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Komet "Neowise": Die vielleicht letzte Chance, um das Spektakel zu sehen!

Komet bald von Wolken verdeckt  

Die vielleicht letzte Chance, Neowise zu sehen

23.07.2020, 17:59 Uhr | dpa, str, t-online.de

Im Zeitraffer: Spektakuläre Aufnahmen von Komet Neowise

So faszinierend kann Neowise aussehen. Ein Amerikaner hat den Kometen über Minnesota gefilmt. (Quelle: t-online.de)

Spektakuläre Aufnahmen: So sieht der Komet Neowise aus. (Quelle: t-online.de)


Seit Tagen ist der Komet Neowise am Himmel sichtbar, erst am Morgen und nun am späten Abend. Am heutigen Donnerstag gibt es für viele wohl die letze Chance, selbst einen Blick auf den Kometen zu erhaschen.

Die Menschen in der Jungsteinzeit dürfte das Himmelsphänomen das Fürchten gelehrt haben. Alle 5.000 bis 7.000 Jahre zieht der Komet C/2020 F3 alias Neowise so nah an der Erde vorbei, dass er mit bloßem Auge gesehen werden kann. Das Phänomen in den Weiten des Sonnensystems ist nun schon seit Tagen am Himmel sichtbar.

Wie spektakulär der Komet aussehen kann, zeigten die Aufnahmen oben im Video oder hier.

Am heutigen Donnerstag (23. Juli) ist der Komet der Erde am nächsten. Jetzt ist er vom blauen Planeten nach Angaben der Vereinigung der Sternfreunde in Deutschland noch gut 100 Millionen Kilometer entfernt, das sind ungefähr zwei Dritteln des mittleren Abstands der Erde zur Sonne.


Auch wenn Neowise schon langsam wieder verblasst, kann er nach Angaben des Vorsitzenden der Sternfreunde, Sven Melchert, noch am Nachthimmel gesehen werden. Mit bloßem Auge erkenne man einen mittelhellen, unscharfen Körper mit einer fahlen Schleppe nach oben. Das sei der Kometenschweif. Mit einem Fernglas sei dies natürlich noch einmal besser zu verfolgen. Ende Juli werde er dann wohl ganz verblassen, allerdings könnten Wolken das seltene Schauspiel in den kommenden Tagen bereits verdecken.

Wo gibt es einen wolkenlosen Himmel?

Ob man also noch einen letzten Blick auf Neowise erhaschen kann, hängt vor allem vom Wetter ab. Bei klarem Himmel zeigt sich der Kometenschweif kurz nach Sonnenuntergang zwischen 21 und 22 Uhr am Abendhimmel. 

In der heutigen Nacht zum Freitag rechnet der Wetter-Experte Rainer Buchhop von der MeteoGroup deutschlandweit mit einer wechselnden Bewölkung. "Die besten Chancen für die Himmelsbeobachtung hat man noch im Südwesten und Osten Deutschlands, von Baden-Württemberg bis Sachsen", sagt Buchhop. Auch im südlichen Brandenburg und östlichen Sachen-Anhalt zeichnen sich größere Lücken in der Wolkendecke ab. Schlechte Karten haben die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern. Dort ist mit Schauen und dichten Wolken zu rechnen.

Wo müssen Neugierige hinschauen?

Nach Einbruch der Dunkelheit einen Platz mit möglichst freier Sicht nach Norden suchen, dort zieht er unterhalb des Sternbilds des Großen Wagens seine Bahn. Das Handy kann hier mit einer Kompassfunktion helfen. Aber auch Apps versprechen, das Phänomen aufzuspüren.

Die Webseite "connect" empfiehlt zum Beispiel die kostenlose App Comet NEOWISE für iPhone und iPad. Android-Nutzer haben außerdem die Wahl zwischen SkySafari und der Kometen-und-Planeten-Erweiterung für die App ISS Detektor. 

Wer ohne technische Hilfe suchen will, findet auf Twitter eine "Wegbeschreibung" des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR). Demnach müssen Betrachter zunächst nach dem Sternbild Großer Wagen Ausschau halten. Von den beiden "Rädern" der Konstellation zieht man dann eine gerade Linie in Richtung Horizont, um auf Neowise zu stoßen.

Alternativ können Sie den auffällig hellen Stern Capella zur Orientierung nutzen. Dieser leuchtet nach dem Sonnenuntergang knapp über dem Horizont. Neowise befindet sich links daneben.

So gelingen Kometen-Bilder – mit Kamera oder Smartphone

Der Himmelskörper ist der Erde so nahe, dass er sich in einer wolkenlosen Nacht sogar mit einer Smartphone-Kamera fotografieren lässt. Hier ein paar Tipps für den perfekten Schnappschuss: 

  • Suchen Sie sich einen Standort mit freier Sicht in Richtung Norden. Am besten eignen sich erhöhte Beobachtungspunkte auf Bergen oder Hügeln außerhalb von Städten. Die Umgebung sollte möglichst dunkel sein. 
  • Sie brauchen ein Stativ oder eine stabile Unterlage, um Fotos ohne Verwackeln mit einer langen Belichtungszeit schießen zu können. 

Mit einer Spiegelreflexkamera mit Brennweiten ab 50 Millimetern gelingen noch bessere Bilder. Mit einem Teleobjektiv ab 100 Millimetern kann man den Himmelskörper noch näher "heranholen". 

Mit einem Autofokus auf den Mond oder einen hellen Stern lässt sich auch der Komet scharf stellen. Die Blende sollte weit geöffnet sein, wählen Sie also eine kleine Blendenzahl und experimentieren Sie mit verschiedenen Belichtungszeiten. Diese sollte nicht zu hoch sein, da der Komet durch die Erdrotation sonst schnell verschwommen aussieht. 

Ein höherer ISO-Wert kann die Lichtempfindlichkeit der Kamera positiv beeinflussen und den Kometenschweif heller erscheinen lassen. Beim Fotografieren mit dem Smartphone kann sich zudem der Selbstauslöser oder ein Fernauslöser als nützlich erweisen, da man dadurch ein Wackeln der Kamera vermeidet. 

Darum leuchtet Neowise

"Kometen sind Schweifsterne, wenige Kilometer große Brocken aus dem All, die aus Geröll, Wasser und Staub bestehen", heißt es bei den Sternfreunden. Kommt ein Komet der Sonne nahe, werde er regelrecht aufgetaut und der Kometenschweif bilde sich. Viele Kometen würden dieses Auftauen nicht überstehen, doch Neowise sei ein "größeres Kaliber". Entdeckt wurde Neowise erst im März dieses Jahres von dem reaktivierten Weltraumteleskop gleichen Namens.

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