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Orkanstimme im "Club 27": Vor 50 Jahren starb Janis Joplin

Von dpa
Aktualisiert am 03.10.2020Lesedauer: 4 Min.
Janis Joplin wurde nur 27 Jahre alt.
Janis Joplin wurde nur 27 Jahre alt. (Quelle: dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Seit ihrem Tod vor 50 Jahren geh├Ârt Janis Joplin zu einem Club, dem keines seiner Mitglieder beitreten wollte und dessen Existenz Musikfans in aller Welt bis heute traurig macht: dem ber├╝chtigten "Club 27" der prominenten Exzess-Opfer des Rock'n'Roll.

Innerhalb von zwei Jahren, zwischen Juli 1969 und Juli 1971, starben vier der gr├Â├čten Rock-Talente an den Folgen ihres wilden, ungez├╝gelten Lebensstils - alle gerade mal 27 Jahre alt.

Neben dem Rolling-Stones-Gitarristen Brian Jones, dem d├╝steren Songdichter Jim Morrison (The Doors) sowie Saiten-Genie Jimi Hendrix war die am 4. Oktober 1970 gestorbene Joplin lange Zeit die einzige Frau in dem "Club"-Quartett. Nach Ansicht vieler Pop-Verehrer kam 40 Jahre sp├Ąter eine weitere S├Ąngerin hinzu: Amy Winehouse (1983-2011).

"Janis Joplin hat sich nie ausgeruht", schreibt ihre Biografin Holly George-Warren in einer voriges Jahr erschienenen, hoch gelobten Lebensschilderung der US-Amerikanerin. "Sie umarmte das Leben mit einer freudigen Wildheit und konnte doch nie einer fundamentalen Dunkelheit entfliehen, die auf Einsamkeit zur├╝ckging."

Die beiden Pole, die auch Joplins so entfesselten wie z├Ąrtlich-melancholischen Gesang und ihre Performance pr├Ągten, sind hier genannt. George-Warren findet im Wesen dieser belesenen, im Innersten sehr verletzlichen K├╝nstlerin auch Gr├╝nde f├╝r ihren fatalen Drogenmissbrauch.

Nicht nur wegen der Umst├Ąnde ihres Heroin-Todes in einem Hotelzimmer in Hollywood ging die am 19. Januar 1943 in Port Arthur im US-Staat Texas geborene Blues- und Rocks├Ąngerin in die Musikgeschichte ein. Joplin verf├╝gte ├╝ber eine drei Oktaven umspannende Orkanstimme. Ihr Gesang war nicht sch├Ân im herk├Âmmlichen Sinne - aber unfassbar intensiv. "Sie war heiser und kreischte wie eine angeschossene Eule", sagte sp├Ąter ihr Weggef├Ąhrte Nick Gravenites.

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Hinzu kam gutes Timing: Joplin wurde bald nach ihrem Auftauchen in der Szene Kaliforniens Mitte der 1960er Jahre (zun├Ąchst als Frontfrau der Band Big Brother And The Holding Company) zu einer Ikone der Hippiekultur. Und wegen des auf und neben der B├╝hne zumindest ausgestellten Selbstbewusstseins geriet sie zu einer fr├╝hen feministischen Leitfigur. Mit ihrer Bedeutung f├╝r den Mythos der popkulturell so einflussreichen Sixties-Gegenkultur stehe sie direkt hinter Bob Dylan, urteilte sp├Ąter das US-Magazin "Rolling Stone".

Ein Rockkritiker des Magazins "Newsweek" beschrieb ihre Wirkung im Konzert unter der ├ťberschrift "Rebirth of the Blues" (Wiedergeburt des Blues): "Beim inzwischen historischen Monterey International Pop Music Festival 1967 sprengte ein Nitroglyzerin-Sprengstoff namens Janis Joplin die Welt des Rock weit auf. Durch den Gesang mit der gequ├Ąlten Leidenschaft, der zu ihrem Wahrzeichen geworden ist, ist sie der erste weibliche Superstar des Rock geworden."

Sie selbst erinnerte sich so daran: "Urpl├Âtzlich stellte mich jemand vor diese Rock'n'Roll-Band. Und ich entschied, dass es das f├╝r mich war. Ich wollte nie etwas Anderes machen." Mit der Kozmic Blues Band spielte sie beim heute legend├Ąren Woodstock Festival 1969.

"Ihr rauer Bluesrock war der Soundtrack zum 'Sommer der Liebe' von San Francisco", schrieb der "Guardian" 2015 zur Filmdokumentation "Janis: Little Girl Blue". Joplin habe "eine der leidenschaftlichsten Stimmen der Rockhistorie" besessen, hie├č es 1995 zur Einf├╝hrung in die Rock And Roll Hall of Fame. Bei der Zeremonie in Cleveland/Ohio - ein Vierteljahrhundert nach Joplins Tod - sprach Melissa Etheridge, h├Ârbar eine gro├če Verehrerin: "Janis hat mir Mut eingehaucht, Rockstar statt Sekret├Ąrin werden zu wollen", sagte die US-S├Ąngerin.

Was w├Ąre aus Joplin (Spitzname: "Pearl") geworden, h├Ątte sie mehr als nur die paar heftigen Jahre seit Mitte der 60er gehabt? Die Autorin von "Janis: Little Girl Blue", Amy Berg, nennt das Ende "so tragisch. Sie hatte endlich eine Balance zwischen Kreativit├Ąt und pers├Ânlichem Leben gefunden." Denn 1970 habe die Musikerin ihre besten Songs aufgenommen und sich in einer stabilen Beziehung befunden.

Das Album "Pearl" erschien - inklusive dem von Kris Kristofferson f├╝r Joplin geschriebenen Welthit "Me And Bobby McGee" - posthum im Februar 1971. Es f├╝hrte lange die US-Charts an und wird in vielen Kritikerlisten bis heute als eine der besten Platten aller Zeiten gef├╝hrt. S├Ąngerinnen wie Etheridge, Bette Midler, Alanis Morissette, Bonnie Raitt oder Pink beziehen sich auf Joplin, deren eigener Stil wiederum auf afroamerikanischen Blues- und Soul-K├╝nstlerinnen wie Bessie Smith, Odetta, Etta James und Aretha Franklin basierte.

"Lieber zehn ├╝bergl├╝ckliche, ausgelassene Jahre als 70 zu werden, um in irgendeinem verdammten Sessel dem Fernseher zuzuschauen" - auch dieses Zitat wird Joplin zugeschrieben. Ihre Zeitspanne des Gl├╝cks war dann noch k├╝rzer. "Janis starb an einer ├ťberdosis Janis", meinte sp├Ąter der britische Bluesrock-Kollege Eric Burdon.

Ihr letztes gro├čes Konzert spielte Joplin in Massachusetts vor 40.000 Fans - wenige Wochen vor ihrem Tod, mit dem sie Jimi Hendrix (gestorben am 18. September 1970) unmittelbar folgte. Ihre Asche soll entlang der nordkalifornischen Pazifikk├╝ste verstreut worden sein. Auf den Einladungen zu ihrer Totenwache stand: "Drinks are on Pearl".

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