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Vorw├╝rfe gegen Bischof B├Ątzing ├╝berschatten Katholikentag

Von dpa
25.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Bischof Georg B├Ątzing
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg B├Ątzing. (Quelle: Nicolas Armer/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Kurz vor der Er├Âffnung des Katholikentags in Stuttgart ist auch aus der Kirche Kritik am Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg B├Ątzing, laut geworden. "Ich bin perplex und ├╝berrascht", sagte der Bischof des gastgebenden Bistums Rottenburg-Stuttgart, Gebhard F├╝rst, bei der Auftaktpressekonferenz am Mittwoch. "Ich kenne den Umfang jetzt nicht genau, aber ich w├╝rde in meiner Di├Âzese so etwas niemals tun."

Durch die "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" war am Dienstag bekannt geworden, dass B├Ątzing in seinem Limburger Bistum einen Pfarrer trotz Vorw├╝rfen sexueller Bel├Ąstigung bef├Ârdert hatte. Der Priester soll demnach im Jahr 2000 eine evangelische Pfarrerin in Ausbildung verbal und k├Ârperlich sexuell bel├Ąstigt haben, sp├Ąter auch eine angehende Gemeindereferentin. Ein Bistumssprecher sagte dazu, B├Ątzing habe eine Ermahnung gegen den Priester ausgesprochen. Weil der Priester Reue gezeigt und sich entschuldigt habe, habe B├Ątzing ihn aber doch zum Bezirksdekan ernannt.

Die Pr├Ąsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, wies am Mittwoch darauf hin, dass es sich nach ihrer Kenntnis nicht um strafrechtlich relevante Vorg├Ąnge gehandelt habe. "Aber die Frage, warum Bischof B├Ątzing in dieser Situation den betreffenden Priester dann als Regionaldekan eingesetzt hat, das ist nat├╝rlich eine Frage, die wahrscheinlich nicht nur ich mir stelle, und insofern gehe ich schon davon aus, dass hier er zu einem Fehler m├Âglicherweise in der Vergangenheit auch Stellung nehmen muss."

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Der Katholikentag sollte am Mittwochabend in Anwesenheit von Bundespr├Ąsident Frank-Walter Steinmeier er├Âffnet werden. Das Kirchenfest mit 1500 Veranstaltungen findet erstmals seit vier Jahren wieder in Pr├Ąsenz statt, allerdings werden viel weniger Teilnehmer erwartet als zuletzt, etwa 25.000. Darunter sind 7000 Mitwirkende. Zum Katholikentag 2018 in M├╝nster waren 90.000 Menschen gekommen.

Angesichts dieses R├╝ckgangs mussten sich die Verantwortlichen fragen lassen, warum der ungleich kleinere Katholikentag in Stuttgart mit zehn Millionen Euro genauso viel koste wie der besucherstarke in M├╝nster und ob es noch gerechtfertigt sei, so viel ├Âffentliches Geld daf├╝r auszugeben. Der Kirchenrechtler Thomas Sch├╝ller kritisierte Katholikentage als "kostspielige Strohfeuer ohne Nachhaltigkeit".

Stetter-Karp r├Ąumte ein, die Anmeldezahlen h├Ątten nicht nur mit Corona zu tun, sondern auch damit, dass die katholische Kirche durch eine "krisenhafte Situation" gehe. "Es ist bestimmt kein Zufall, dass wir im Programm ├╝ber 30 Veranstaltungen zu den dr├Ąngenden Reformfragen in der katholischen Kirche haben." Dabei gehe es unter anderem um Macht und Gewaltenteilung, die katholische Sexualmoral, den Zugang von Frauen zu allen ├ämtern und die verpflichtende Ehelosigkeit der Priester (Z├Âlibat).

Ein anderes ├╝berragendes Thema ist der Ukraine-Krieg. Gerade f├╝r Christen stelle der russische Angriff eine Herausforderung dar, sagte Stetter-Karp der Deutschen Presse-Agentur. Prinzipiell seien Christen in der Nachfolge von Jesus der Gewaltfreiheit und dem Frieden verpflichtet. "Gleichzeitig k├Ânnen wir seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges den Ukrainern nicht ihr Recht auf einen souver├Ąnen Staat, auf ihre Unversehrtheit und ein Leben in Freiheit absprechen. Das f├╝hrt in der Friedensethik zu massiven Verunsicherungen."

Stetter-Karp warnte die deutsche Politik angesichts der derzeitigen R├╝stungsanstrengungen vor einer Vernachl├Ąssigung der Entwicklungspolitik. "Wir fordern, den entwicklungspolitischen Etat gem├Ą├č dem Koalitionsvertrag an die Verteidigungsausgaben zu koppeln und nicht etwa zu k├╝rzen", sagte sie. "Wie dringend das ist, zeigen die Ersch├╝tterungen der Nahrungsmittelm├Ąrkte und die bedr├╝ckenden Nachrichten aus Afrika."

Den Papst nahm Stetter-Karp gegen den Vorwurf in Schutz, sich bisher nicht klar vom russischen Pr├Ąsidenten Wladimir Putin distanziert zu haben. Sie nehme wahr, dass sich der Papst bem├╝he, Gespr├Ąchswege offenzuhalten, und deshalb eine gewisse R├╝cksicht nehme. Gleichzeitig habe er in einem Gespr├Ąch mit dem Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche aber auch klargestellt, dass er nicht der "Ministrant von Putin" sei.

"Ich finde, das schon ein klares Wort von ihm", sagte Stetter-Karp. "Vielleicht wie manches Mal bei Papst Franziskus ist es nicht ganz leicht, eine Linie und ein Entweder-Oder wahrzunehmen."

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