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Roland Kaiser ganz privat: "Es war 1952 und ich ein uneheliches Kind"


"Es war 1952 und ich ein uneheliches Kind"

Von Sebastian Berning

Aktualisiert am 21.10.2021Lesedauer: 5 Min.
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Roland Kaiser: Der 69-Jährige blickt im Gespräch mit t-online auf seine Kindheit und Jugend zurück.
Roland Kaiser: Der 69-Jährige blickt im Gespräch mit t-online auf seine Kindheit und Jugend zurück. (Quelle: IMAGO / Oliver Willikonsky)
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Er zählt zu den großen Sängern des Landes, konnte in den 70ern und 80ern riesige Erfolge feiern. Doch vor "Santa Maria" lebte Roland Kaiser bei seiner Pflegemutter in Berlin. Über sie, seine leibliche Mutter und seine Kindheit spricht er im t-online Interview.

Nur wenige Sänger konnten so große Erfolge feiern, wie es Roland Kaiser tat. Bis heute schafft er es, vor einem großen Publikum zu spielen, seine Alben verkaufen sich noch immer fabelhaft und er war der erste Künstler, der in Deutschland ein 2G-Konzert vor 10.000 Menschen in Hamburg spielte.


Roland Kaiser und seine Silvia

In den Achtzigerjahren traf Roland Kaiser seine heutige Frau Silvia zum ersten Mal.
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Doch vor diesem Erfolg war er ein einfacher Junge, der im Berlin-Wedding der 50er-Jahre aufwuchs. In seiner Autobiographie "Sonnenseite", aus der Sie hier schon exklusiv vorab ein paar Seiten lesen können, blickt er auch auf seine Kindheit und Jugend zurück. Im Mittelpunkt seines Lebens stand damals seine Pflegemutter. Im Interview mit t-online spricht er nicht nur über sie, sondern verrät auch, ob er seine leibliche Mutter jemals getroffen hat.

t-online: In Ihrer Biographie "Sonnenseite" schreiben Sie immer "meine Mutter", dabei war Ihre Mutter Ihre Pflegemutter. Mit 15 haben Sie erfahren, dass Ihre leibliche Mutter Sie weggab. Was hat das mit Ihnen als Teenager gemacht?

Roland Kaiser: Ich habe die Situation akzeptiert.

So einfach war das?

Das hat meine Sicht auf meine Mutter oder meine Gefühle für sie nicht verändert. Ich hatte nur den neuen Erkenntnisstand, dass sie nicht meine leibliche Mutter ist. In der Schule sind die Kameraden ziemlich geradeheraus. Damals wurde ich darauf angesprochen, dass meine Mutter doch viel älter sei als die der anderen. Man wird irgendwann stutzig und stellt Fragen. Ich habe mich mit der Antwort abgefunden.

Was wissen Sie über Ihre leibliche Mutter?

Sie hat mich wohl einmal besucht, als ich wenige Monate alt war. Das war das einzige Mal, dass sie mich gesehen hat. Es war 1952, ich war ein uneheliches Kind – übrigens nicht ihr einziges – und sie hat mich deswegen weggeben müssen. Sie starb, kurz bevor ich von ihr erfahren habe.

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Als Sie die Wahrheit über Ihre Herkunft erfahren haben, kam damals der Wunsch auf, Ihre leibliche Mutter zu treffen und zu fragen: "Warum hast du mich weggeben?"

Nein. Ich konnte es mir selbst erklären. Hätte sie mich behalten, wäre es kein leichter Weg für sie, aber auch nicht für mich gewesen. Ich bin meiner leiblichen und meiner Pflegemutter sehr dankbar, dass sie beide diese Entscheidungen getroffen haben.

Wenn Sie heute zurückblicken, hätten Sie Ihre leibliche Mutter dennoch gerne getroffen?

Nein, ich kann die Vergangenheit nicht ändern. Den Gedanken hatte ich daher nicht.

Ihre Pflegemutter erlitt einen Schlaganfall. Sie standen direkt daneben. Drei Wochen lag sie im Krankenhaus, bevor sie starb. Was machte das mit einem damals 15-Jährigen?

Ich bin morgens zur Schule gefahren und nachmittags dann ins Krankenhaus. Es machte mich unendlich traurig und hilflos. Ich hatte zudem Sorgen, dass ich ins Heim kommen würde, wenn sie stirbt. Ich wusste nicht, wer aus der Familie in der Lage sein würde, mich aufzunehmen. Zum Glück war das später meine Tante.

