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Wie es sich anfühlt, Sex mit einem Roboter zu haben

Lust ohne Partner  

Wie es sich anfühlt, Sex mit einem Roboter zu haben

08.01.2018, 20:45 Uhr | dpa, t-online.de, hd

Wie es sich anfühlt, Sex mit einem Roboter zu haben. Porno-Darstellerin "Schnuggie91" mit Sexroboter Elena: ein ernüchternder Akt (Quelle: dpa/BR/ARTE)

Porno-Darstellerin "Schnuggie91" mit Sexroboter Elena: ein ernüchternder Akt (Quelle: BR/ARTE/dpa)

Das Thema Sexroboter wird derzeit wieder heiß diskutiert. Diese technische Revolution bringt eine Reihe von Problemen und Fragen mit sich. Sexroboter könnten unser Liebesleben gewaltig verändern. Aber wollen wir das?

Elena wird geküsst und gestreichelt. Am Bauch, an den Brüsten, im Intimbereich. Doch sie bleibt teilnahmslos liegen, starrt bloß in eine Richtung. Denn Elena ist ein Sexroboter. Sie kann sprechen, ihre Emotionen können per App eingestellt werden.

Und sie ist ein Versuchsobjekt: Für die Webserie "Homo Digitalis" hat der Bayerische Rundfunk die Pornodarstellerin "Schnuggie91" mit Elena – nun, wie soll man sagen? – schlafen lassen. Es war eine merkwürdige Erfahrung, berichtet "Schnuggie91" danach. Die Haut fühle sich nicht so an wie bei einem Menschen. "Sie interagiert ja auch gar nicht", sagt die Pornodarstellerin. "Also man ist eigentlich trotzdem dabei ziemlich einsam."

Jeder fünfte Deutsche will Sex mit Roboter

"Homo Digitalis" ist eine Zukunftsstudie von BR, Arte, ORF und dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation.

  • Danach würde ungefähr jeder fünfte Deutsche gerne einmal mit einem Sexroboter schlafen.
  • Über die Hälfte würde es nicht oder nur vielleicht stören, wenn ihr Partner Sex mit einem Sexroboter hätte.
  • Nur rund sechs Prozent könnten sich vorstellen, sich in einen Roboter zu verlieben.

"Das deutet darauf hin, dass Sexroboter vor allem als Spielzeug und nicht als Menschenersatz wahrgenommen werden", sagt Kathrin Pollmann vom Fraunhofer-Institut.

In Barcelona gibt es mittlerweile ein Bordell mit Sexpuppen, mit denen man(n) laut Anbieter alle seine Fantasien erfüllen kann – "ohne jegliche Grenzen".

Immer wieder gerne zitiert wird in diesem Zusammenhang David Levy, Experte für Künstliche Intelligenz, der Sex mit Robotern bis zum Jahr 2050 für eine gängige Praxis hält. 

Das Thema ist nach wie vor ein Tabu

Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel, der sich unter anderem Fragen der Informations- und Maschinenethik widmet, sagt: "Ich glaube, das bleibt eine Nische." Er verweist unter anderem auf den Kaufpreis von rund 10.000 Dollar (etwa 8500 Euro). "Das kauft man sich nicht einfach auf die Schnelle." Auch sei das Thema nach wie vor ein Tabu. "Über Sexspielzeug wird zwar inzwischen offener gesprochen. Aber Liebeskugeln und Dildos liegen auch nicht überall offen rum. Und wo verstecke ich einen Sexroboter vor meinem Partner?"

Martin Fischer, Kognitionswissenschaftler von der Universität Potsdam, der im Dezember zu einem internationalen Workshop "Roboter lieben" geladen hatte, sagt: "Das ist keine Science-Fiction mehr." Absatzzahlen seien zwar kaum zu bekommen – aber es gebe zum Beispiel eine Firma, die im Jahr rund 400 Sexpuppen verkauft. Manche dieser Puppen können sich auch bewegen. Davon zu unterscheiden seien humanoide Roboter, die auf soziale Signale eingehen und selber welche aussenden können.

