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Experte vor G7-Treffen: Getreide verstÀrkt Ungleichgewichte

Von dpa
13.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Sebastian Hess
Sebastian Hess, Professor an der UniversitĂ€t Hohenheim mit dem Fachgebiet AgrarmĂ€rkte. (Quelle: Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Der vom Russland-Ukraine-Krieg angeheizte Preisanstieg fĂŒr Getreide verstĂ€rkt nach EinschĂ€tzung eines Landwirtschaftsexperten weltweite Ungleichgewichte. "Arme LĂ€nder, die stark auf Importe angewiesen sind, strapazieren ihre Finanzreserven zum Kauf von Getreide", sagte der Agrarwissenschaftler Sebastian Hess von der UniversitĂ€t Stuttgart-Hohenheim der Deutschen Presse-Agentur.

Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (GrĂŒne) wird am heutigen Freitag (11.00 Uhr) mit seinen Amtskolleginnen und Amtskollegen der großen Industriestaaten (G7) auf Schloss Hohenheim ĂŒber die Kriegsfolgen beraten. Nach Regierungsangaben wird auch der ukrainische Ressortchef Mykola Solskyj teilnehmen, um ĂŒber die Lage in seinem Land zu berichten. Zur Gruppe der G7 gehören neben Deutschland die USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan.

"Wir haben bei Getreide eine sehr angespannte Situation, die von großer Unsicherheit geprĂ€gt ist", sagte Hess mit Blick auf die weltweiten MĂ€rkte. Zur Situation in der Ukraine sagte er: "Es wird versucht, Getreide aus der Ernte des vergangenen Sommers mit EisenbahnzĂŒgen nach Westeuropa zu bringen, weil die SchwarzmeerhĂ€fen blockiert sind."

"Wir mĂŒssen damit rechnen, dass sich Brot, Brötchen und Baguette etwas verteuern. Aber das wird unsere Versorgungslage nicht bedrohen", sagte Hess. Er warnte vor dem Anlegen unnötiger VorrĂ€te - auch Staaten könnten versuchen, eine Hamsterstrategie zu betreiben. "Jeder Einzelne sollte vermeiden, VorrĂ€te mit Mehl anzulegen, die man realistischerweise nie braucht", riet Hess.

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Mit Blick auf BefĂŒrchtungen, dass die neue Ernte in der Ukraine wegen des Krieges stark beeintrĂ€chtigt werden könnte, sagte Hess: "Bisher sieht es so aus, dass sich die schlimmsten Prognosen fĂŒr das laufende Jahr nicht bewahrheiten. Das Getreide ist aber noch nicht reif und noch nicht geerntet." Die vergangene Ernte sei sehr gut gewesen, ein erheblicher Teil davon sei noch eingelagert. "Die Versorgungslage in der Ukraine selbst darf nicht vergessen werden. Die Menschen dĂŒrfen nicht in eine Hungerkrise kommen", warnte Hess.

Nach Ansicht des Direktors des WelternĂ€hrungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) in Deutschland, Martin Frick, liegt in der Konzentration auf drei Getreidesorten eine Gefahr fĂŒr die weltweite Versorgungssicherheit. Weizen, Mais und Reis machten 40 Prozent der weltweit konsumierten Kalorien aus. Um diese AbhĂ€ngigkeiten aufzulösen, brauche es unter anderem eine RĂŒckbesinnung auf die Vielfalt von Nutzpflanzen, etwa Sorghum, Maniok oder Quinoa. Die vergessenen Pflanzen seien oft widerstandsfĂ€higer gegen die Klimakrise und gesĂŒnder. "Mehr Vielfalt auf dem Teller hilft deshalb auch im Kampf gegen den Hunger", sagte Frick.

Einen Ausbau der Nahrungsproduktion forderte die FDP-Fraktionsvize im Bundestag, Carina Konrad. "Der Knappheit an Agrarrohstoffen mĂŒssen wir mit Ertragssteigerung begegnen. Nicht nur bei uns in Deutschland, sondern weltweit", sagte sie der dpa vor dem Treffen der G7-Agrarminister. "FĂŒr uns bedeutet der Krieg in der Ukraine höhere Lebensmittelpreise, fĂŒr die Ärmsten der Welt jedoch dramatischen Hunger." PlĂ€ne zur Ausweitung der Biolandwirtschaft mit ihrem FlĂ€chen- und Ressourcenverbrauch leisteten keinen Beitrag zur Lösung.

Die Welthungerhilfe warnte vor einem "noch drastischeren Anstieg" der Zahl der Hungernden. Um das zu verhindern, mĂŒssten die Agrarminister schnellstmöglich angemessene Akuthilfen auf den Weg bringen, sagte Welthungerhilfe-Vizepolitikchef Rafael Schneider der "Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung". Der Preisanstieg fĂŒr Lebensmittel durch den Ukraine-Krieg treibe ansonsten die Zahl der Hungernden weiter in die Höhe. Derzeit litten weltweit 800 Millionen Menschen unter Hunger.

Grund sei nicht nur der Krieg, sondern es seien auch "Systemfehler", die Özdemir und seine Kollegen dringend beheben mĂŒssten. Zudem dĂŒrften Maßnahmen gegen akute VersorgungsengpĂ€sse nicht auf Kosten des Umweltschutzes gehen. Die Welthungerhilfe kritisierte insbesondere den Plan Özdemirs, den Weizenanbau zu erleichtern, um den Ausfall der Einfuhren aus der Ukraine zu kompensieren.

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