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Ermittlungen nach Olympia-Skandal im FĂŒnfkampf eingestellt

Von dpa
Aktualisiert am 11.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Das Pferd Saint Boy unter Annika Schleu verweigert den Sprung.
Das Pferd Saint Boy unter Annika Schleu verweigert den Sprung. (Quelle: Marijan Murat/dpa./dpa)
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Potsdam (dpa) - Die Bilder des völlig verunsicherten Pferdes und der aufgelösten Sportlerin mit der gezĂŒckten Gerte in der Hand gingen beim Olympia-Skandal im Modernen FĂŒnfkampf um die Welt.

Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Potsdam das Verfahren gegen die Athletin Annika Schleu und Bundestrainerin Kim Raisner wegen des Verdachts der TierquĂ€lerei eingestellt. Die Beschuldigten hĂ€tten in Tokio auf das Reitpferd nur kurzfristig eingewirkt und sich in einer physischen und psychischen Ausnahmesituation des olympischen Wettkampfes befunden, hieß es in einer auf der Internetseite der Staatsanwaltschaft veröffentlichten Mitteilung. "Dem Turnierpferd wurden zudem keine Verletzungen zugefĂŒgt", hieß es dort weiter.

Der Vorstand des Deutschen Verbandes fĂŒr Modernen FĂŒnfkampf (DVMF) reagierte zufrieden auf die Entscheidung: "Mit der Einstellung des Verfahrens wird eine unnötige Belastung unserer Gerichte vermieden. Deshalb ist die Einstellung sehr zu begrĂŒĂŸen." Bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung reagierte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Dennis Peiler auch erleichtert: "Wir begrĂŒĂŸen es, dass der Vorfall nun juristisch bewertet und das Verfahren damit abgeschlossen ist."

Strafanzeige des Tierschutzbundes

Das Schleu zugeloste Pferd hatte sich bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr beim Parcours in Tokio verweigert. Trainerin Raisner hatte die weinende Berlinerin mit den Worten "Hau mal richtig drauf!" zum Einsatz der Gerte aufgefordert. Der Deutsche Tierschutzbund hatte nach den Vorkommnissen Strafanzeige gegen Schleu und Trainerin Raisner gestellt. Die Ermittlungen wurden wegen des Wohnorts der Beschuldigten in Potsdam gefĂŒhrt. Der FĂŒnfkĂ€mpferverband kritisierte erneut, dass die Anzeige der TierschĂŒtzer "jeglicher juristischer Grundlage entbehrt" habe.

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Schleu und Raisner mĂŒssen nun einen Geldbetrag zugunsten einer gemeinnĂŒtzigen Einrichtung zahlen. Zur Höhe wollten die AnklĂ€ger aus GrĂŒnden des Persönlichkeits- und Datenschutzes keine Angaben machen. Erst, wenn die beiden das Geld bezahlt haben, wird das Ermittlungsverfahren eingestellt.

"Die Einstellung erfolgte mit Zustimmung unserer Mandantin", sagte Raisners Anwalt Simon Bergmann. Es sei mit keinem SchuldeingestĂ€ndnis verbunden. Ausschlaggebend sei gewesen, dass ein langwieriges Ermittlungs- und Gerichtsverfahren mit Belastungen fĂŒr alle Beteiligten vermieden werden konnte. Damit entfalle der Schuldvorwurf, so dass sich Raisner weiterhin als unschuldig bezeichnen dĂŒrfe.

Schleu wehrt sich gegen Vorwurf der TierquÀlerei

Schleu, die einen Beitrag von 500 Euro an eine gemeinnĂŒtzige Einrichtung zahlen will, Ă€ußerte sich ĂŒber ihre AnwĂ€lte und bekrĂ€ftigte darin ihr Interesse an einem Abschluss des Ermittlungsverfahrens. Sie kĂŒndigte darin an, weiter ĂŒber den Schutz von Tieren - speziell Pferden - diskutieren zu wollen. "Die weitere Diskussion um den Schutz von Pferden im Sport sollte nicht auf dem RĂŒcken von Frau Schleu ausgetragen werden, sondern innerhalb der zustĂ€ndigen VerbĂ€nde fortgesetzt werden", teilte Anwalt Tinusch Jalilvand mit.

In einem Interview hatte sich Schleu im vergangenen Jahr bereits gegen den Vorwurf der TierquĂ€lerei gewehrt. "Ich habe das Pferd nicht extrem hart behandelt. Ich hatte eine Gerte dabei, die vorher kontrolliert wurde. Genauso wie die Sporen. Ich bin mir wirklich keiner TierquĂ€lerei bewusst", sagte die 31-JĂ€hrige. Sie bekannte aber auch, dass sie eventuell frĂŒher hĂ€tte sagen können, "okay, es hat einfach keinen Wert". Auch ihre Trainerin distanzierte sich damals von dem Vorwurf: "Ich bin weit davon entfernt, Tiere zu quĂ€len. Ich liebe Tiere, ich liebe Pferde. Wir verdreschen unsere Pferde nicht."

Der Weltverband UIPM beschloss im vergangenen Jahr, dass der Moderne FĂŒnfkampf nach 2024 ohne Reiten stattfinden soll. Der Ersatz fĂŒr das Reiten soll erstmals bei den Spielen 2028 in Los Angeles zum Einsatz kommen. Der UIPM-PrĂ€sident Klaus Schormann sagte im November, dass in Arbeitsgruppen nach einem Ersatz gesucht werde. Allerdings seien die Maßnahmen laut Schormann keine Reaktion auf das Olympia-Drama um Schleu, sondern die Gedanken zur Änderung gebe es seit 2016.

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