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Wuppertal: Projekt macht Obdachlose fit für Wohnungsmarkt

INTERVIEWHilfe von Diakonie  

Projekt in Wuppertal macht Obdachlose fit für Wohnungsmarkt

Von Ulrich Brüne

11.12.2019, 15:12 Uhr
Wuppertal: Projekt macht Obdachlose fit für Wohnungsmarkt. Eine Seniorin sammelt Flaschen aus einem Mülleimer: Besonders alleinstehende Frauen sind in Wuppertal häufiger von Obdachlosigkeit bedroht, sagt die Diakonie. (Quelle: Schöning/Symbolbild)

Eine Seniorin sammelt Flaschen aus einem Mülleimer: Besonders alleinstehende Frauen sind in Wuppertal häufiger von Obdachlosigkeit bedroht, sagt die Diakonie. (Quelle: Schöning/Symbolbild)

Wuppertal ist stark von Wohnungslosigkeit betroffen. Letztes Jahr waren hier rund 2.000 Menschen wohnungs- oder obdachlos. Um das zu ändern, hat die Diakonie ein Projekt entwickelt, das Menschen von der Straße holen soll. t-online.de sprach mit Cornelia Lieto über die Herausforderungen bei dieser Aufgabe.

Um obdachlose Menschen bei der Wohnungssuche in Wuppertal aktiv zu unterstützen, hat Cornelia Lieto, Bereichsleiterin der Gefährdetenhilfe, für die Diakonie Wuppertal das Angebot "WOW“ entwickelt. Zwei Sozialarbeiterinnen und eine Immobilienfachfrau helfen seit dem 1. September 2019 bei der Vermittlung von Wohnraum, finanziert von der Landesinitiative "Endlich ein Zuhause!". 

t-online.de: Wofür steht WOW?

Cornelia Lieto: Der Name WOW steht für "Wohnraumvermittlung und Begleitung für obdach- und wohnungslose Menschen in Wuppertal". Und genau das tun wir: Wir begleiten diese Menschen bei der Suche nach einer festen Bleibe – und zwar vom ersten Moment des Kennenlernens an. Wir beschäftigen uns mit der aktuellen Alltagssituation und schauen zum Beispiel, ob die Wünsche und Vorstellungen die unsere Klienten haben, mit der realistischen Lebenssituation in Einklang zu bringen sind. Das ist nicht immer der Fall. Hier müssen wir tatsächlich oft korrigierend eingreifen.

Wer kommt alles zu Ihnen?

Innerhalb des Projekts haben wir schwerpunktmäßig zwei Gruppen definiert: Menschen unter 25 Jahren und Frauen. Beide Gruppen sind besonders von Obdachlosigkeit bedroht. Bei all dem darf man nicht vergessen, dass Obdachlosigkeit die schwerste Form der Armut ist. Noch ärmer geht eigentlich nicht mehr.

Und dann nehmen Sie Kontakt mit potenziellen Vermietern auf?

Erst einmal machen wir die Wohnungssuchenden wieder wohnfit. Das heißt, wir erarbeiten mit ihnen realistische Wohnungsansprüche. Dazu gehört aber auch, gemeinsam bei der Kleiderkammer oder dem Sozialkaufhaus "VielWERT" nach geeigneter Kleidung für den Besichtigungstermin zu schauen und die Suchenden bei ihrer Wohnungsbesichtigung zu begleiten. Dann sprechen wir potenzielle Vermieter an, klopfen die Möglichkeiten ab und machen natürlich deutlich, dass da jemand kommt, der obdachlos ist, mit dem wir aber auch schon seit geraumer Zeit in der Beratung zusammenarbeiten.

Wie reagieren denn Vermieter, die von Ihnen angesprochen werden?

Eigentlich recht positiv. Fast alle geben uns die Möglichkeit, den Menschen vorzustellen. Viele unserer Klienten sind ja auch in der Lage, die Miete zu zahlen. Entweder, weil sie Geld über das Job-Center bekommen oder sonstige Leistungszusagen haben. Es gibt also für Vermieter kein großes finanzielles Risiko. Zudem endet unsere Betreuung ja nicht mit der Unterschrift unter dem Mietvertrag. Wir schauen auch immer, welche begleitenden Hilfen notwendig sind, damit sich das Mietverhältnis langfristig stabilisieren kann. Drüber hinaus machen wir dem Vermieter deutlich: "Du bist hier an dieser Stelle jetzt nicht alleine. Wir bringen dir hier jetzt vielleicht einen schwierigen Mieter, aber wir haben zahlreiche Möglichkeiten, zu helfen und zu unterstützen."

Braucht Wuppertal ein Projekt wie WOW?

Ja, definitiv. Zurzeit geben wir 22 Frauen eine Unterkunft in unseren Einrichtungen. Die mussten tatsächlich auf der Straße schlafen. Hinzu kommen 100 Frauen, die keine feste Meldeadresse haben, die auf unserer Wohnerreichbarkeitsliste stehen. Die schlafen mal bei einer Bekannten oder bei einem Freund, sind also immer drauf angewiesen, dass jemand einen Schlafplatz hat – häufig auch unter menschenunwürdigen Bedingungen, bis hin zur Zwangsprostitution. Die halten das oft lange aus, sexuell ausgebeutet zu werden, nur damit sie ihre Wohnmöglichkeit nicht verlieren. Hinzu kommen 380 Männer ohne festen Wohnsitz.


Wie groß ist denn momentan das Wohnraumangebot?

Das Wohnungsangebot ist auch in Wuppertal sehr begrenzt. Trotzdem schauen wir uns intensiv um und bauen unsere Kontakte aus. Wuppertal ist Universitätsstadt, und wenn Sie als Vermieter die Wahl haben zwischen einem Obdachlosen und einem Studenten, dessen Eltern für die Miete aufkommen, können Sie sich vorstellen, wie die Entscheidung ausfallen wird. Trotzdem gibt es erste Erfolge. In den vergangenen Wochen konnten wir bereits für drei Menschen eine Wohnung finden. Da freuen wir uns schon sehr drüber.

Verwendete Quellen:

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