INTERVIEWCandice Night

"Ritchie Blackmore und ich schlafen manchmal in getrennten Zimmern"

Von Sebastian Berning

14.03.2021, 19:36 Uhr

Blackmore's Night: der frühere Deep-Purple-Gitarrist und seine Frau Candice Night. (Quelle: Michael Keel)

"Smoke on the Water" machte Ritchie Blackmore und seine frühere Band Deep Purple zu Weltstars. Seit knapp 30 Jahren musiziert er nun mit seiner Ehefrau Candice Night. t-online erzählt die Blackmore-Gattin, wie das Leben und die Arbeit mit dem Rockstar wirklich sind.

Mit Deep Purple schrieb er Musikgeschichte. Mit seiner Nachfolgeband Rainbow konnte Gitarrenlegende Ritchie Blackmore mit etwas kommerziellen Hits wie "Since You Been Gone" oder "I Surrender" ebenfalls große Erfolge feiern. Mit seiner Frau Candice Night spielt er seit fast 25 Jahren unter dem Bandnamen Blackmore's Night mittelalterliche Musik. Im Gespräch mit t-online spricht die Sängerin über ihre Ehe mit dem oft als schwierig geltenden Blackmore. 

t-online: Vieles, was als normal galt, ist gerade nicht möglich. Das gilt auch für Live-Musik. Sie veröffentlichen nun ein neues Album, "Nature's Light", können aber nicht touren. Was macht das mit Ihnen?

Die Legenden der Rockmusik

Der Meister der Gitarren, Jimi Hendrix, darf natürlich auch nicht fehlen. Seine einzigartige Spieltechnik ist auf legendären Alben wie "Electric Ladyland" oder "Are You Experienced?" zu bewundern. (Quelle: Evening Standard/Getty Images)

Patti Smith wird auch als "Godmother of Punk" bezeichnet. 1975 erschien ihr Debütalbum "Horses". (Quelle: imago images / ZUMA Press)

Die Rolling Stones haben sich ihren Platz unter den Legenden des Rock 'n' Roll schon allein für ihre unermüdliche Ausdauer verdient. Auch nach 60 Jahren Bandgeschichte sind die Steine immer noch auf Tour. (Quelle: imago images)

Die Beatles haben Musikgeschichte geschrieben und sind noch heute die erfolgreichste Band aller Zeiten. (Quelle: imago images)

Ike & Tina Turner waren in den Sechzigern und frühen Siebzigern als Duo erfolgreich. Ende der Siebziger verließ Tina Turner ihren Mann, der ihr gewalttätig war. 1978 wurde die Ehe geschieden. Sie Sängerin feierte später als Solokünstlerin riesige Erfolge. Ike Turner starb 2007. (Quelle: imago images / Horst Rudel )

Auch Australien hat Rocker hervorgebracht, wie AC/DC eindrucksvoll beweisen. Sie sind nicht etwa auf dem "Highway To Hell", sondern fest in der ewigen Bestenliste der Rockmusik verankert. (Quelle: imago images)

Ray Charles war das Allround-Genie, das es verstand, Perfektion mit Seele zu verbinden. (Quelle: imago images / Sven Simon)

Nirvana machten Grunge weltberühmt und werden noch heute oft kopiert. Vor allem ihr Album "Nevermind" gilt als eine der besten Produktionen aller Zeiten. (Quelle: imago images)

Vom "Godfather Of Soul" James Brown schaute sich sogar Mick Jagger einige Tanzschritte ab. (Quelle: imago images)

Suzi Quatro ist eine der erfolgreichsten Rockmusikerinnen der Siebzigerjahre. Sie kommt aus den USA, wurde aber vor allem in Europa gefeiert. Bekannte Songs von ihr sind "Stumblin' In" von 1978 oder auch "If You Can't Give Me Love" aus demselben Jahr. (Quelle: imago images / Metodi Popow )

Die kanadische Singer-Songwriterin Joni Mitchell war in den Siebzigern und Achtzigern auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Sie singt, spielt Klavier und Gitarre. Ihr Song "Big Yellow Taxi" geht ins Ohr. (Quelle: imago images)

"Sunday, Bloody Sunday", "With Or Without You", "Desire", "Vertigo" und und und. Die irische Band U2 hat sich ihren Platz unter den Legenden der Rockmusik redlich verdient. (Quelle: imago images / teutopress)

