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Retro-Games: staubige SchÀtze aus dem Kellerregal

Uwe Kauss

28.02.2017Lesedauer: 4 Min.
FĂŒr alte Spielkonsolen zahlen Sammler mittlerweile viel Geld. Auch die Spiele-Klassiker haben ihren Wert.
FĂŒr alte Spielkonsolen zahlen Sammler mittlerweile viel Geld. Auch die Spiele-Klassiker haben ihren Wert. (Quelle: Eastnews/imago-images-bilder)
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Ob Atari, C64, Nintendo, Gameboy oder Sega: Noch vor einigen Jahren vermutete niemand neue Levels fĂŒr die pixeligen Games aus der Computer-Steinzeit. Doch inzwischen sind seltene Originale, rare Modelle und ausgefallene Editionen teure SammlerstĂŒcke. Der Retro-Games-Sammler und Youtuber Lars Schade erklĂ€rt, was heute wertvoll ist.

Bei einer Ebay-Auktion im Januar 2015 gingen 19 Gebote von 14 Bietern ein. Danach war der VerkĂ€ufer um 35.100 Dollar reicher. Der frĂŒhere, anonyme Angestellte des Games-und Konsolenherstellers Nintendo hatte ein ein originalverpacktes, fabrikneues Exemplar des 1987 vorgestellten Konsolenspiels "Stadium Events" des Herstellers Bandai fĂŒr das Nintendo Entertainment System (NES) samt "Family Fitness Pad" zur Versteigerung angeboten – und damit viel Geld gemacht. Denn von dem Modul des Spieleherstellers Bandai samt Matte mit zwölf Drucksensoren sind nur weniger als 200 Exemplare verkauft worden. Denn im selben Jahr kaufte Nintendo die Rechte an dem Spiel und rief kurz darauf die Bandai-Cartridges aus den LĂ€den zurĂŒck.


Retro-Games

Das Nintendo Entertainment System (NES) aus dem Jahr 1985 ist inzwischen eine gesuchte RaritÀt: Die Konsole kostet derzeit im Bestzustand zwischen 2000 und knapp 3000 Euro.
Der Nintendo Game Boy kam erstmals 1989 in die LĂ€den und wurde millionenfach verkauft. Die ersten Modelle aus diesem Jahr erzielen inzwischen Preise um 1000 Euro.
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Spiele-SchĂ€tze lagen fĂŒr Jahrzehnte im Keller

Der Ebay-Bieter hatte das Game im Jahr 1990 nur fĂŒr ein paar Dollar offiziell aus dem Restebestand von Nintendo gekauft, in den Keller gelegt und fĂŒr 25 Jahre vergessen. Er erinnerte sich erst daran, als eine US-Amerikanerin ein noch verschweißtes Exemplar von "Stadium Events", das sie auf einem Flohmarkt gekauft hatte, 2012 auf Ebay fĂŒr satte 22.800 Dollar versteigern konnte. Doch wer jetzt im Keller zu suchen beginnt: Bei Sammlern besonders begehrt ist vor allem die amerikanische Version im NTSC-Bildformat. Die europĂ€ische PAL-Version ist schon fĂŒr einige hundert bis hin zu rund 6000 Euro zu haben.

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Selbst OriginalhĂŒllen sind gefragt

Inzwischen sind "Retro-Games" eine stetig wachsende Nische in der Szene, in der Sammler viel Geld ausgeben – und verdienen. "Selbst manch leere Kartons, OriginalhĂŒllen und Anleitungen werden inzwischen zu Preisen um 100 Euro gehandelt, und das ist nicht das Ende", erzĂ€hlt der 43-jĂ€hrige Dortmunder Lars Schade, der seit acht Jahren Retro-Games sammelt und unter dem Nickname "MrVenom1974" einen eigenen Youtube-Kanal zum Thema betreibt. Er beobachtet schon seit einigen Jahren die steigenden Preise auf Retro-Games-Sammlerbörsen und im Netz. Ziemlich gesucht seien derzeit originalverpackte, frĂŒhe Ausgaben der Adventure-Serie "Zelda" von Nintendo, erzĂ€hlt er. Besonders interessant fĂŒr Sammler ist derzeit die erstmals 1989 verkaufte, aufklappbare "Game&Watch"-Konsole mit zwei Bildschirmen. Aktuell wird sie in verschiedenen Ebay-Shops fĂŒr bis zu 1500 Euro angeboten.

Sammlerbörsen bieten erste Orientierung

"Mit Legenden wie Zelda liegt man richtig, fĂŒr manche Games aus der Reihe in Originalverpackung werden auf Sammlerbörsen inzwischen einige hundert Euro auf den Tisch gelegt", weiß Schade, der selbst rund 150 Retro-Games besitzt. "Die richtigen Games fĂŒr die Nintendo-Systeme sind sehr preisstabil", erzĂ€hlt er, "da kann das Nachforschen im Keller schon lohnen. Aber von den Serien sind ja Millionen StĂŒck verkauft worden, viele kosten sehr wenig Geld. Aber seltene Ausgaben sind inzwischen richtig teuer." Er empfiehlt, sich bei den vielen Retro-Shops auf Ebay, bei Gebrauchtgames-Anbietern im Netz oder auf einer der vielen Sammlerbörsen zu informieren, die in ganz Deutschland öffnen.

