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Updates "over the air" beim Auto

Von dpa
10.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Neue Funktionen und Fehlerbehebung: Manche Features lassen sich in modernen Autos ├╝ber eine Mobilfunkverbindung - "Over-the-Air" aktualisieren oder erg├Ąnzen.
Neue Funktionen und Fehlerbehebung: Manche Features lassen sich in modernen Autos ├╝ber eine Mobilfunkverbindung - "Over-the-Air" aktualisieren oder erg├Ąnzen. (Quelle: Christin Klose/dpa-tmn./dpa)
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Stuttgart/Wolfsburg (dpa/tmn) - Je mehr Software im Auto zum Einsatz kommt und je besser die Fahrzeuge vernetzt sind, desto st├Ąrker orientiert sich die Industrie an Smartphone und Computer. Sie spielt regelm├Ą├čig Updates auf.

Und statt ihre Kunden daf├╝r in die Werkst├Ątten zu holen, machen Hersteller zunehmend Gebrauch von der integrierten Mobilfunkverbindung und ├╝bertragen die Daten kabellos.

Over-the-Air-Update oder kurz OTA hei├čt der Zauber. Damit sollen die Fahrzeuge besser mit dem steigenden Innovationstempo Schritt halten und l├Ąnger jung bleiben. Denn anders als bisher, gibt es die Neuerungen dann nicht nur schneller, sondern auch f├╝r bereits ausgelieferte Autos.

"Das Over-the-Air-Update ist die neue Modellpflege", sagt Magnus ├ľstberg, der bei Mercedes die Elektronik-Entwicklung leitet. Die Designer werden zwar auch weiterhin f├╝r klassische Facelifts sorgen. Doch zumindest die Ingenieure m├╝ssen k├╝nftig immer ├Âfter nur noch auf den Knopf zum "Senden" dr├╝cken.

"Damit k├Ânnen wir Neuerungen k├╝nftig schneller einf├╝hren und einem breiteren Kundenkreis zug├Ąnglich machen", sagt ├ľstberg: "Statt in einem Rhythmus von bislang rund drei Jahren kommen die Neuheiten dann alle sechs Monate."

Flei├čige Bits & Bytes im Hintergrund

Viel tun m├╝ssen Kunden daf├╝r nicht, so ├ľstberg weiter. Denn im Idealfall laufen die Updates automatisch im Hintergrund. Die Systeme aktualisieren sich von selbst. Und erst, wenn auf dem Bildschirm die Vollzugsmeldung erscheint, erf├Ąhrt man ├╝berhaupt, dass es ein Update gegebenen hat. "Nat├╝rlich immer nur, wenn der Kunde diesen Updates zuvor zugestimmt hat", sagt ├ľstberg.

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Ging es dabei bislang zumeist nur ums Infotainment oder die Navigation, r├╝cken neuerdings auch zentrale Funktionen in den Fokus der Programmierer. "Das gilt vor allem f├╝r die Elektroautos", sagt Stefan Moeller vom E-Auto-Vermieter Nextmove.

Optimierungen "├╝ber die Luft"

Die Entwicklungszeiten vor allem bei den Themen rund um die Batterie seien sehr kurz. Und der Druck sei hoch, neue Technologien fr├╝hzeitig in Serie zu bringen. "Deshalb geht die Entwicklung schrittweise weiter, w├Ąhrend die Autos schon auf der Stra├če sind", sagt Moeller. So k├Ânnten dann auch nachtr├Ąglich etwa das Energiemanagement, die Ladeleistung oder adaptive Routenplanung optimiert und so zum Beispiel die Standzeiten verk├╝rzt oder die Reichweite vergr├Â├čert werden.

Mit dem Over-the-Air-Update seien solche nachtr├Ąglichen Verbesserungen schneller und leichter umsetzbar und zugleich k├Ânnten Fehler besser korrigiert werden. "Bisher lie├čen die sich erst nach Jahren beim Facelift abstellen oder man musste mit einem R├╝ckruf die Rei├čleine ziehen." Jetzt dagegen gen├╝gt ein Fingerzeig auf dem Touchscreen und die neue Software l├Ąuft ein.

Viele Verbesserungen via Update - das kann auch dauern

Das j├╝ngste und zugleich weitreichendste Beispiel daf├╝r kommt aus dem VW-Konzern. Dort wird f├╝r die ID-Modelle der Muttermarke und ihre elektrischen Geschwister bei Audi, Skoda und Cupra gerade die Software 3.0 ausgespielt.

"Mit ihr verbessern wir die Sprachsteuerung, es gibt neue Grafiken und Anzeigen auf den Displays, die Assistenzsysteme lernen dazu, die Ladeleistung wird angehoben und die Reichweite optimiert", sagt Pressesprecher Stefan Voswinkel. Dass dabei ein geh├Âriges Datenvolumen zusammenkommt, ├╝berrascht deshalb nicht: "Download und Installation dauern rund sechs Stunden", hat Stefan Moeller ermittelt.

Einige Experten sehen neben der Vorteile auch Risiken. Eine Sorge: Hersteller k├Ânnten demnach in Versuchung geraten, ein "noch nicht fertig entwickeltes Auto" auf den Markt zu bringen, so der ADAC auf seinerSeite. M├Âgliche Fehler in der Software k├Ânnten dann "insgeheim" in der Folge entfernt werden. So k├Ânnten auch sicherheitsrelevante Probleme "heimlich mit einem Update" behoben werden ohne offiziellen R├╝ckruf.

Vom Update zum Upgrade - nicht kostenfrei

Zwar sind die meisten Aktualisierungen bislang gratis und kosten die Kunden allenfalls Zeit. Doch hat die Industrie die Online-Facelifts l├Ąngst auch als Gesch├Ąftsmodell entdeckt. Neben den Updates gibt es dann Upgrades. Die lassen sich die Hersteller laut Jan Burgard vom Strategieberater Berylls gut bezahlen.

Er schl├Ągt damit die Br├╝cke zu den so genannten "Functions on Demand": Davon erhofften sich die Hersteller k├╝nftig auch dann noch ├╝ppige Ums├Ątze, wenn ihre Autos schon verkauft sind.

"Bislang sind das nur Kleinigkeiten wie neue Beleuchtungsszenarien, Komfortextras oder nette Spielereien, doch da stehen wir da gerade erst am Anfang", sagt Burgard.

Das sieht Mercedes-Softwarechef ├ľstberg nicht anders. Er kann sich zum Beispiel vorstellen, dass man den teuren Drive Pilot f├╝r das autonome Fahren in der S-Klasse nicht mehr f├╝r einen mittleren vierstelligen Betrag beim Kauf bestellt, sondern ihn nur noch tage- oder wochenweise etwa vor langen Autobahnfahrten bucht.

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