"Oh lord won't you buy me a Mercedes Benz. My friends all drive Porsches, I must make amends", diese Zeilen gesungen von Janis Joplin mit einzigartigen Stimme hat wohl fast jeder schon einmal gehört. Sie starb mit nur 27 Jahren und wird deshalb, wie unter anderem auch Kurt Cobain oder Jimi Hendrix, zum Club 27 gezählt. (Quelle: imago imags / United Archives)

Dusty Springfield: Ihr Song "Son of a Preacher Man" zählt zu ihren bekanntesten Hits. Er wurde mehrfach gecovert. (Quelle: imago images)

Ob als exzentrischer Ziggy Stardust oder in anderen Rollen: Der androgyne David Bowie verstand es, sich in Szene zu setzen. Er starb am 10. Januar 2016 an Krebs. (Quelle: imago images)

Der britische Sänger, Pianist und Komponist Elton John kann wohl als absolutes Multitalent bezeichnet werden. Er feierte mit Balladen Erfolge, aber auch mit Rock- und Blues-Songs. Mehrere seiner Lieder wurden zu Welthits. Auch bekannt ist er für einen expressiven Look. (Quelle: imago images )

Die britische Band Pink Floyd verkaufte weltweit mehr als 200 Millionen Platten. (Quelle: imago images)

Bruce Springsteen ist nicht nur dank "Born In The USA" eine Legende. (Quelle: imago images)

"Speed King", "Child In Time" und natürlich der legendäre Hit "Smoke On The Water" – Deep Purple fesselten ihre Fans mit harten Gitarren-Riffs und der unbändigen Hammond-Orgel. (Quelle: imago images)

TAFKAP "The Artist Formerly Known As Prince", Symbol, wie auch immer: Mit seinen Namen konnte Prince nicht von seiner großartigen Musik ablenken. Er wurde im April 2016 tot in seinem Anwesen Paisley Park in Minnesota aufgefunden. (Quelle: imago images)

Reggae in Perfektion – Bob Marley ist sein Platz in der ewigen Bestenliste der Rockmusik sicher. (Quelle: imago images)

Robert Plant, Jimi Page und ihre Band Led Zeppelin dürfen als Vorreiter des Hardrock bei den Legenden der Rockmusik ebenfalls nicht fehlen. (Quelle: imago images)

Chuck Berry, der Schöpfer von "Johnny B Goode" oder "Roll Over Beethoven", zelebrierte Rock'n'Roll wie kein Zweiter. (Quelle: imago images)

Johnny Rottens und Malcolm McLarens Sex Pistols waren der Schrecken des Establishments und traten mit dem Slogan "No Future" eine Musik-Revolution los. (Quelle: imago images)

The Who um Pete Townshend und Roger Daltrey hat sich in Sachen Rockmusik mehr als verdient gemacht. Bekannteste Songs: "My Generation", "Substitute", "Won't Get Fooled Again", "Pinball Wizard" oder "I Can See For Miles". (Quelle: imago images)

"Bohemian Rhapsody" (1974), "We Are The Champions" (1977), "We Will Rock You" (1977), ""Radio GaGa" (1984), "Who Wants To Live Forever" (1986), "Innuendo" (1991), "The Show Must Go On" (1991) – die Liste der Hits, die Queen bis zum Tode Freddie Mercurys im Jahr 1991 veröffentlichten, ist fast unendlich. Genau wie die Bewunderung der Fans. (Quelle: imago images / Future Image)

Billie Holiday war eine der bedeutendsten US-amerikanischen Jazzsängerinnen. Sie hatte große Einflüsse auf die Entwicklung des Rock'n'Roll. (Quelle: imago images / William P. Gottlieb)

Folk-Sänger Bob Dylan brillierte mit politischen Texten und gilt nach wie vor als der Meister des ausgefeilten Songwritings. (Quelle: imago images / Everett Collection)

Black Sabbath mit Leadsänger Ozzy Osbourne rockten die Siebzigerjahre. Ihr Song "Paranoid" wurde zu einem Welthit. (Quelle: imago images / Media Punch)

Gitarrist Slash hatte Aerosmith als Vorbild, viele nachfolgende Bands sollten sich an ihnen orientieren: Guns N' Roses. (Quelle: imago images)

