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Darum droht bald Frust beim Booster-Nachweis

  • Jan Moelleken
Von Jan Mölleken

Aktualisiert am 12.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Ein Impfpass und ein Smartphone, auf dem die App CovPass lÀuft, liegen auf einem Impfzertifikat, das von einer Apotheke ausgestellt wurde.
Ein Impfpass und ein Smartphone, auf dem die App CovPass lÀuft, liegen auf einem Impfzertifikat, das von einer Apotheke ausgestellt wurde. (Quelle: Stefan Puchner/dpa./dpa)
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Geboostert oder nicht? Die Antwort kann bald darĂŒber entscheiden, ob man ohne aktuellen Covid-Test ins Restaurant kommt oder nicht. Leider ist es derzeit oft unmöglich, eine Booster-Impfung ohne MissverstĂ€ndnisse nachzuweisen.

Der Nachweis des persönlichen Impfstatus ist vielerorts bereits alltĂ€glich: Millionen BĂŒrger nutzen dazu die CovPass-App oder die Corona-Warn-App. Dazu muss man sich lediglich vom impfenden Arzt oder nachtrĂ€glich von einer Apotheke ein Impfzertifikat ausstellen lassen. Der zugehörige QR-Code wird dann mit einer der beiden Apps eingescannt und ist dann jederzeit im Smartphone zum Vorzeigen verfĂŒgbar.

Bislang war das recht einfach. Als vollstÀndig geimpft gilt, wer zwei Dosen der Covid-19-Impfstoffe von Biontec, Moderna oder Astrazeneca erhalten hat. Eine Ausnahme ist der Impfstoff von Johnson & Johnson. Hier gilt man bereits nach der ersten Dosis als vollstÀndig geimpft.

Das weisen die jeweiligen Impfzertifikate auch aus: Scannt etwa ein Gastwirt den QR-Code eines Zertifikats, das fĂŒr die zweite Impfung ausgestellt wurde mit der CovPass-Check-App, wird entsprechend angezeigt, dass das Zertifikat gĂŒltig ist.

So werden zwei Impfungen fĂŒr die Grundimmunisierung plus eine Boosterimpfung mit verschiedenen Kombinationen von Biontech, Moderna oder Astrazeneca in der Corona-Warn-App angezeigt.
So werden zwei Impfungen fĂŒr die Grundimmunisierung plus eine Boosterimpfung mit verschiedenen Kombinationen von Biontech, Moderna oder Astrazeneca in der Corona-Warn-App angezeigt. (Quelle: t-online)
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Im Zertifikat selbst erkennt man das unter dem Punkt "Nummer der Impfung". Dort steht dann "2/2" oder eben "1/1", wenn es sich um eine Impfung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson handelt.

Doch bald sollen Gastwirte beim Einlass der GĂ€ste prĂŒfen, ob diese "nur" vollstĂ€ndig geimpft sind, oder ob sie bereits eine Auffirschungsimpfung erhalten haben, also geboostert sind. Denn nur wer bereits einen aufgefrischten Impfschutz hat, darf nach den neuen Regelungen ohne tagesaktuellen Test ins Restaurant.

Hier dĂŒrfte es allerdings zu großen Problemen kommen, denn die offiziellen Apps – also CovPass, Corona-Warn-App und CovPass Check – können nicht zwischen 'vollstĂ€ndig geimpft' und 'geboostert' unterscheiden. Wer die QR-Codes einfach nur scannt, bekommt sowohl beim Zertifikat fĂŒr die Auffrischungs-Impfung als auch beim Zerfitikat fĂŒr den vollstĂ€ndigen Impfschutz jeweils nur "Zertifikat gĂŒltig" angezeigt.

Diese beiden Anzeigevarianten bekommen Wirte in der CovPass-Check-App zu sehen.
Diese beiden Anzeigevarianten bekommen Wirte in der CovPass-Check-App zu sehen. (Quelle: t-online)

Um zu beweisen, dass es sich tatsĂ€chlich um eine Booster-Impfung handelt, mĂŒssen Geimpfte in ihrer App ihr Zertifikat aufrufen. Erfolgte die Booster-Impfung als weitere, dritte Dosis, ist es recht einfach: Hier steht dann "Impfung 3 von 3". Diese PrĂŒfung ist im Alltag vermutlich noch allgemein machbar.

Kompliziert wird es allerdings bei Personen, die mit Johnson & Johnson geimpft wurden, oder solchen, die nach einer ĂŒberstandenen Corona-Infektion ihren vollstĂ€ndigen Impfschutz bereits durch eine einzelne Impfdosis erlangt hatten. Bei ihnen steht im Zertifikat ihrer Auffrischungsimpfung dann nĂ€mlich "Impfung 2 von 2" – also das, was bei der Mehrheit der Geimpften eben "nur" den vollstĂ€ndigen, nicht aber einen aufgefrischten Impfstatus nachweist.

Doch wĂ€re es nicht ein Leichtes, das in den Impf-Apps sichtbar zu machen? Offenbar nicht – das Problem liege in der EU-weit festgelegten Kodierung der Zertifitkate, erklĂ€rt ein Sprecher des Robert Koch-Instituts (RKI) auf Anfrage von t-online: "Die Kodierung der einzelnen Impfungen und Genesung wird auf EU-Ebene stetig diskutiert. BezĂŒglich der Booster-Impfungen und auch Impfung nach Genesung oder nach Johnson & Johnson wird es zeitnah eine Neukodierung geben".