"Das ist für uns das interessante Feld", sagt der Professor. So habe eine Studie in den USA gezeigt, dass Menschen auch bei Robotern unterschiedlich reagieren, wenn sie an deren Genitalienzone im Vergleich zu anderen Körperteilen fassen.

Kritik und Kampagne gegen Sexroboter

Auch wenn Sexroboter eine Nische bleiben sollten, wird das Thema breit diskutiert. Eine "Kampagne gegen Sexroboter" führt unter anderem an, Frauen und Kinder könnten zu Lustobjekten degradiert werden. Wissenschaftler Bendel wirft eine ganze Reihe von Problemen und Fragen auf: So müssten Sexroboter beispielsweise gründlich geputzt werden, um Krankheiten vorzubeugen.

Und wie menschenähnlich müssen Sexroboter aussehen und klingen? "Bei Vibratoren geht es hin zu abstrakten Formen, die nicht mehr wie ein Penis aussehen", sagt er. Denkbar seien auch Gestalten mit vier Armen. "Die Literatur tobt sich da aus." Bislang entsprechen die Sexroboter-Modelle auf dem Markt aber Klischees und Stereotypen – derzeit meist von Frauen: vollbusig, schlank, mit klimpernden Wimpern.

Doch laut jüngsten Forschungsergebnissen ist das Aussehen viel weniger entscheidend, um einen Roboter als menschenähnlich zu akzeptieren. "Da reichen schon zwei blinkende Augen und etwas, das aussieht wie ein Mund." Für erfolgreiche soziale Interaktion sind Sprache, Blickverhalten als Signale und taktile Eigenschaften wie Körperwärme wichtig.

Ärger wegen kindsähnlicher Roboter

Noch heikler ist beispielsweise die Debatte um kindsähnliche Roboter und Sexpuppen, die 2017 auch über Händler bei "Amazon Marketplace" angeboten wurden. Im öffentlichen Raum oder einem Bordell hätten diese nichts verloren, sagt Bendel. Als begleitete Maßnahme in einer Therapie mit pädophilen Patienten könnten sie vielleicht hilfreich sein. "Es bräuchte aber wissenschaftliche Studien, um zu zeigen, welche Effekte im Einzelnen auftreten." Sexualtherapeut Ulrich Clement sprach bei "Zeit online" von zwei konkurrierenden Theorien: "Die eine geht davon aus, dass Pädophile damit ihre Wünsche umsetzen können und Ruhe finden. Die andere Theorie geht davon aus, dass die pädophile Tendenz dadurch noch verstärkt wird." Unklar sei derzeit, welche Theorie zutrifft.

Diskutiert wird auch die Frage von Vergewaltigungen. Schon das limitlose Angebot des Sexpuppenbordells wirft sie auf. Bendel schreibt in einem Beitrag für das Buch "3TH1CS – Die Ethik in der digitalen Zeit", zu klären sei, ob Sexroboter einen Akt verweigern können sollen. Der Hersteller des Sexroboters "Roxxxy", die Firma True Companion, sah sich gar genötigt, in einem offenen Brief zu betonen: "Vergewaltigung ist einfach keine Interaktion, die Roxxxy unterstützt – noch ist es etwas, was unsere Kunden wünschen." Hintergrund ist, dass der Roboter eine programmierte Persönlichkeit namens "Frigid Farrah" hat, die mitteilt, wenn sie keine Lust hat.

Trotz all der wichtigen Fragen, hilft vermutlich ein entspanntes Verhältnis. "Wenn Sex mit Robotern irgendwann tatsächlich üblich wird, ist es nur noch eine Variante unter mehreren, Sex zu haben", sagt Clement. Ein Roboter vermittle aber nicht das Gefühl eines Gegenübers, der auf einen Menschen eingehe und ihn einzigartig finde. Und er tauge auch nicht als stressfreier Lebenspartner. "Reibungslosigkeit ist nur als Sehnsucht interessant. Wäre eine Beziehung völlig reibungslos, würde sie schnell langweilig."

Quellen und weiterführende Infos:
- Nachrichtenagentur dpa
- Webseite von Arte.tv zum Thema "Homo Digitalis".

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