Soullegende Aretha Franklin: Sie starb am 16. August 2018. Mit dem Song "Respect" wurde sie in den Sechzigern zu einer Ikone. Afroamerikaner*innen machten das Lied zu ihrer Hymne, sowie auch die Frauenbewegung. Franklin wurde 1987 als erste Frau in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. (Quelle: imago images / Philippe Gras)

Von den Sex Pistols inspiriert nutzten The Clash den Punk, um ernste politische Botschaften zu transportieren. (Quelle: imago images)

Noch immer pilgern jedes Jahr Tausende zu Jim Morrisons Grab – bestes Indiz dafür, wie wichtig The Doors für die Rockmusik waren. (Quelle: imago image)

Elvis Presley ist und bleibt eine Legende. (Quelle: imago images / Everett Collection)

Little Richard war einer der Pioniere des Rock'n'Roll der Fünzigerjahre. Von ihm stammen Klassiker wie "Tutti Frutti" oder "Lucille". Er starb im Jahr 2020. (Quelle: imago images / Everett Collection)

1967 gegründet entwickelte sich die Band Fleetwood Mac ebenfalls zu einer Legende. "Rumours" von 1977 gehört zu den meistverkauften Alben der Musikgeschichte. (Quelle: imago images / POP-EYE)

Blondie mit Sängerin Debbie Harry: Die Band schrieb mit Songs wie "Heart of Glass", "The Tide is High" oder "Maria" Musikgeschichte. (Quelle: imago images / BRIGANI-ART)

Candice Night: Wir vermissen Konzerte schon jetzt. Wir haben ein paar Streaming-Konzerte gemacht. Das erste haben gut eine Million Menschen gesehen. Das waren nur mein Mann Ritchie und ich. Wir haben Wünsche und Vorschläge von Fans in unserem Wohnzimmer umgesetzt. Die Fans fanden es toll. Aber das hatte eine ganz andere Energie, als wenn man ein "echtes" Konzert spielen würde...

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Wie erging es Ihnen und Ihrem Mann denn im Lockdown?

Ritchie und ich sind sozusagen Stubenhocker. Wir sind nicht oft unter Leuten oder gehen an Orte, wo viele Menschen sind. Wir erfreuen uns an der Zeit mit unseren Kindern daheim, wenn wir Musik machen oder in die Natur gehen. Von daher hat uns der Lockdown gar nicht so sehr getroffen. Im März musste ich allerdings das Homeschooling der Kids übernehmen. Wenn wir aber doch mal unter Menschen waren, haben wir natürlich Regeln wie das Tragen einer Maske oder das Reinigen der Hände sehr ernst genommen. 

Sie haben Ihre beiden Kinder angesprochen. Wie kommen die denn mit der aktuellen Situation zurecht?

Die Kinder sind durchaus belastbar. Sie verstehen, was los ist, aber sie lassen sich darauf ein. Mittlerweile gehen unsere Kids wieder zur Schule. Sie waren echt noch nie so froh, wieder dort hin zu können. Sie haben sich gefreut, dass sie ihre Freunde wiedersehen können. Für sie ist die Situation aktuell also wieder etwas normaler. Allerdings müssen sie in der Schule Masken tragen, es gibt Plastikwände um ihre Tische und sie müssen knapp zwei Meter Abstand zu anderen Kindern halten.

Sie und Ritchie kennen sich seit den späten 80er Jahren. 1997 fingen sie mit Blackmore's Night an. Wie verbinden Sie Eheleben und Arbeit? 

Nun, ich denke, es wäre für jeden auch mal hart, wenn man mit seinem Partner zusammenlebt und auch zusammenarbeitet. Man verbringt ja seine wachen Stunden miteinander. Aber wir haben Glück, dass wir eine gute Balance zwischen uns gefunden haben. Auf Tour kann man allerdings nicht mal alleine eine Runde um den Block gehen, sondern man ist mit dem anderen zusammen. Auch wir brauchen etwas Raum zum atmen. Ritchie und ich schlafen daher manchmal in separaten Zimmern. Dadurch haben wir immer mal etwas Zeit für uns selbst. Aber ich muss betonen, dass die Stimmung super ist. Wir können miteinander gut kommunizieren und wahren den Respekt voreinander.

Inwiefern?

