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iPhone 12 im Test: Das neue Apple-Gerät ist ein großer Schritt nach vorn

Apple-Smartphone im Test  

Das iPhone 12 ist ein großer Schritt nach vorn

Von Jan Mölleken

23.10.2020, 19:51 Uhr
iPhone 12 im Test: Das neue Apple-Gerät ist ein großer Schritt nach vorn. iPhone 12 Pro und iPhone 12: Die 6,1-Zoll-OLED-Displays der beiden Geräte sind mit bloßem Auge nicht voneinander zu unterscheiden. (Quelle: t-online/Jan Mölleken)

iPhone 12 Pro und iPhone 12: Die 6,1-Zoll-OLED-Displays der beiden Geräte sind mit bloßem Auge nicht voneinander zu unterscheiden. (Quelle: Jan Mölleken/t-online)

Apples iPhone 12 ist das beste Upgrade seit Jahren und kann in so gut wie allen Bereichen überzeugen. Aber sollte man nun das Standard- oder das Pro-Modell kaufen? Die Antwort ist kompliziert.

13 Jahre ist es her, dass Technikvisionär und Apple-Boss Steve Jobs das erste iPhone präsentierte und die IT-Welt umkrempelte. In der Folge stellte Apple jährlich ein neues Smartphone vor. Doch nicht jede Version konnte sich vom Vorgänger absetzen. In diesem Jahr funktioniert das: Das iPhone 12 (ab 876,30 Euro) ist neu – und anders.

Gehäuse: neues Design und neue Tricks

Dies zeigt sich bereits beim Auspacken der nur noch halb so hohen Pappschachtel: Statt der bisher handschmeichlerischen runden Form ist das Design der neuen Geräte kantig. Die neuen iPhones sind von einem flachen Metallband eingefasst – beim iPhone 12 aus Aluminium, beim etwas teureren iPhone 12 Pro (ab 1.120 Euro) aus Edelstahl. Die Rückseite besteht aus Glas, einmal glänzend und einmal matt. Äußerlich ist das iPhone 12 damit eine nüchterne Spielart von iPhone 4 und iPhone 5 – und trotzdem wirkt das neue Design frisch und hebt sich vom Formkanon aktueller Smartphones ab.

Tatsächlich sind die Änderungen am Gehäuse nicht nur kosmetischer Natur. Das Display – erstmals verbaut Apple auch in den günstigeren Modellen OLED-Technologie – wird von einem neuartigen Material geschützt – Apple nennt es "Ceramic Shield". Dabei handelt es sich um Glas, das mit Nanokeramik-Kristallen gespickt ist. Das soll das Display bei Stürzen viermal besser vor Schäden schützen. Ausprobiert haben wir das mit dem leihweise zur Verfügung gestellten Testgerät nicht. Journalisten-Kollegen berichten jedoch schon von ersten Kratzern – hier scheint sich Ceramic Shield nicht vom klassischen Displayglas zu unterscheiden.

Eine weitere Neuerung versteckt sich hinter dem Glasrücken: MagSafe. Denselben Namen trug ein Ladeadapter für MacBooks, der magnetisch am Notebook hielt. Beim "MagSafe for iPhone" sind auf der Gehäuserückseite im Innern des iPhones zwei Magneten angebracht: ein runder und einer kleiner, länglicher. Der Vorteil des Konstrukts: Der kreisförmige Magnet hält einen – als Zubehör erhältlichen – Ladepuck fürs drahtlose Aufladen dort am iPhone, wo er im Zusammenspiel mit den Ladespulen im Smartphone optimal funktioniert. So kann das Gerät nicht nur seine gesamte Ladeleistung entfalten, sondern ist auch während des Ladens nutzbar. Das ist beim drahtlosem Laden normalerweise nicht möglich.

Zudem lassen sich per MagSafe die neuesten iPhones mit 15 Watt laden – doppelt so viel Leistung wie es beim kabellosen Laden üblich ist. Dafür ist der Ladepuck mit 43,85 Euro aber auch nicht billig, zumal das USB-C-Ladegerät nicht im Preis enthalten ist. Allerdings dürften Dritthersteller hier bald günstigere Alternativen bieten.

Der Magnet soll aber auch Hüllen einfacher am iPhone haften lassen. Apple erklärte es auf seiner Keynote so, als ob Nutzer Schutzhüllen deshalb leicht vom Smartphone lösen könnten. Im Test konnten wir das weder beim durchsichtigen Clear-Case noch beim Silikon-Case feststellen. In ersterem sind die Magneten zudem gut sichtbar – optisch ist das gewöhnungsbedürftig. Das MagSafe-Ladegerät lässt sich aber trotz Hülle perfekt nutzen.

