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Singer-Songwriter - Americana zum Anlehnen: Moreland, Landry, Rateliff

Singer-Songwriter  

Americana zum Anlehnen: Moreland, Landry, Rateliff

27.02.2020, 12:03 Uhr | dpa

Singer-Songwriter - Americana zum Anlehnen: Moreland, Landry, Rateliff. Die Songs von John Moreland leben vor allem auch von der heiseren, melancholischen Stimme des Musikers.

Die Songs von John Moreland leben vor allem auch von der heiseren, melancholischen Stimme des Musikers. Foto: Crackerfarm/dpa. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Eine "enorme Stimme" attestiert das angesehene Internetmagazin "Pitchfork" dem Singer-Songwriter John Moreland. Dasselbe gilt auch für die US-Kollegen Gill Landry und Nathaniel Rateliff. Alle drei legen nun neue Americana-Platten vor, an die man sich behaglich anlehnen möchte.

Schlicht "LP5" (Old Omens/Thirty Tigers/Bertus-Membran) hat JOHN MORELAND (34), dieser nicht nur stimmlich, sondern auch vom Körperbau her bärig wirkende Sänger und Gitarrist, sein neues Album betitelt. Elf warme und erdige, mit wunderbar tiefem Gesang gekrönte Folk-Songs sind darauf versammelt - es ist Musik, die zwangsläufig Bilder im Kopf erzeugt.

Moreland singt seine schönen, entspannten Weisen, als wenn er auf einer Veranda mit Blick in die Prärie säße. Manche Tracks sind sparsam instrumentiert und leben vor allem von dieser leicht heiseren, melancholischen Stimme und Morelands Fingerpicking-Kunst. Andere Lieder sind üppiger angelegt, mit Band-Feeling, bittersüßen Piano-Parts und Folkpop-Ingredienzen ("Terrestrial").

Was all diese eher traurigen, zumindest nachdenklichen Moreland-Lieder gemeinsam haben: Sie dürften das Herz jedes Americana- und Gospelfolk-Fans tief berühren. Wer den reduzierteren Solo-Sound von Jeff Tweedy (Wilco), Bruce Springsteen, Leonard Cohen und Mark Knopfler, aber auch Künstler wie Bill Callahan, Jason Isbell und Steve Earle mag, kann bei diesem in jeder Hinsicht wuchtigen Singer-Songwriter aus Tulsa/Oklahoma problemlos andocken.

Noch etwas traditionsverhafteter und country-esker - Richtung Johnny Cash, Guy Clark, Tom Waits oder Bob Dylan - klingt "Skeleton At The Banquet" (Loose/Rough Trade) vom US-Songpoeten GILL LANDRY (44). Er stammt aus Lake Charles/Louisiana und war früher ein Teil der Americana-Band Old Crow Medicine Show.

Nach dem gefeierten Vorgänger "Love Rides A Dark Horse" (2017) umgeben auch die neun "Skeleton"-Lieder des Mannes mit der ultratiefen Bariton-Stimme den Hörer wie eine warme Decke im Winter. Wie Moreland ist Landry nun bei fünf Solo-Studioplatten angekommen, er hat sich dabei stetig weiterentwickelt und vorwärtsbewegt.

Mundharmonika in "Boss"-Nähe, Geige und dezente Streicher sorgen für Atmosphäre, ohne die Konzentration des Hörers auf diesen durchaus magischen Gesang zu stören. Mit Folk, Country Noir, Jazz-Elementen und angenehm einlullenden Balladen schafft Gill Landry das Kunststück, in einem eigentlich sehr überlaufenen und eher konservativen Genre eigene Akzente zu setzen.

Beim legendären Southern-Soul-Label Stax hat NATHANIEL RATELIFF (41) seine aktuellen Alben veröffentlicht. Das passte ganz gut, weil er mit seiner Band The Night Sweats tatsächlich schwitzigen Sixties-Soul mit den eigenen Folk-, Blues- und Pop-Einflüssen verband. "And It's Still Alright" (Stax/Caroline) ist nun Rateliffs erstes Soloalbum seit fast sieben Jahren, und es fällt deutlich ruhiger, getragener aus.

Zwar lacht der Songwriter mit der herzerwärmenden Stimme fröhlich für das Cover-Artwork, doch sowohl das Zerbrechen seiner Ehe als auch der Tod des Freundes, Kollegen und Produzenten Richard Swift im Sommer 2018 haben Spuren in der Stimmung der Songs hinterlassen. "Ich denke, ich möchte immer Hoffnung in der Dunkelheit sehen, und ich möchte das auch gern teilen", sagt Rateliff und bekennt sich zu seiner eigenen Verwundbarkeit.

In Swifts altem Studio versammelte der aus Missouri stammende Sänger ein paar Bekannte wie Patrick Meese (The Night Sweats) und James Barone (Beach House), um das Album mit dem letztlich doch zuversichtlichen Titel "And It's Still Alright" einzuspielen. Herausgekommen ist ein reduzierteres (aber nicht weniger intensives) Werk als zuletzt von Rateliff gewohnt. Und natürlich ist es auch hier der Gesang, der die Lieder klar über den Americana-Standard hinaushebt.

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