Seine Stärken sind meine Schwächen. Und umgekehrt. Wenn ich mit etwas Probleme habe, dann kümmert sich Ritchie. Wenn er in etwas nicht gut ist, kann ich meist aushelfen. 

Candice Night: Die Sängerin wird dieses Jahr 50. (Quelle: Michael Keel)

Sie waren 15 Jahre verlobt, bevor Sie 2008 geheiratet haben. Das war schon eine ungewöhnlich lange Verlobung, oder?

Das kam daher, dass wir so viel gearbeitet haben. Wir haben Musik geschrieben, diese promotet, dann kam die Tour zum Album und dann ging es wieder von vorne los. Das war also keine bewusste Entscheidung die Hochzeit so lange aufzuschieben. Wir waren sehr glücklich miteinander, aber einfach zu busy. Und schwupps, sind 15 Jahre um. Mein jüngerer Bruder rief mich eines Tages an und er meinte, dass er die Eine gefunden habe und heiratete im Jahr darauf. Dabei hätte ich doch als ältere Schwester zuerst heiraten müssen. Das habe ich ihm so auch gesagt. Er meinte, dass man aber nicht ewig verlobt sein könne. Er wollte nicht auf meine Hochzeit warten, weil er das aufgegeben habe. Dann habe ich meine für den Oktober 2008 angesetzt und war eher dran als er. Die Hochzeit habe ich auf dem Smartphone geplant, während wir auf Tour waren.

Sie hatten also keinen Wedding Planer?

Nein, ich habe alles selbst gemacht. Und es war genau so, wie Ritchie und ich uns die Hochzeit vorgestellt haben. Es fand in einer Burg in New York statt. Es waren nur 60 Gäste da.

Wieso so wenige? Sie kennen doch sicher viele Kollegen.

Wir hatten die Regel aufgestellt, dass wenn jemand uns nicht nahestand und wir ungefähr fünf Jahre nicht miteinander gesprochen haben, dann wurde man nicht eingeladen. Die Hochzeit war unser ganz besonderer Moment. Es war wunderschön!

Sie sind fast 30 Jahre miteinander zusammen. Was ist Ihr Ratschlag für eine gesunde Beziehung? Gerade wenn man zusammenarbeitet, kann das sicher schwierig werden.

Ja, das stimmt. Das ist nicht immer einfach. Generell sind Beziehungen wie ein Garten. Man erwartet nicht einfach, dass die Blumen gedeihen, sondern man muss nachhelfen, damit sie wachsen und sie auch mal von Unkraut befreien.

Klingt poetisch.

Man muss einfach Arbeit investieren. Außerdem sollte man nie meinen, dass der Partner Gedankenlesen könnte. Dinge, die für einen selbst offensichtlich sind, erkennt der andere nicht direkt als Problem. Darum ist nicht nur Kommunikation wichtig, sondern auch wie man miteinander redet. Man muss wissen, was der andere kann und wo seine Grenzen sind.

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Wo sind die von Ihrem Mann?

Ritchie etwa tourt seit er 16 ist und hasst es zu reisen. Ich hingegen liebe es. Aber ich mache ihm kein schlechtes Gewissen, wenn ich mal alleine verreise. Das würde mir den Trip ja auch versauen. Ich reise mit meiner Familie oder Freunden und habe eine tolle Zeit. Ritchie ist zuhause und vermisst mich. Aber so ist es für uns beide ein guter Kompromiss. Wir respektieren und akzeptieren unsere Unterschiede.

Dabei gilt Ritchie oft als schwierige Person. Ist da was dran?

Ja, das hat ihn auch schon mal in Schwierigkeiten gebracht. Ritchie ist eine unglaubliche loyale, großzügige und ehrliche Person. Er ist ein musikalisches Genie, gibt auf der Bühne 110%. Und wenn er sieht, dass andere das nicht tun, dann macht ihn das wütend, weil er der Meinung ist, dass das Publikum von einem erwartet, dass man sein Bestes gibt. Er wird wohl oft als schwierig angesehen, weil er echt ist. Er will nicht mit den "richtigen" Menschen abhängen, um seine Karriere anzukurbeln. Er spielt Gitarre, weil er Musik machen will.

Verwendete Quellen:
  • Eigenes Interview mit Candice Night
  • Instagram-Profil von Candice Night
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