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Wuppertal-Kolumne "Scheuges Talfahrt": Steine gegen Corona-Partys?


Kolumne "Scheuges Talfahrt"
Mit Störsteinen gegen Wuppertaler Corona-Partys


23.10.2020Lesedauer: 3 Min.
Meinung
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Jürgen Scheugenpflug lehnt sich gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig.Vergrößern des Bildes
Jürgen Scheugenpflug lehnt sich gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig. (Quelle: Uli Kopka)

Für t-online schreibt der Wuppertaler Kabarettist Jürgen Scheugenpflug exklusiv die Kolumne "Scheuges Talfahrt". Diesmalige Themen: Störsteine in der Wupper und die Folgen der Corona-Pandemie für die Stadt.

Nun hat das Coronavirus Wuppertal voll im Würgegriff. Die Inzidenzzahl liegt so um die 100, damit man sich die Zahl gut merken kann. Einordnen können das die Wenigsten. Aber immerhin hat es zur Folge, dass die Bürger sich erneut einschränken müssen. Bedauerlich, aber nicht zu ändern. Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, hätten Eltern ihren Nachwuchs mindestens kennen müssen, um ihnen zu erklären, dass Feiern in diesen Tagen nicht so ganz das Richtige ist. Das scheint allerdings nicht der Fall zu sein.

Unabhängig davon wurde in dieser Woche wieder ein Störstein in der Wupper versenkt. "Bonny Bieber" war es diesmal. Und der ist in guter Gesellschaft mit "Lucky Lachs" und "Tuffi". Lustige Namen, die man sich gut merken kann. Das ist wichtig, denn auch hier sind viele Eltern kaum in der Lage, ihren Kindern wenigstens das begreiflich zu machen. Diese Erklärungsnot musste ich kürzlich in der Schwebebahn erleben, als ein hoffnungsvoller Nachwuchs den Vater diesbezüglich befragte. Der brummelte durch seinen nicht vorhandenen Bart: "Bin ich Jesus? Datt is' wieder son Quatsch, den der Mucke sich ausgedacht hat."

Ersatzweise hilft da der Sparkassenvorstand Günther Wölfges den geplagten Familienvorständen und erklärt: "Störsteine sind wichtig für zahlreiche Lebewesen in der Wupper. Sie sorgen für unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten, Ruhezonen und seichte Gebiete als Lebensraum." Das gilt hier übrigens explizit für Fische, nicht für die Mitarbeiter des Geldinstitutes. Obwohl man bisweilen annehmen könnte, dass die auch eine andere Fließgeschwindigkeit in ihren Ruhezonen haben als die Kunden.

Störsteine gegen Party-Volk?

Einige Zweigstellen kommen nämlich eher wie seichte Gebiete als Lebensraum daher. Und weil es auch den Mitarbeitern oft zu ruhig ist, gehen die ersatzweise streiken. Ja, das dürfen die. Und das ist allemal lustiger als stundenlang auf einem ergonomisch geformten Sitzmöbel rumzulungern, um dann mit fiebrigem Blick auf die Apple-Watch festzustellen, dass sie heute noch 8.433 Schritte gehen müssen, um das Tagessoll zu erfüllen.

Und dann fit und gesund abends eine "kleine Party" zu feiern, weil sie so sehr menschliche Wärme vermissen. Bei der Personengruppe wären schwere Störsteine wirklich angebracht, die man ihnen um den Hals hängt, damit sie begreifen, dass das nicht gut für die Gesellschaft ist. Beispiel?

Corona-Regeln erschweren Gastronomen Geschäft

Nehmen wir nur mal die Gastronomie. Viele Gastwirte knobeln nachmittags allein mit EINEM Würfel aus, wie viele Gäste sie abends bewirten dürften. Davon kommt dann etwa die Hälfte. Und das, obwohl gerade Gastwirte Hygienekonzepte ausgearbeitet haben, die deutlich besser funktionieren, als die lebenslustiger Privatpersonen im Hobbykeller. Oder Kulturschaffende, die derzeit ca. 20 Prozent der Kapazität der Theater nutzen dürfen. Wenn die Veranstaltung nicht ohnehin abgesagt wird.

Oder Kabarettisten und Comedians. Sie gehen angesichts fehlenden Publikums seit Monaten ihren Angehörigen mit schlappen Witzen auf den Keks, um den Mythos zu bewahren, ihren Beruf auszuüben. Die Wahrheit aber ist: Künstler zählen in ihrer freien Zeit Geld, das ihnen der Bund, das Land und die Stadt zur Verfügung gestellt haben. Denn bei der Sparkasse zählen lassen geht nicht mehr, die streiken nämlich.

Schlaffe Wahlplakate

Da erinnere ich mich just an den Wahlspruch des vielbeschäftigten 1. Vorsitzenden der Jungen Union, Kai Wagner. "Wir möchten, dass du so leben kannst, wie Du möchtest", postuliert dieser auf seiner ansonsten dürftigen Webseite. Gleichzeitig fällt mir ein Zitat von Karl Kraus ein: "Am unverständlichsten reden die Leute daher, deren Sprache zu nichts anderem dient, als sich verständlich zu machen".

Gottlob hat der Nachwuchs-Liberale den Sprung in den Rat der Stadt verfehlt. Sein Wahlplakat indes hängt immer noch schlaff an einem Laternenpfahl am Deweethschen Garten rum. Das hat der wackere Finanzberater sicher vergessen. Oder einfach hängen lassen, damit man ihn nicht vergisst. Sonst wäre das nur schwer zu erklären, Ehrenwort.

Jürgen Scheugenpflug ist seit 1989 als Kabarettist, Moderator, Autor, Sänger und Kolumnist tätig. 2007 rief er die "Bergische Akademie für Kabarett & Comedy" ins Leben. Aktuell ist er Leiter der bundesweiten Comedy-Serie "Comedy im Bett" und als künstlerischer Leiter der Kleinkunstbühne "Schatzkiste" in Wuppertals Nachbarstadt Remscheid tätig.

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