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Chaos mit LeihfahrrÀdern: So soll es eingedÀmmt werden

dpa, Khang Nguyen

Aktualisiert am 03.04.2018Lesedauer: 3 Min.
LeihfahrrĂ€der in Berlin Stehen ĂŒberall in der Innenstadt Hier am Askanischen Platz Berlin
LeihfahrrĂ€der in Berlin: Sie stehen ĂŒberall in der Innenstadt. Anbieter mĂŒssen aktiv werden. (Quelle: imago/tagesspiegel)
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Mal kurz ein Fahrrad ausleihen und der Umwelt was Gutes tun, das ist die Idee hinter dem Bikesharing. Doch in vielen GroßstĂ€dten sorgen Tausende abgestellte LeihrĂ€der fĂŒr Unmut, etwa wenn sie Gehwege blockieren. Jetzt testen StĂ€dte erste Gegenmaßnahmen.

Ob grau oder bunt, mit Korb oder Kindersitz: In vielen GroßstĂ€dten sind LeihfahrrĂ€der mittlerweile allgegenwĂ€rtig. Bei einigen Anbietern können Nutzer die RĂ€der ĂŒberall im GeschĂ€ftsgebiet anmieten und abstellen – das klingt praktisch. Doch das sogenannte "Free-Floating"-Prinzip stĂ¶ĂŸt lĂ€ngst nicht ĂŒberall auf Zustimmung.

LeihfahrrĂ€der sorgen fĂŒr Unmut

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) spricht zwar von einer "hervorragenden Idee", berichtet aber auch von Beschwerden ĂŒber viele falsch geparkte RĂ€der. "Wenn LeihrĂ€der zu Dutzenden Fußwege oder Zufahrten versperren oder in Parks entsorgt werden, sind sie einfach nur ein Ärgernis", sagt ADFC-Sprecherin Stephanie Krone. Das etwa sei in MĂŒnchen der Fall und "Gift fĂŒr das Image von LeihrĂ€dern".

In der Kritik stehen die LeihrĂ€der auch beim Zweirad-Industrie-Verband (ZIV): "Die StĂ€dte waren auf die neu dazugekommenen, stationsunabhĂ€ngigen Anbieter zu Anfang nicht immer optimal vorbereitet", meint Verbandssprecher David Eisenberger. FĂŒr falsch abgestellte RĂ€der mĂŒssten die Anbieter sanktioniert werden. Und dafĂŒr sorgen, dass ihre RĂ€der "geordnet platziert werden".

Anforderungskatalog und Verbotszonen sollen fĂŒr Ordnung sorgen

Die Zahl der LeihrĂ€der auf den Straßen hat zuletzt stark zugenommen. Innerhalb von wenigen Wochen wurden etwa im August 2017 rund 6.800 RĂ€der auf MĂŒnchner Straßen gestellt – ohne enge Absprache mit der Stadt. BĂŒrger Ă€rgerten sich unter anderem ĂŒber versperrte Gehwege, auch Vandalismus kam vor.

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Die Stabsstelle Radverkehr reagierte und entwarf einen Anforderungskatalog fĂŒr die Anbieter. Demnach mĂŒssen RĂ€der so abgestellt werden, dass sie Dritte weder gefĂ€hrden noch behindern. Auch wird eine maximale Anzahl von RĂ€dern pro öffentlichem Standort empfohlen – wie hoch die Zahl aber sein soll, ist bislang offen, wie ein Sprecher der Stabsstelle sagt.

Einen solchen Katalog hat auch die Stadt Frankfurt/Main – dort wurde das Regelwerk als Merkblatt fĂŒr die Anbieter herausgegeben. Mittlerweile gebe es wegen der großen Zunahme von "Free-Floating"-RĂ€dern an manchen Stellen "untragbare" ZustĂ€nde wegen nicht ordnungsgemĂ€ĂŸ abgestellter oder umgefallener RĂ€der, erklĂ€rt der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD).

"Seit die neuen Fahrradverleihsysteme in Frankfurt gestartet sind, ist uns nicht entgangen, dass diese LeihfahrrÀder hÀufig achtlos auf Geh- und auch Radwegen abgestellt wurden oder gar in Parkanlagen", sagt auch Susanne Neumann, Sprecherin des Fahrradclubs ADFC Frankfurt.

Einen Schritt weiter ist die Stadt Köln, in der es seit Mitte Januar strenge Auflagen gibt: In der Innenstadt, etwa rund um den Dom, wurden Verbotszonen definiert. LeihrĂ€der dĂŒrfen dort nicht mehr abgestellt werden. An jedem erlaubtem Standort dĂŒrfen maximal fĂŒnf RĂ€der stehen.

Anbieter werden gegen störende LeihfahrrÀder aktiv

Der Berliner Anbieter Byke verteidigt sich und seine Nutzer: Die große Mehrheit der Bevölkerung nehme das neue Angebot sehr gut an, sagt eine Unternehmenssprecherin. Falsch geparkte RĂ€der wĂŒrden eingesammelt oder umgestellt. Ähnlich sagt es Call-a-Bike, eine Tochter der Deutschen Bahn: "Beschwerden von Kunden oder Anwohnern ĂŒber defekte oder ungĂŒnstig abgestellte FahrrĂ€der gehen wir unverzĂŒglich nach", sagt eine Sprecherin. Bei Call-a-Bike werden RĂ€der ĂŒblicherweise an Stationen zurĂŒckgegeben.

Der chinesische Anbieter Mobike will seine Kunden kĂŒnftig fĂŒr das verantwortungsvolle Parken und das Melden von Problemen belohnen – und umgekehrt Nutzer bestrafen, die sich nicht an die Regeln halten. Bei einem Verfahren namens "Mobike Score" könnten Punkte gesammelt oder gelöscht werden, heißt es auf Anfrage.

AutoparkplĂ€tze könnten fĂŒr LeihfahrrĂ€derparkplĂ€tze weichen

Dass nicht nur BĂŒrger sauer ĂŒber falsch abgestellte RĂ€der sind, berichtet eine Sprecherin des Anbieters Nextbike: "In Berlin stehen vermehrt die RĂ€der der anderen Anbieter an unseren Stationen", sagt sie. Dies sei besonders Ă€rgerlich, weil Nextbike als öffentliches Fahrradverleihsystem der Hauptstadt in den jeweiligen Bezirken SondernutzungsgebĂŒhren fĂŒr die Stationen zahle. Nextbike will an den RĂŒckgabeorten nun auf das Problem hinweisen. Und die Wettbewerber bitten, ihre Kunden fĂŒr das Thema zu sensibilisieren.

Der Fahrrad-Club ADFC hat noch eine weitere Idee, wie sich versperrte Gehwege vermeiden ließen. ErgĂ€nzend sollten "Kfz-StellplĂ€tze und FahrbahnflĂ€chen in Abstellanlagen fĂŒr die Fahrradverleihsysteme umgewandelt werden", schlĂ€gt der Club in einem Positionspapier vor.

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