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Köln: Saxophonist Delbrügge spielt Live-Konzert – Parkbank als improvisierte Bühne

Kölner Musiker Delbrügge  

"Ich habe auf den Parkbänken der Stadt ein ganzes Album komponiert"

Von Frank Überall

10.05.2021, 09:14 Uhr
Köln: Saxophonist Delbrügge spielt Live-Konzert – Parkbank als improvisierte Bühne. Saxophonist Bernd Delbrügge und sein Kollege Ebasa Pallada an der Trompete: Mit ihrem Freiluft-Konzert erfreuten sie sich und viele Kölner Zuhörer im Ehrenfelder Rochuspark. (Quelle: Frank Überall)

Saxophonist Bernd Delbrügge und sein Kollege Ebasa Pallada an der Trompete: Mit ihrem Freiluft-Konzert erfreuten sie sich und viele Kölner Zuhörer im Ehrenfelder Rochuspark. (Quelle: Frank Überall)

Am Sonntag war der Kölner Saxophonist Bernd Delbrügge wieder in seinem Element: Bei sommerlichen Temperaturen spielte er nach coronabedingt langer Pause wieder sein erstes Livekonzert – auf einer Parkbank in Ehrenfeld.

Die Sonne scheint im Rochuspark in Köln-Ehrenfeld. Bernd Delbrügge rückt sein Saxophon zurecht, prüft den korrekten Sitz des Mundstücks. Er ist ein wenig aufgeregt. Seit Jahrzehnten spielt er auf großen und kleinen Bühnen. Dann kam Corona. Auftrittsverbot. Jetzt kann er endlich wieder auftreten. Unter freiem Himmel.

"Das war schon frustrierend für uns freischaffende Musiker", erzählt Bernd Delbrügge. Mit den "Soul Cats", in anderen Formationen und solo ist der Vollblut-Saxophonist auf der Bühne quasi zu Hause. "Im März 2020 war es heftig, plötzlich nicht mehr das zu tun, was ich am allerliebsten mache: Mit meinem Instrument für Menschen zu spielen." Jetzt ist er wieder in seinem Element. Nicht in einem abgedunkelten Raum, sondern mitten in der städtischen Natur. Und statt professioneller Licht-Show muss die Sonne als Beleuchtung ausreichen. Die aber zeigt an diesem Sonntag im Mai zum ersten Mal ihr schönstes Gesicht – ganz so, als ob sie das Sax-Konzert im Park bewusst im besten Licht erscheinen lassen will.

Die Parkbank ist die improvisierte Bühne

Zusammen mit seinem Partner Ebasa Pallada an der Trompete setzt er zu den ersten Tönen an. "Tut mir leid, wir haben das eineinhalb Jahre nicht mehr gespielt", ruft er dem staunenden Publikum zu: "Aber ich fühle mich großartig! Es wurde höchste Zeit, dass wir wieder vor echten Menschen spielen dürfen." Die Parkbank ist heute die improvisierte Bühne. Auf der Wiese rundherum sitzen, mit gebührendem Abstand, viele Schau- und Hörlustige. Füße wippen, man sieht verträumte Blicke.

"Ich hatte gar nicht mit einem solchen Erlebnis gerechnet", sagt eine Zuhörerin: "Umso glücklicher bin ich über diese Überraschung." Mit Namen mag sich von den sonntäglichen Erholungssuchenden niemand zitieren lassen. Viele wissen nicht, ob es nicht doch irgendwie gegen Corona-Auflagen verstoßen könnte, hier öffentlich Kultur zu genießen. Umso engagierter ist der Beifall nach jedem Stück im Rochuspark.

Bernd Delbrügge dankt für den Applaus, kann es kaum fassen, wieder Menschen begeistern zu dürfen. In den vergangenen Monaten hatte er bereits viel Zeit in Kölner Parks verbracht, erzählt er: "Ich habe viel geübt und ausprobiert mit meinem Instrument." Er habe sich ein mobiles Aufnahmegerät gekauft und einfach drauf los gespielt. Mit Improvisationen ließ er seiner musikalischen Kreativität freien Lauf. Einsam zwar, aber effektiv: "Ich habe auf den Parkbänken der Stadt ein ganzes Album komponiert." Drei Songs hat er bereits professionell mit seiner Band im Studio eingespielt. Dann kam der neue Lockdown.

"Wir sind vier Herren aus vier Haushalten – da durften wir uns noch nicht einmal treffen, geschweige denn Musik machen", berichtet Bernd Delbrügge. Bald soll es aber wieder losgehen. Im Juli stehen neue Aufnahmetermine im Studio an, im Herbst könnte das Album erscheinen: "Dann können wir hoffentlich wieder arbeiten, Spaß haben und Freude vermitteln– wie früher."

Förderprogramm für Open-Air-Veranstaltungen

Auch bei der Kölner Stadtverwaltung steigt mit den frühsommerlichen Temperaturen offenbar die Lust auf Kultur. Für die nächsten Monate wurde ein Förderprogramm ausgelobt, das besonders Open-Air-Veranstaltungen der freien Kulturszene berücksichtigt. Da darf und soll Musik gemacht, getanzt oder Theater gespielt werden, auch Kabarett und Comedy werden unterstützt – sofern es die aktuellen Hygienevorschriften erlauben.

Die Freiluft-Bühnen sollen nach Auskunft der Verwaltung vor allem denjenigen für Auftritte angeboten werden, die ihre Indoor-Veranstaltungen unter Corona-Bedingungen nicht mehr wirtschaftlich oder gar nicht mehr durchführen können: "Auf diesem Wege soll zahlreichen in der Stadt und der Region lebenden Kulturschaffenden die Möglichkeit eröffnet werden, wieder vor Publikum aufzutreten und die coronabedingten Ausfälle und deren Auswirkungen etwas abfedern zu können", heißt es in einem Papier der Stadt Köln.

Bernd Delbrügge findet das gut: "Das kann die Livemusik in Köln endlich wieder in den Fokus rücken. Dann können wir wieder zeigen, was für eine reiche Szene mit großartigen Musikerinnen und Musikern wir haben." Wichtig sei es aber gerade in diesen Krisenzeiten, dass im Rahmen eines solchen städtischen Förderprogramms dann auch seriöse Gagen gezahlt werden.

Im Frühjahr vergangenen Jahres hatte Bernd Delbrügge an Kulturstaatsministerin Monika Grütters in Berlin geschrieben. "Wir sind nicht arbeitssuchend, wir können und dürfen unsere Arbeit schlichtweg nur auf unbestimmte Zeit nicht mehr ausüben", beklagte er sich und machte darauf aufmerksam, dass viele seiner freischaffenden Kolleginnen und Kollegen Hartz IV beantragen mussten.

Jetzt aber will er den Blick nach vorne richten. Gestärkt durch ein gelungenes Konzert im Ehrenfelder Rochuspark sieht man Bernd Delbrügge seinen Optimismus wieder an. Er lächelt, packt sein Saxophon wieder ein. Es soll ganz bald wieder zum Einsatz kommen, und das nicht einsam auf einer Parkbank.

Verwendete Quellen:
  • Interview vor Ort

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