Faustregel fĂŒr wertvolle Spiele

Sehr wichtig sei die Verpackung samt Anleitung, am besten noch eingeschweißt. "Wir haben die Games frĂŒher ja nicht gut behandelt: Packung aufgerissen, rein in die Kiste und los ging's", erinnert sich Schade. Daher seien neuwertige oder gar originalverpackte Games besonders begehrt: "Das steigert den Preis drastisch." Wertvoll seien derzeit Games nach einer einfachen Regel, erzĂ€hlt Schade: "Die ersten und die letzten einer Serie sind teuer."

Vorsicht vor FĂ€lschungen

FrĂŒhe, limitierte und seltene Spiele mit der Kultfigur Super Mario haben sich ebenfalls zu SammlerstĂŒcken gemausert. "Die Preise entwickeln sich konstant nach oben, 800 Euro sind eher die Regel als die Ausnahme. Vor allem die NES-Module kosten richtig viel Geld." So bietet aktuell ein britischer VerkĂ€ufer das originalverpackte Game "Super Mario All-Stars" fĂŒr das Super Nintendo Entertainment System (SNES) fĂŒr umgerechnet rund 2100 Euro an. Doch wer SammlerstĂŒcke kaufen will, sollte vorsichtig sein, warnt Sammler Schade. "FĂŒr fast jedes der wirklich seltenen StĂŒcke wie 'Stadium Events' werden inzwischen clevere FĂ€lschungen angeboten. Es kommt drauf an, bei einem seriösen Anbieter mit gutem Ruf zu kaufen."

Auch alte Commodore 64 werden fĂŒr viel Geld angeboten

Auch bei alten Konsolen steigen weltweit die Preise. "Dieser Trend hat vor etwa drei, vier Jahren begonnen. Vorher hat sich niemand dafĂŒr interessiert", berichtet Schade. Nun erzielt ein Game Boy aus dem Erscheinungsjahr 1989 im Bestzustand um 1000 Euro, der Game Boy Advance ist mit neuwertiger Verpackung etwa 500 bis 800 Euro wert. Selbst der gute, alte Brotkasten, der Commodore 64, wird in rarer Edition von einem HĂ€ndler fĂŒr viel Geld angeboten: Das goldene, auf rund 400 Exemplare limitierte JubilĂ€umsmodell mit Seriennummer aus dem Jahr 1986 zum Anlass des einmillionsten verkauften Exemplars bietet derzeit ein HĂ€ndler fĂŒr knapp 64.000 Euro an. Ob es einen KĂ€ufer findet, ist offen. Doch das Angebot zeigt, wohin Preisentwicklung geht.

TĂŒcken mit der Technik

Doch bei Retro-Hardware gibt es TĂŒcken und Fallen, weiß Schade aus Erfahrung: "Oft sind die Netzteile defekt. Disketten, Cartridges und ihren LesegerĂ€ten sollte man mit Vorsicht begegnen. Je Ă€lter sie sind, umso geringer ist die Fehlerquote." Die alten, biegsamen 5-1/4-Zoll-Disketten seien etwa zur HĂ€lfte nicht mehr lesbar. Funktionieren Konsole und Games, folgt das nĂ€chste Problem: "Ich habe mir einen alten Röhrenfernseher angeschafft, damit ich die Kisten ĂŒberhaupt anschließen konnte", erzĂ€hlt Schade. Zwar hĂ€tten findige Bastler lĂ€ngst fĂŒr Adapter gesorgt, mit der das Konsolengame auch via HDMI am Flachbildschirm zu sehen sei. Doch fĂŒr ihn gibt es da einen Unterschied: "Einige alte Games sehen am Röhrenfernseher echt super aus, am Flat Screen ist das Bild aber grauenhaft." Doch lĂ€ngst hĂ€tten sich Szene-Anbieter auf die Nachfrage eingestellt: "Man kriegt ein 5-1/4-Zoll-Laufwerk inzwischen wieder als Modul mit USB-Anschluss, externe 3,5-Zoll-Laufwerke sind gar kein Problem." Daher sei es auch nicht schwer, mit etwas Recherche eine Werkstatt fĂŒr eine defekte Retro-Konsole zu finden: "Jedes benötigte Ersatzteil ist heute locker zu kriegen. FĂŒr seltene GerĂ€te lohnt es sich zudem, einen erfahrenen Bastler anzuheuern. Einige haben alle Tricks drauf und jedes Teil auf Lager."

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