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Wuppertal Kolumne: Partnertausch im Tal

MEINUNGKolumne "Scheuges Talfahrt"  

Partnertausch im Tal

Von Jürgen Scheugenpflug

02.10.2020, 16:58 Uhr
Wuppertal Kolumne: Partnertausch im Tal. Wuppertal von oben: Kabarettist Jürgen Scheugenpflug kennt die Gepflogenheiten der Stadt in- und auswendig.  (Quelle: imago images/Westend61/Moritz Körschgen)

Wuppertal von oben: Kabarettist Jürgen Scheugenpflug kennt die Gepflogenheiten der Stadt in- und auswendig. (Quelle: Westend61/Moritz Körschgen/imago images)

Für t-online schreibt der in Wuppertal legendäre Kabarettist Jürgen Scheugenpflug exklusiv die Kolumne "Scheuges Talfahrt". Diesmal: Machtwechsel im Rathaus. 

Das war doch ein sehr schöner und spannender Wahlabend. Immerhin satte 37 Prozent der wahlberechtigten Wuppertaler haben sich am vergangenen Sonntag auf den beschwerlichen Weg gemacht, ihr demokratisches Recht auf Wahl des neuen Oberbürgermeisters auszuüben. 63 Prozent wackere, vom knallharten Alltag gebeutelte Menschen erholten sich lieber zu Hause. Recht so, alte Sozialdemokraten, denn was kann man schon ausrichten? Die da oben machen sowieso, was sie wollen! 

Und so wurde Prof. Uwe Schneidewind von zirka 12 Prozent aller Wahlberechtigten im Tal gewählt. Mit einem solchen Ergebnis kommt man beim WSV nicht mal in den Verwaltungsrat. Und Andreas Mucke geht etwas enttäuscht, aber hoch erhobenen Hauptes, in den vorläufigen Ruhestand, während Schneidewind als Häuptling übernimmt.

Begrenzte Freude über Schneidewinds Wahlsieg bei CDU 

Der "Kernbündnispartner" CDU nutzt jedenfalls schon mal sinnvoll die freie Zeit, mal wieder in ein Fettnäpfchen zu treten. Sie scherte bereits vor der Wahl ohne Blinker aus, als der Fraktionsvorsitzende Herhausen die verkehrspolitischen Ambitionen der Grünen ablehnte. Und das war erfahrungsgemäß erst der Anfang. Am Wahlabend jedenfalls konnten selbst Sehbehinderte erkennen, dass sich die Freude am Wahlsieg Schneidewinds bei den Kern-Christen in sehr engen Grenzen hielt.

Rainer Spiecker, glückloser Kandidat diverser Wahlen, hatte beim Schlussapplaus seine Arme derart fest unter die Achseln geklemmt, dass man ernsthafte Verletzungen befürchten musste. Bei seinem Nachbarn, Matthias Nocke, reichte es auch nur zu verhaltener Ekstase. Beide wären freilich gerne selber OB geworden, das ist kein Geheimnis. Vielleicht war die Stimmung der CDU auch deshalb nicht ganz so euphorisch, weil die CDU bei den erfrischend vorgetragenen Visionen von Uwe Schneidewind kaum bis gar nicht vorkam. Fantastische Voraussetzungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Sicher ist jedenfalls, dass der designierte neue OB jetzt schon deutlich mehr Ahnung von Politik hat, als Kerstin von der Linden vom WDR. Die haspelte sich nämlich am Wahlabend durch das zerfahrene Programm, dass es nur so eine Wonne war.

Erst mutmaßte sie beim Interview heiter, dass Schneidewind schon am kommenden Montag Wuppertal verbinden würde. Und das, wie die sympathische Moderatorin anmerkte, mit satter Mehrheit von Grün/Schwarz. In beiden Fällen lag sie dezent daneben. Aber der charmante Uwe Schneidewind korrigierte sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Spätestens da spürte der geneigte WDR-Lokalzeit-Zuschauer schmerzhaft, dass er in der Provinz lebt. Aber das ist ja, glaubt man Schneidewind, bald Geschichte.

Vom Meister-Steinmetz Herhausen

Noch einmal zurück zu Hans-Jörg Herhausen. Der verfügt zumindest über eine interessante Vita. Er hatte sich vor einigen Jahren zum stellvertretenden Vorsitzenden der Planungs-und Baubegleitkommission Döppersberg wählen lassen. Zu Recht, wie ich finde. Er ist nämlich, man glaubt es kaum, von Beruf Steinmetz mit Meistertitel. Laut seiner Internet-Präsentation beschäftigt er sich mit „Natursteinen als natürlichem Material“. Er ist quasi mit Steinen auf Du und Du. Also ein echter Rock & Roller.

Nun ist Herhausen vielleicht nie beruflich am Döppersberg gewesen ist. Denn dann hätte er rechtzeitig erkennen können, dass der dort verbaute Stein nicht besonders geeignet ist. Um es deutlicher zu sagen: Die Mauer hätte so nie gebaut werden dürfen. So jedenfalls das Urteil des Steinbruchbesitzers Thomas Lange, der sich in den Medien zu dem Desaster äußerte. Fazit: Schaden in Millionenhöhe. Wie ist es eigentlich hier mit Verantwortung? Oder gar Schadenersatz? Nebenbei sitzt sich Herhausen noch in einigen Aufsichtsräten der WSW wund. Haben die eigentlich keine Angst?

Sein CDU-Fraktionsvorsitz ist jedenfalls schon mal die Wupper runter geschwommen. Den teilt sich Kumpel Ludger Kineke jetzt mit Caroline Lünenschloss. Um dem gewohnten Chaos in der CDU noch die Krone aufzusetzen, besiegt Rainer Spiecker seinen "Parteifreund" Rolf Köster am gleichen Abend noch schnell in einer Kampfabstimmung zum 2. Bürgermeister. Und so verzehrt Spiecker (the speaker) bald genüsslich sein Gnadenbrot als neuer Grüßonkel. Und was macht der vielseitig verwendbare Rechtsanwalt? Wohl wieder Paarshippen. Denn alle elf Sekunden verliebt sich Dr. Rolf Köster in eine neue Partei, Ehrenwort.

Jürgen Scheugenpflug ist seit 1989 als Kabarettist, Moderator, Autor, Sänger und Kolumnist tätig. 2007 rief er die "Bergische Akademie für Kabarett & Comedy" ins Leben. Aktuell ist er Leiter der bundesweiten Comedyserie "Comedy im Bett" und als künstlerischer Leiter der Kleinkunstbühne "Schatzkiste" in Wuppertals Nachbarstadt Remscheid tätig.

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