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So sind Kinder im Auto richtig gesichert

Von dpa
25.05.2022Lesedauer: 5 Min.
Auch gr├Â├čere Kinder geh├Âren noch in einen Kindersitz, um bei Unf├Ąllen ausreichend gesch├╝tzt zu sein.
Auch gr├Â├čere Kinder geh├Âren noch in einen Kindersitz, um bei Unf├Ąllen ausreichend gesch├╝tzt zu sein. (Quelle: Silvia Marks/dpa-tmn./dpa)
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M├╝nchen (dpa/tmn) - F├╝r Eltern kommt die Gesundheit ihrer Kinder an erster Stelle. Das gilt auch beim Autofahren. F├╝r Eltern junger Kinder stellt sich die Frage, welchen Sitz sie ben├Âtigen. Bei Kauf und Gebrauch passieren schnell Fehler. So ist laut Stiftung Warentest rund die H├Ąlfte aller Kinder falsch angegurtet und w├Ąre bei einem Unfall nicht gut gesch├╝tzt.

Informieren, informieren, informieren

Woran l├Ąsst sich die Qualit├Ąt eines Kindersitzes ablesen? Reiner Metzger von Stiftung Warentest sagt: Optisch und preislich lassen sich gute und schlechte Kindersitze nicht unterscheiden. Eltern sollten also ein wenig Zeit investieren und sich vorab informieren.

Orientierung k├Ânnen etwa die regelm├Ą├čigen Tests von ADAC und Stiftung Warentest bieten. Sie untersuchen das Verhalten beim seitlichen und frontalen Aufprall, die Bedienung, die Anpassung an die K├Ârpergr├Â├če, Ergonomie und die Schadstoffbelastung.

Grunds├Ątzlich m├╝ssen alle zugelassenen Sitze eine sogenannte UN-ECE-Norm erf├╝llen, ein internationaler Standard f├╝r Kinderautositze. Erf├╝llt der Sitz alle Anforderungen, erh├Ąlt er ein Pr├╝fsiegel. Drei Normen sind derzeit laut ADAC zugelassen: i-Size / UN ECE Reg. 129, UN ECE Reg. 44/04 und UN ECE Reg. 44/03. Nicht zugelassen sind ├Ąltere Sitze mit der Norm ECE-R 44/01 und 44/02. Alle zugelassenen Modelle erf├╝llen also Mindestanforderungen - Luft nach oben und unten gibt es aber trotzdem.

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Einen Kindersitz kaufen? Oft werden daraus drei

Da Kinder bis zum 12. Lebensjahr oder einer K├Ârpergr├Â├če von 1,50 Metern gesichert werden m├╝ssen, schaffen Eltern in der Regel zwei bis drei Kindersitze f├╝r ihren Nachwuchs an, so die Erfahrung der Warentester. Es beginnt mit der Babyschale f├╝r die ersten 15 Monate, gefolgt vom Kindersitz f├╝r Kleinkinder bis vier Jahren und endet mit dem Modell f├╝r gr├Â├čere Kinder. Genauso gibt es auch Klapp- und mitwachsende Sitze, die sich beliebig ver├Ąndern lassen.

Gerade zu Beginn k├Ânnten Eltern von einer gro├čen Auswahl an guten Modellen profitieren, sagt Reiner Metzger. "Bei Babyschalen ist das Niveau sehr hoch, da gibt es selten welche, die unsicher sind."

Anders sieht es bei den Sitzen f├╝r gr├Â├čere Kinder aus. Immer wieder schneiden sie bei Tests schlecht ab. Besonders Kombimodelle wie mitwachsende und Klappsitze m├╝ssten gewisse Kompromisse eingehen, was sich oft negativ auf Sicherheit und Handhabung auswirke.

Checkliste f├╝r den Kauf

Andreas Ratzek vom ADAC hat f├╝r Eltern einen Ratschlag: Sich gut beraten lassen und beim Kauf auf jeden Fall das eigene Auto und vor allem das Kind mitbringen. Als Projektleiter im Bereich Fahrzeugsicherheit testet er regelm├Ą├čig Kindersitze und wei├č um die T├╝cken mancher Modelle.

Da sie sehr unterschiedlich ausfallen k├Ânnen, passt nicht jeder Sitz in jedes Auto. Ebenfalls hilft es, sich die Bedienung bei der Beratung zeigen zu lassen, so Ratzek. Nachl├Ąssigkeit beim Befestigen der Kindersitze kann im schlimmsten Fall ein Kinderleben kosten.

Daher hat der ADAC eineChecklisteerstellt. Diese Punkte sollten sie unter anderem beachten:

- Der Kindersitz muss sich stramm und standsicher im Fahrzeug einbauen lassen. Bei ├Ąlteren Autos k├Ânnten l├Ąngere Gurtschlossbefestigungen das verhindern.

- Gurte sollten m├Âglichst geradlinig und faltenfrei verlaufen.

