in der wir schwierige Anrufe erörtern". Außerdem gebe es auch eine Notfallhotline für Mitarbeiter, wenn die Anrufe zu belastend werden.

Denn besonders die Telefonate, in denen es etwa um sexuellen Missbrauch geht und die Anrufer dann abbrechen, gehen den Mitarbeitern nahe, so Dohmen. "Ich versuche, die Berater zu bestärken: Es war bis dahin ein gutes Gespräch, es kann daher nicht an dir gelegen haben." 

Kathrin B., die erst seit wenigen Wochen dabei ist, hatte bisher noch keinen solchen Fall, in dem es um sexuellen Missbrauch gegangen ist, stellt sich die Zweifel, alles richtig gemacht zu haben, aber schwer vor. Dennoch ist die ehrenamtliche Arbeit für sie deswegen nicht abschreckend, ganz im Gegenteil. Denn: "Aus den meisten Anrufen gehe ich positiv heraus."

Verwendete Quellen:
  • Interview mit Hans-Jürgen Dohmen, Martina H. und Kathrin H. (* um die Anonymität des Angebots aufrechtzuerhalten, werden die Namen der Hotline-Mitarbeiter nicht genannt, sind der Redaktion aber bekannt)

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