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Neue Alben: Deichkind und Sido - Gesellschaftskritik und Nostalgie

Neue Alben  

Deichkind und Sido - Gesellschaftskritik und Nostalgie

27.09.2019, 09:12 Uhr | dpa

Neue Alben: Deichkind und Sido - Gesellschaftskritik und Nostalgie. Kryptik Joe, Porky und La Perla sind Deichkind.

Kryptik Joe, Porky und La Perla sind Deichkind. Foto: Britta Pedersen. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Drei Männer verkleidet mit weißen Masken, in weißen Anzügen, auf denen "Wer Sagt Denn Das?" steht - anonym und gleichaussehend. Auf der anderen Seite ein Berliner Rapper, der seine berühmte Maske abgelegt hat.

Deichkind und Sido gehören inzwischen zu den erfolgreichsten Vertretern der alten Schule des deutschen Hip-Hops - mit grundverschiedenen Herangehensweisen, wie sich auch auf ihren neuen Alben zeigt.

Mit ihren Kostümen wollen Deichkind nach eigener Aussage eines der beherrschenden Themen ihres neuen Albums beleuchten. "Ich würde sagen, dass 'Wer sagt denn das' der wichtigste Song auf dem Album ist", sagt Bandmitglied Henning Besser alias La Perla über das Stück, das namensgebend für die siebte Platte der Hamburger Gruppe ist. "Er versucht sich einem zentralen Themenkomplex der aktuellen Zeit zu nähern. Es geht um die Spaltung der Gesellschaft, Rechtspopulismus, einen durch verschiedene Länder ziehenden Rechtsruck."

Viele Menschen seien nicht mehr zugänglich für Argumente, ignorierten wissenschaftliche Studien und befänden sich in einer Filterblase. Es würden wieder Dinge in Frage gestellt, "wo wir eigentlich denken: Die haben wir doch schon geklärt". Die einheitlichen Kostüme sollen dabei an den Chor aus dem Theater erinnern, so La Perla, "mehrere Protagonisten, die sozusagen alle im Gleichtakt die Sätze sprechen".

Für ihre fantasievollen Bühnenshows und rauschhaften Konzerte sind Deichkind bekannt. Bei der neuen Tour werde man "mit Hintergründen, Bühnen, Kulisse, Requisiten, Performern, Kostümen, Choreographien und dem Publikum zusammen ein Gemälde malen", sagt Besser.

Musikalisch ist das auch auf "Wer Sagt Denn Das?" eine Mischung verschiedener Stile: Electro, Punk, Hip-Hop, etwas Grime. "Hip-Hop ist immer ein tragendes Element von uns gewesen", sagt Sebastian Dürre alias Porky. "Das ist unser Sprach-Transportmittel." Doch andere Musikrichtungen gehören dazu. Sein Kollege Kryptik Joe erklärt, man habe sich ungefähr ab dem Jahr 2005 von der Hip-Hop-Szene abgenabelt. "Wir wollen uns eigentlich mehr mit Themen beschäftigen und nicht mit Musikgenres", sagt der Rapper, der bürgerlich Philipp Grütering heißt.

Dabei verbinden Deichkind ihre Gesellschaftskritik wie immer auch mit viel Humor. Es geht neben Rechtspopulismus, Hass in Kommentarspalten und Filterblasen um weitere Auswüchse moderner Gesellschaften: Konsum, Streaming, autonomes Fahren und Hedonismus. Mit "Keine Party" nimmt sich die Band der Kritik an ihren WG-Party-Standards wie "Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)" an: "Auf Partys nehmen sie Drogen und sind später dann am reihern, normale Menschen liegen jetzt schon lange in der Heia".

Im Video zu dem Song tanzt Schauspieler Lars Eidinger stampfend zum hämmernden Beat durch Berlin. Auch in zwei weiteren Videos tritt Eidinger auf. "Wir waren auf der Suche nach einem nagelneuen Band-Maskottchen", witzelt Besser. "Da wir im Freundeskreis niemanden gefunden haben, haben wir die Suche erweitert." Als prominente Gäste auf dem Album sind unter anderem Bela B, Jan Böhmermann und Olli Schulz zu hören. Ein Zeichen, wie sehr Deichkind, aber auch deutscher Hip-Hop insgesamt, im Mainstream angekommen sind.

Da fühlt sich auch Sido schon länger wohl. Im Fernsehen tritt er inzwischen als Juror in einer Musik-Casting-Show auf, hat sich auch als Schauspieler versucht. Anders als Deichkind legt der Berliner mit "Ich & keine Maske", seinem achten Soloalbum, überwiegend eine klassischere Hip-Hop-Platte vor. Dazwischen finden sich allerdings einige poppige Songs, die radiotauglich sind - wie beispielsweise die Power-Ballade "Pyramiden" mit Sänger Johannes Oerding. Weitere Gast-Stars sind Kool Savas, Casper und Monchi von der Punkband Feine Sahne Fischfilet.

Thematisch bewegt sich der Mann ohne Maske dabei zwischen seinem Leben als Vater ("Jedes Geheimnis") und dem Wunsch, ab und an daraus auszubrechen ("Wie Papa"). "Ich bin der Vater von diesem Rap-Ding", lässt er die Konkurrenz wissen, "fragt die Juice und die Backspin, ich sah viele kommen und gehen". Doch auch wenn die Ansagen an andere Rapper nicht mehr annähernd so krass daherkommen wie zu Aggro-Berlin-Zeiten: Seine Anfänge als Gangsta-Rapper aus dem Märkischen Viertel hat Sido offenbar nicht vergessen, auch wenn er jetzt nach eigenen Worten im Speckgürtel wohnt. Fast nostalgisch wird es auf Tracks wie "Junge von der Straße" und "2002".

Fans von deutschem Hip-Hop bekommen in diesen Wochen also einiges auf die Ohren. Am 4. Oktober veröffentlichen der jüngere Superstar Capital Bra und Samra ihr Album "Berlin lebt 2".

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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