Ein RFID-Chip in den Cases ist dafür verantwortlich, dass beim Anbringen auf dem iPhone-Bildschirm ein Ring in der Farbe der Hülle eingeblendet wird. Aktuell wohl ein Gimmick – für künftiges Zubehör, besonders Gimbals oder selbsthaftende iPhone-Halter im Auto, könnte solch ein RFID-Chip sicherlich sinnvoll eingesetzt werden.

Kamera: Fotos mit Highlights

Die Kameras in iPhone 12 und iPhone 12 Pro haben sich technisch wenig geändert – einen Leistungssprung in der Hardware darf man erst im November erwarten, wenn das iPhone 12 Pro Max mit aufgebohrtem Kamera-Sensor samt optischer Stabilisierung durch Sensor Shift erscheint. Einzig die Blende der Hauptkamera ist von 1.8 auf 1.6 leicht weiter geworden und lässt so mehr Licht zum Sensor.

Hätte man den Himmel auf einer normalen Kamera entsprechend belichtet, wäre das Laub der Bäume sicher zu dunkel geraten. Smart HDR 3 erlaubt hier beides. (Quelle: t-online)Hätte man den Himmel auf einer normalen Kamera entsprechend belichtet, wäre das Laub der Bäume sicher zu dunkel geraten. Smart HDR 3 erlaubt hier beides. (Quelle: t-online)

Vor allem in schlechten Lichtverhältnissen kann die neue Kamera von der weiteren Blende profitieren: Im direkten Vergleich zum iPhone 11 Pro zeigen sich mehr Details. Ganz offensichtlich wird der Unterschied bei der Selfie-Kamera: Sie unterstützt nun auch den Night Mode – und damit auch ansehnliche Selfies bei Nacht.

Subtiler ist, was Apples neue Smart-HDR-3-Technologie in komplizierten Lichtsituationen schafft: Eine deutlich größere Spanne zwischen sehr hellen und dunklen bis satt-schwarzen Passagen verleiht vielen Motiven mehr Tiefe. So sahen Fotos an einem schönen Herbsttag auf einem Kinderspielplatz plastischer aus, weil das Licht, das zwischen den Blättern hindurch schien, leuchtend hell auf dem iPhone 12 dargestellt wird – HDR-Technologie sei Dank. Noch deutlicher zeigte sich der Effekt bei der glänzenden Rutsche aus Edelstahl: Die gleißende Reflexion des Metalls kommt beim iPhone 12 mehr zum Tragen, was das Bild lebendiger aussehen lässt.

Die entsprechenden HDR-Daten des Fotos lassen das Display an den richtigen Stellen besonders hell aufleuchten. Beim iPhone 11, dessen OLED-Bildschirm solche Effekte ebenfalls anzeigen könnte, wird dieser neue HDR-Modus offenbar nicht unterstützt. Das gleiche Foto sieht hier flacher und matter aus. In Szenen mit weniger starken Kontrasten und ausreichend Licht ist der Unterschied zu den Vorjahresgeräten aber kaum erkennbar.

Richtet man den Fokus nur auf den dunklen Bereich, holt die Handy-Kamera Erstaunliches aus dem Motiv heraus. (Quelle: t-online)Richtet man den Fokus nur auf den dunklen Bereich, holt die Handy-Kamera Erstaunliches aus dem Motiv heraus. (Quelle: t-online)

Kamera: Ganz großes Kino

Ein größerer Unterschied zeigt sich bei den – ohnehin bereits exzellenten – Videofähigkeiten der iPhones: Die aktuelle Gerätegeneration zeichnet als erstes Smartphone Videos in Dolby Vision auf. So heißt ein HDR-Videostandard: Er zeigt Videos mit höherem Kontrastumfang und einer größeren Farbpalette an.

Damit das funktioniert, muss das iPhone bis zu 60 Einzelbilder pro Sekunde analysieren – hier kann Apples A14-Prozessor glänzen. In aller Pracht lassen sich die ausdrucksstarken Filme des iPhones aber nur auf dem Display des Geräts genießen. Denn Apple verwendet eine besondere Umsetzung von Dolby Vision, die derzeit nicht von TV-Geräten und ähnlichem unterstützt wird. Immerhin erlaubt es Apples Besonderheit, dass die Videos sich auch auf Nicht-Dolby-Vision-Geräten abspielen lassen. Das funktioniert mit so codierten Videos üblicherweise nicht.

Die Kamera des iPhone 12 Pro unterscheidet sich nicht nur durch die dritte Linse für eine Telekamera, sie bietet in diesem Jahr auch erstmals einen weiteren Sensor: ein LiDAR. Das ist ein Lasersensor, der dem Smartphone ein besseres räumliches Verständnis verleiht. Die Technologie wird etwa auch für autonomes Fahren eingesetzt.