Bis dahin werde die Zweitimfung nach Genesung oder nach Johnson & Johnson weiterhin mit "2 von 2" kodiert, "da sie die tatsÀchlich erhaltenen Impfungen widerspiegelt".

Auf Nachfrage der Redaktion bestĂ€tigt dies auch das Bundesgeundheitsministerium (BMG): "Vor dem Hintergrund der Ermöglichung einer zielgenauen Darstellung von Booster-Impfungen bei verschiedenen Fallkonstellationen hat die EU neue Bestimmungen fĂŒr die Darstellung der entsprechenden Impfungen erlassen", erlĂ€utert ein Sprecher.

Ein Ende Dezember erlassener DurchfĂŒhrungsrechtsakt der EU-Kommission sehe "eine differenzierte Darstellung von Impfungen infolge einer Erstimpfung mit einem einmal anzuwendenden Vektorimpfstoff oder nach einer Genesung im Gegensatz zu der Darstellung von Impfungen mit Impfstoffen, die zur Grundimmunisierung zweifach angewendet wurden." Heißt: Eine neue Kodierung soll Boosterimpfungen auch bei den derzeitigen Sonderformen klar ersichtlich machen – eine Boosterimpfung bei Johnson & Johnson weiterhin missverstĂ€ndlich als "2 von 2" darzustellen, dĂŒrfte dann nicht mehr möglich sein. An der Darstellung "3 von 3" fĂŒr Boosterimpfungen die nach zweimaliger Vakzingabe als dritte Dosis erfolgen, soll sich ĂŒbrigens nichts Ă€ndern.

Viele BĂŒrger brauchen bald ein neues Impfzertifikat

Doch wĂ€hrend die neuen 2G-plus-Regeln teilweise bereits ab kommender Woche gelten, könnte sich die bessere Darstellung bei Zertifikaten und in den Apps noch hinziehen. "Die neuen Regelungen setzen technische Anpassungen in allen zur Ausstellung der Zertifikate verwendeten Systemen vor und sind entsprechend den Bestimmungen der EU bis zum 1. Februar 2022 umzusetzen", erklĂ€rt das BMG. Eine Anpassung der Apps fĂŒr die Verbraucher sollte hier das kleinste Problem sein.

Außerdem bedeutet es, dass alle, deren Boosterimpfung dann bald weniger missverstĂ€ndlich dargestellt wird, ein neues Impfzertifikat brauchen. Derzeit prĂŒfe man im BMG, wie Betroffene "möglichst schnell und einfach ein Zertifikat erhalten können, welches den neuen Darstellungsanforderungen entspricht".

Übrigens besteht derzeit noch ein weiteres Problem bei einer Impfung mit Johnson & Johnson oder bei BĂŒrgern, die ihren vollstĂ€ndigen Impfschutz nach einer ĂŒberstandenen Covid-19-Infektion bereits nach Gabe von nur einer Impfdosis erhalten haben. Da die Auffrischungsimpfung hier ja als "2 von 2" im Zertifikat angezeigt wird, könne die App dies nicht von der VervollstĂ€ndigung der Grundimmunisierung (also etwa der zweiten Dosis vom Biontech-Impfstoff) unterscheiden und zeigt eine GĂŒltigkeit hier ebenfalls erst nach 14 Tagen Wartezeit an. In diesem Zeitraum wird das Zertifikat fĂŒr die Booster-Impfung beim Einscannen als ungĂŒltig angezeigt, obwohl es eigentlich unverzĂŒglich gĂŒltig sein mĂŒsste.

Immerhin, dieses Problem dĂŒrfte mit der Neukodierung behoben werden – einfach wird der Boosternachweis jedoch auch dann nicht: Denn derzeit wird laut BMG rechtlich noch kein Unterschied zwischen 'vollstĂ€ndig geimpft' und 'geboostert' gemacht. "Ob eine solche Unterscheidung notwendig ist, ist Gegenstand laufender Diskussionen", erlĂ€utert der Sprecher des Bundesministeriums. Bevor es eine solche Unterscheidung gibt, werden vermutlich auch die Impf-Apps CovPass und Covid-Warn-App die Impfungen nicht explizit als Auffrischungs- oder Boosterimpfung ausweisen.

Hinzu kommt, dass die BundeslÀnder bei bestimmten Konstellationen im Zusammenhang mit Genesenenzertifikaten durchaus sehr unterschiedliche Auffassung davon haben, was als geboostert zÀhlt und was nicht.

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Bis auf Weiteres wird der Nachweis und die PrĂŒfung einer Boosterimpfung im Restaurant fĂŒr BĂŒrger und Gastwirte eine echte Herausforderung bleiben. Mit dem Beginn der neuen Regelungen sind MissverstĂ€ndnisse, Frust und Ärger beim Einlass in Restaurants vierlerorts schon jetzt vorprogrammiert – den Machern der Apps kann man das jedoch nicht anlasten.

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