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Tachobetrug entlarven: Diese Indizien sollten Sie beim Autokauf beachten

Detektivarbeit beim Autokauf  

Mit diesen Tricks können Sie einen Tachobetrug entlarven

08.09.2020, 14:41 Uhr | dpa-tmn, mab, t-online

Tachobetrug entlarven: Diese Indizien sollten Sie beim Autokauf beachten. Tachometer: Mit einfachen Mitteln können Tachotrickser den Kilometerstand vom Originalwert zu einem Wunschwert ändern. (Quelle: dpa/Oliver Berg)

Tachometer: Mit einfachen Mitteln können Tachotrickser den Kilometerstand vom Originalwert zu einem Wunschwert ändern. (Quelle: Oliver Berg/dpa)

Viele Gebrauchtwagen werden mit manipuliertem Tacho verkauft. Hierbei werden die Kilometerzähler im Auto illegal zurückgedreht. Aber es gibt ein paar Tricks, um eine falsche Laufleistung zu entlarven.

Bei jedem dritten in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen stimmt der Kilometerstand nicht, so ADAC und Polizei. Auf was aber können Käufer achten, um der Abzocke zu entkommen?

Indizien richtig einordnen

Zwar können Sie sich nie zu 100 Prozent vor dem Betrug schützen. Aber es gibt einige Indizien, die für eine Manipulation sprechen. Erste Hinweise können eine geringe Laufleistung und ein vergleichsweise günstiger Preis sein. Verwohnte Innenräume bei vorgeblich geringer Laufleistung sollten ebenfalls skeptisch machen.

Auch Unstimmigkeiten in der Dokumentation sprechen für Manipulationen von Tachoständen. Wichtig ist, sich die Reparaturrechnungen und das Serviceheft genau anzusehen. Dort finden Sie die Wartungsintervalle, die jeweilige Kilometerleistung und das Datum. Auch auf Protokollen der Haupt- und Abgasuntersuchung (HU) werden Kilometerstand und Laufleistung eingetragen, ebenso auf Ölwechselaufkleber oder -anhänger am Fahrzeug. Sehen allerdings in einem alten Serviceheft alle Stempel und Eintragungen gleich neu aus, ist Vorsicht geboten.

Vorbesitzer kontaktieren

Deshalb bringt nur eine tiefgehende Recherche Klarheit über den wahren Tachostand. Dazu gehört die Kontrolle von Belegen oder Ölkarten im Motorraum beziehungsweise dem kleinen Aufkleber auf der A-Säule. Steht darauf, dass der nächste Wechsel in über 50.000 Kilometer fällig ist, kann etwas nicht stimmen. Denn üblicherweise wird ein Ölwechsel spätestens nach 30.000 Kilometern, in seltenen Fällen nach 40.000 Kilometern, fällig. Ein Anruf beim Vorbesitzer des Verkäufers gibt Auskunft darüber, mit wie viel Kilometern er sein Auto verkauft hat. Der Name steht in der Zulassungsbescheinigung Teil II.

Tachomanipulationen sind für Käufer nicht nur teuer, sie können auch Motorschäden herbeiführen. Etwa wenn die anstehende Wartung mit einem Bauteilwechsel nicht eingehalten wird. Der Betrug gilt auch als Straftat. Kommt die Fälschung heraus, sind eine Strafanzeige gegenüber den Fälschern und wenn möglich eine entsprechende Schadenersatzforderung vom Verkäufer des Fahrzeugs ratsam.

Diagnosesoftware einsetzen

Verwohnte Innenräume sowie fehlende oder schlampig ausgefüllte Servicehefte sind aber keine eindeutigen Beweise für Manipulationen. Weiterhelfen können digitale Hilfsmittel wie spezielle Adapter für die Schnittstelle der Fahrzeugdiagnose. Die sitzt meist in der A-Säule auf der Fahrerseite und hat direkten Zugriff auf die Bordelektronik. Mit speziellen Apps lässt sich überprüfen, ob die Airbags bei einem Unfall ausgelöst wurden.

Auch können manche Apps Daten über Kilometerstände, Wegstrecken und Fehlerspeicher ablesen. Doch auch diese Ergebnisse sind nur so gut, wie die hinterlegten Daten in den einzelnen Steuerungsmodulen. Weichen diese ab, weil sie vorher manipuliert wurden, stimmen die Angaben nicht mehr.

Eine Fachwerkstatt deckt eventuell einen Betrug auf, indem sie den Fehler- und Wartungsintervallspeicher ausliest. Damit lassen sich die teilweise mitprotokollierten Kilometerstände mit dem im Tacho angezeigten Stand vergleichen. Auch den Produktionszeitraum von Tacho und Steuergeräten ermittelt die Werkstatt. Sind sie jünger als der Produktionstag (nicht Tag der ersten Zulassung) des Autos, kann etwas nicht stimmen.

Auch digitale Tachoanzeige manipulierbar

Lassen sich bei älteren Autos mit einer mechanischen Tachowelle noch die Kilometerstände zurückdrehen, funktioniert das bei neueren nur mit digitalen Hilfsmitteln: Profis mit Computerkenntnissen können über digitale Schnittstellen zum Auto die Tachoanzeige manipulieren. Oft geschieht das bei Fahrzeugen, die überdurchschnittlich viel gefahren werden, etwa von Außendienstlern. Häufig legen die bis zu 80.000 Kilometer im Jahr zurück, die Autos werden nach zwei Jahren veräußert.

Ein Betrüger kann den Kilometerstand auf rund 25.000 Kilometer zurückdrehen, ohne dass auf den ersten Blick ein Verdacht aufkommt. Denn im Schnitt fährt ein Auto in Deutschland rund 12.000 Kilometer im Jahr, Vielfahrer sind schon mal 20.000 Kilometer oder mehr unterwegs.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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