Im iPhone 12 Pro hilft LiDAR dabei, dass das Smartphone bei schlechtem Licht schneller fokussiert und ermöglicht den Portrait-Modus auch bei Nachtaufnahmen. Außerdem ist es ein wichtiges Werkzeug für AR-Anwendungen. AR steht für "Augmented Reality" – damit lassen sich virtuelle Dinge mit der echten Welt verbinden.

In der Industrie kann ein Mechaniker zum Beispiel mit einer AR-Brille beim Blick auf einen Motor Einblendungen mit Anweisungen erhalten. Für Smartphones wird die Technologie vor allem bei Spielen oder in Möbelhausapps eingesetzt: Hier können Nutzer sich virtuelle Möbelstücke in die eigene Wohnung stellen. Das klappte bisher auch ohne LiDAR, mit geht es aber besser. Dennoch gibt es bislang keine spannenden Anwendungen, die LiDAR im iPhone 12 Pro zu einer wirklich relevanten Funktion machen würden.

Und endlich mit 5G – na und?

Die wohl größte Aufmerksamkeit galt bei der Apple-Vorstellung Mitte Oktober der Mobilfunktechnologie 5G. Tatsächlich unterstützen jetzt alle vier neuen iPhones den schnellen Datenfunk. Damit ist Apple im Vergleich zur Android-Konkurrenz spät dran, aber trotzdem noch früh genug – denn nüchtern betrachtet ist 5G derzeit weder groß verfügbar noch so performant wie versprochen. Beim Test in Berlin war 5G-Empfang eher die Ausnahme – und Spitzengeschwindigkeiten von mehreren Hundert MBit/s auch.

Und selbst wenn 5G bereits flächendeckend verfügbar wäre: Zum heutigen Zeitpunkt braucht man es schlicht nicht. Wer aber ein zukunftssicheres Handy haben will, wird sich über die 5G-Unterstützung freuen.

Auch die Leistung des neuen A14 Bionic-Prozessors ist mehr als ausreichend. Zumindest im Testprogramm "Geekbench" hängt Apples Chip die schnellsten Android-Handys teilweise deutlich ab. Im Praxistest konnten wir das iPhone 12 nie auch nur halbwegs ins Schwitzen bringen – das dürfte sicherlich noch zwei, drei Jahre so bleiben. Etwas enttäuschend war hingegen die Akkuleistung. Insbesondere der Akku des iPhone 12 Pro ging gefühlt deutlich schneller zur Neige als noch der des Vorjahresgeräts.

Fazit: iPhone 12, iPhone 12 Pro oder weder noch?

Beim iPhone 12 ist der Fall klar: Im Vergleich zum iPhone 11 wurde das neue Gerät deutlich aufgewertet. Wer noch ein iPhone 6s, 7 oder 8 hat und ein neues Smartphone sucht, kann blind zugreifen: OLED-Display, MagSafe, Dolby Vision Video, das härtere Displayglas – hier bekommen Käufer für knapp 880 Euro (mit 64 GB) ein rundes Paket. Wer noch bis November wartet, bekommt mit dem iPhone 12 mini das Ganze sogar im kompakten Gehäuse und für etwa 100 Euro weniger.

Beim iPhone 12 Pro ist es etwas komplizierter: Der Edelstahlrahmen und die matte Glasrückseite sehen fraglos edler aus, rechtfertigen allein einen Aufpreis von über 240 Euro für viele aber nicht. Auch LiDAR-Sensor, 128 GB Speicher und die dritte Kameralinse setzen das Gerät nicht weit genug vom exzellenten iPhone 12 ab. Das könnte hingegen dem erst für November angekündigten iPhone 12 Pro Max gelingen. Denn hier hat Apple einen besseren Kamerasensor verbaut, der – zumindest auf dem Papier – einen Unterschied für Fotofans zum günstigeren iPhone 12 machen könnte.

Beiden Pro Modellen fehlt zudem etwas anderes: Der 120 Hz Bildschirm. Es gehört bei Android in der Oberklasse mittlerweile fast zum Standard und auch bei Apple kann man zumindest beim iPad Pro erleben, welchen Unterschied das bei der alltäglichen Bedienung macht.

Wer einfach nur ein wirklich gutes iPhone will, greift also zum iPhone 12, wer das beste haben will, was Apple zu bieten hat, wartet noch bis November auf das iPhone 12 Pro Max (ab 1.249 Euro). Wem das dann aber doch etwas zu groß (und vielleicht auch zu teuer ist), der liegt dann beim iPhone Pro 12 richtig. Besitzer vom iPhone 11 Pro oder dem iPhone Xs Pro brauchen den Wechsel nicht unbedingt in Betracht zu ziehen – sie können getrost auf das iPhone 13 warten.

Apple hat der Redaktion iPhones zum Testen zur Verfügung gestellt. Die Geräte werden nach Veröffentlichung des Artikels zurückgeschickt. Für Produkte, die über diese Seite verkauft werden, erhält t-online eine Provision vom Händler. Für Sie als Käufer entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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