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Verwegener Opel mit Mafia-Flair

Von dpa
Aktualisiert am 18.01.2022Lesedauer: 2 Min.
Flotter Flitzer: Der Opel kann zwar nur mit 34 PS dienen, wirkt aber aufgrund des geringen Gewichts spritziger, als man denkt.
Flotter Flitzer: Der Opel kann zwar nur mit 34 PS dienen, wirkt aber aufgrund des geringen Gewichts spritziger, als man denkt. (Quelle: Andr├ę Tillmann/Opel Automobile GmbH/dpa-tmn./dpa)
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R├╝sselsheim (dpa/tmn) - Nein, R├╝sselsheim ist nicht Chicago und Al Capone hatte trotz seiner ganzen Spitzel wahrscheinlich nie etwas von Opel geh├Ârt.

Und doch gibt es da eine Verbindung zwischen der amerikanischen Metropole, der Autostadt am Main und dem Mafiak├Ânig. Selbst wenn sie nat├╝rlich nicht amtlich ist. Denn ohne den Paten und die Prohibition hie├če das Schmuckst├╝ck in der Klassiksammlung des hessischen Herstellers wohl einfach Sportcabriolet. "Doch Al Capone sei Dank h├Ârt er auf den Namen Moonlight-Roadster", sagt Opel-Klassik-Sprecher Uwe Mertin. Er l├Âst das R├Ątsel mit einem Blick in die Kriminalberichte aus den 1920er und 1930er Jahren auf:

Um den Alkohol aus Kanada in die Bars von Chicago zu schmuggeln, habe die amerikanische Mafia schnelle und vor allem flache Sportwagen genutzt. Die konnten im Mondschein kurzerhand unter den eigentlich f├╝r Lkw gedachten und deshalb h├Âher angebrachten Zollschranken durchschie├čen. Und weil dieser Name irgendwie verf├╝hrerischer und verhei├čungsvoller klang als Sportcabriolet, hatten die Hessen ihn kurzerhand ├╝ber den Atlantik geholt.

Zwar floss der Alkohol jenseits des Atlantiks schon wieder ganz legal, als Opel den Moonlight Roadster 1933 auf den Markt brachte. Statt geschmuggelt wurde in den offenen Sportwagen deshalb bei Mondschein allenfalls wieder geschmust. Doch seinen Namen tr├Ągt der in "Mondsteingrau" lackierte Klassiker trotzdem v├Âllig zurecht.

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Flach und bet├Ârend sch├Ân

Denn er ist nicht nur flacher als jeder Opel dieser Zeit. Sondern er hat mit seinem vergitterten Grill vor der langen Haube, der schnittig geknickten Frontscheibe, den tiefen, entgegen der Fahrtrichtung angeschlagenen T├╝ren und dem eleganten Bootsheck mit der Messerscharfen B├╝gelfalte ein verf├╝hrerisches Design.

Dazu kommt: Er f├Ąhrt auch so, wie es sich die sogenannten Bootlegger, die Schmuggler, in Amerika gew├╝nscht h├Ątten. Nat├╝rlich muss man sich an die Bedienung heute erst wieder gew├Âhnen. Denn der erste Gang ist nicht nur etwas hakelig, sondern liegt auch noch unten links. Doch der Sechszylinder mit 1,8 Liter hat richtig Wumms.

├ťber die 25 kW/34 PS mag man heute milde l├Ącheln, jeder Corsa ist st├Ąrker. Aber 100 Nm bei kaum 900 Kilo Gewicht, und dann noch ab 1000 Touren - da schwimmt man locker im Verkehr mit und l├Ąsst einfach die Finger von der Schaltung. Solange der Roadster rollt, ist er im zweiten Gang gut aufgehoben.

Der Roadster rollt - auch heute noch

Erst drau├čen vor den Toren der Stadt darf es auch mal der dritte sein. Und pl├Âtzlich zittert sich die Tachonadel im schmucken Cockpit der 90er-Marke entgegen. Der Fahrtwind erreicht Orkanst├Ąrke, und man duckt sich immer tiefer in die kleinen Sesselchen mit dem br├╝chig gewordenen Leder.

Heute hat man damit schnell eine lange Schlange hinter sich, aus der sich allerdings keiner traut, den r├╝stigen Rentner anzuhupen. Doch vor bald 80 Jahren reichte das nicht f├╝r einen Stau, sondern f├╝r ungl├Ąubiges Staunen - erst Recht bei einem Opel.

Auf Basis eines g├╝nstigen Grundmodells lie├č Opel den Sonderling beim Karosseriebauer Deutsch in K├Âln produzieren. Es entstanden nur 51 St├╝ck. Davon d├╝rften laut Opel-Sprecher Mertin nur noch zwei existieren.

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