- Reicht die Gurtl├Ąnge aus, um Babyschalen zu befestigen? Falls nicht, sollte man zu einer separaten Basis greifen, um Anschnallfehler zu vermeiden. Diese wird per Isofix-Verbindung fest mit dem Auto verankert und der Sitz kann dann dort eingerastet werden. Solange Kinder r├╝ckw├Ąrts sitzen, raten Experten dazu.

- Der Gurt sollte sich auch bei Sitzerh├Âhungen mit R├╝ckenst├╝tze wieder selbstst├Ąndig aufrollen, wenn sich das Kind nach vorne beugt.

- Achtung: Nicht alle Sitze passen in jedes Auto. Jenen mit semi-universaler Zulassung, darunter fallen alle Kindersitze mit St├╝tzfu├č, liegt meist eine Liste geeigneter Autotypen bei.

Achtung Anwendungsfehler: Gut anschnallen!

Gerade in der Bedienung der Kindersitze komme es h├Ąufig zu Anwendungsfehlern, sagen beide Experten. Obwohl die Hersteller die Handhabung laut Andreas Ratzek stetig vereinfachten, zeigten Befragungen: Kinder sitzen bei fast jeder zweiten Fahrt falsch angeschnallt im Auto, weil Eltern im Alltag zu nachl├Ąssig werden.

Dabei m├╝ssten Gurte unbedingt straff sitzen. Es darf keine Hand zwischen Gurt und Kind passen, so der Ma├čstab der Stiftung Warentest. Genauso wenig darf das Gurtband am Hals des Kindes vorbeif├╝hren.

Reiner Metzger erlebt es immer wieder, dass Kinder zu klein f├╝r die Sitze sind oder zu schnell vorw├Ąrts angeschnallt werden. "Viele Unf├Ąlle passieren frontal", sagt er. Deshalb m├╝ssen Eltern ihren Nachwuchs bis zu einem Alter von 15 Monaten oder - sofern m├Âglich - auch bis zwei Jahren r├╝ckw├Ąrts sichern.

Und selbst bei gr├Â├čeren Kindern sollten Eltern achtsam bleiben. Einem Aufprall k├Ânnten sie wegen der noch schwachen Muskulatur nicht Stand halten. F├╝r Metzger geh├Âren daher bis zum Ende der Sitzpflicht R├╝ckenst├╝tze und ein Seitenaufprallschutz zu einem guten Sitz dazu. Reine Sitzkissen f├╝r gr├Â├čere Kinder fallen f├╝r ihn durch.

Wieviel soll ein Kindersitz kosten?

Ist noch die Preisfrage zu kl├Ąren: Je nach Alter des Kindes m├╝ssen Eltern zum Teil tief in die Tasche greifen. Als Richtwert f├╝r Babyschalen ohne Basis gibt Warentester Metzger zwischen 100 und 250 Euro an, mit Basis zum Festklicken sind es 100 bis 200 Euro. Jene f├╝r Kleinkinder kosten zwischen 200 und 400 Euro, aber auch gerne mehr.

Die gute Nachricht: F├╝r Kinder ab einem Meter werden die Sitze wieder g├╝nstiger, gute Modelle sind schon f├╝r 100 bis 200 Euro zu haben.

Neue oder gebrauchte Kindersitze?

K├Ânnen angesichts der Kosten auch gebrauchte Sitze eine passende L├Âsung sein? Der Warentest-Fachmann tut sich schwer, eine Empfehlung auszusprechen. Denn nach einem Unfall geh├Âre ein Kindersitz in den M├╝ll. Und da liegt f├╝r ihn das Problem: "Man sieht einem Sitz nicht an, ob er bereits Sch├Ąden erlitten hat." Man m├╝sse den Vorbesitzer gut kennen, wenn man gebrauchte Sitze nutzen m├Âchte, sagt er.

Und im Urlaub oder im Taxi?

Nicht nur im eigenen Auto m├╝ssen Kinder ausreichend gesichert sein. Das gilt auch f├╝r Fahrgemeinschaften und Taxis sowie Mietwagen. Wie derADACvermerkt, sind Taxifahrer grunds├Ątzlich verpflichtet, einen Kindersitz zu im Auto zu f├╝hren, Babyschalen m├╝ssen sie hingegen nicht im Repertoire haben.

Befindet sich im Auto keine passende Sicherung f├╝r Kinder, haben Eltern Anspruch darauf, dass ihnen ein anderes Fahrzeug mit Kindersitz zur Verf├╝gung steht. Allerdings sei es "ein Gl├╝cksspiel", welche Qualit├Ąt die Eltern erwartet, sagt Reiner Metzger.

Sowohl Taxi- als auch Mietwagenunternehmen m├╝ssten schlie├člich nur die Mindeststandards einhalten. Grunds├Ątzlich gilt: Ohne Kindersitz zu fahren, ist die falsche Entscheidung. Nicht nur haftet der Fahrer f├╝r die Sicherheit der Kinder. Passiert ein Unfall, sind Kinder nicht ausreichend gesichert - mit schlimmstenfalls fatalen Folgen.

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