Über Ihre Kindheit weit vor diesem Schicksalsschlag resümieren Sie: "Meine Welt war in Ordnung". Doch dann erzählen Sie vom Bau der Mauer und davon, dass Sie Freunde von heute auf morgen nicht mehr sehen konnten, weil ein paar Meter weiter die Grenze verlief.

Das war eine ambivalente Situation. Damals, als Kind, fand ich den Bau der Mauer spannend. Es fuhren Panzer auf der Straße. Soldaten liefen umher. Meine Mutter, meine Tanten und andere Erwachsene hatten erschrockene Gesichter. Sie erinnerte das sicher an den Krieg. Für uns Kinder war es aufregend, das alles mitzubekommen. Durch meine Mutter, die politisch sehr interessiert war, wurde mir verdeutlicht, dass dies eine schreiende Ungerechtigkeit sei.

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Haben Sie Ihre Freunde, die im Osten lebten, jemals wieder getroffen?

Nein. Da musste dann jeder seinen eigenen Weg gehen. Die Menschen, die damals in Berlin lebten, konnten natürlich auch innerhalb der DDR umziehen. Es legte sich der Mantel der Zeit darüber und man hat sich vergessen.

Haben Sie sich irgendwann einmal gefragt, was aus Ihnen geworden wäre, wenn Sie ein paar Meter weiter auf der anderen Seite der Mauer gelebt hätten?

Nein, die Frage hat man sich als Kind nicht gestellt und auch als Erwachsener nicht mehr.

Wie würden Sie Ihre Kindheit und Jugend im Berlin-Wedding der 50er-Jahre zusammenfassen?

Der Wedding war arm, aber herzlich. Das war ein richtiger Arbeiterbezirk mit einem durchschnittlich eher geringen Einkommen. Aber das hat die Schönheit unserer Kindheit dort nicht beeinflusst. Ich hatte eine intakte Kindheit mit vielen Freunden. Es war eine schöne Kindheit, wenngleich sie nicht von übermäßigen Konsumgütern geprägt war.

Ihre Mutter hatte ein Gehalt von 480 D-Mark damals. Hat es an irgendetwas denn gemangelt?

Nein, das nicht. Wir hatten keinen Luxus, dafür gab es eine riesige Portion Herzlichkeit. Das ist wertvoller als viele teure Sachen.

Trotzdem nahm Ihre Mutter einen Zweitjob als Zeitungsausträgerin an. Sie haben ihr dabei sogar geholfen.

Sehr gerne sogar!

Inwiefern hat Sie das vielleicht für später geprägt?

Als Kind hat man eine ganz andere Nähe zur Mutter. Da war es für mich ganz selbstverständlich, dass ich meine Mutter begleite. Auch wenn das schon eine unchristliche Zeit war morgens (lacht). Ich wollte ihr die Wege abnehmen. Als Kind kam ich die Treppen natürlich deutlich schneller hoch als sie. Dadurch konnten wir eher frühstücken. Das war auch ein Gewinn (lacht).

Von der Kindheit zurück in die Zukunft: Mit "Weihnachtszeit" ist jetzt Ihr bereits zweites Album für das Fest der Liebe erschienen. Was reizt Sie denn an dem Genre?

Bei den Aufnahmen zu meinem ersten Weihnachtsalbum war ich damals schon ziemlich krank und konnte nicht mehr so singen, wie ich es gerne getan hätte. (Um die Jahrtausendwende wurde bei Kaiser die Lungenkrankheit COPD diagnostiziert, er erhielt 2010 eine Lungentransplantation, Anm. d. Red.) Es war jetzt eine große Freude, mein zweites Weihnachtsalbum mit voller Stimmkraft zu produzieren.

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War das ein Lockdown-Projekt?

Nein, auch ohne die Pandemie wollte ich für dieses Jahr eine solche Produktion angehen. Wir konnten uns dadurch allerdings sehr viel Zeit lassen. Die Titel, die man als traditionelle Weihnachtslieder kennt, sollten anders umgesetzt werden.

Inwiefern?

Es ist uns gelungen, unterschiedliche Musikstile auf diesem Album zu vereinen. Zudem haben wir fast alle Instrumente live aufgenommen und überwiegend auf Programming verzichtet. Wir möchten die Hörer überraschen, wenn etwa ein Klassiker wie "Süßer die Glocken nie klingen" wie ein Popsong beginnt. Wieder andere Songs haben einen Swing-Touch und sollen an die amerikanische Weihnachtsmusik erinnern. Diese Vielseitigkeit hat mich gereizt.

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Verwendete Quellen
  • Eigenes Interview mit Roland Kaiser
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