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Wo sind all die Telefonzellen hin?

Nur noch 20.000 in Deutschland  

Das Handy lässt die Telefonzellen verschwinden

Von Helge Denker

14.03.2018, 15:02 Uhr
Wo sind all die Telefonzellen hin? . Telefonzellen ist schon fast zuviel gesagt: Telefonstelen trifft es deutlich besser. (Quelle: Getty Images/Horacio Villalobos/Corbis)

Telefonzellen ist schon fast zu viel gesagt: Telefonstelen trifft es deutlich besser. (Quelle: Horacio Villalobos/Corbis/Getty Images)

Statistisch hat jeder Deutsche heute mindestens ein Handy – und 1,4 Sim-Karten. Das macht Telefonzellen zunehmend überflüssig. Langsam verschwinden sie aus dem Stadtbild. An ihre Stelle treten WLAN-Hotspots und andere Angebote.

Kein Krimi kam früher ohne sie aus. Geheimagenten und Spione standen in ihr, Liebhaber, Ehebrecher und Informanten. Dringende Gespräche und Notrufe wurden in ihr geführt. Sie bot Schutz vor Regen und Kälte. Zur Not konnte man auch darin schlafen und natürlich rauchen. Es gab einen Aschenbecher und es roch fast immer nach kaltem Rauch.

Doch 137 Jahre nach der Einführung als "Telefonkiosk" in Berlin stirbt die Telefonzelle so langsam aus. Das kleine Telefonhäuschen in grau-magenta, früher war es postgelb, es verschwindet nach und nach aus den Straßen. Nur noch rund 20.000 Telefonzellen stehen heute in Deutschlands Städten und Gemeinden. 1997 waren es noch 167.000. Betrieben werden sie meist von der Deutschen Telekom – und einigen kleinen Anbietern.

Weniger als jede Vierte steht noch: Von 110.000 auf 26.000 in zehn Jahren. (Quelle: t-online.de/Statista.de)Weniger als jede Vierte steht noch: Von 110.000 auf 26.000 in zehn Jahren. (Quelle: Statista.de/t-online.de)

Die Kriterien für den Abbau sind knallhart: Bringt eine Telefonzelle im Monat weniger als 50 Euro Umsatz, schlägt die Telekom der Stadt, in der sie steht, den Abriss vor. Stimmen Stadt oder Gemeinde und die Bundesnetzagentur zu, wird die Zelle oder Stele abgeräumt. 

50 Euro Umsatz oder die Zelle ist fällig

"Der Unterhalt einer Telefonzelle kostet Geld, etwa für Strom, Standortmiete und Wartung", erklärt Georg von Wagner, Sprecher der "Group Services" der Telekom auf Anfrage von t-online.de. Rund eine Million Euro Schaden entstand 2016 durch Vandalismus. Auch deshalb wurden die Zellen nach und nach durch randalesichere Stelen ersetzt.

"Der Umsatz ist ein klares Indiz dafür, dass der Wunsch nach einer Grundversorgung durch die Bevölkerung an dieser Stelle offensichtlich nicht mehr besteht", so von Wagner. Der Kunde sei somit "der Architekt des Telefonzellennetzes". Und der setzt lieber auf sein Handy als auf eine Telefonzelle. Wenn der Akku zur Neige geht, sucht man viel eher nach einer Steckdose als nach einer Telefonzelle. Die erste Minute Gespräch in der Telefonzelle kostet übrigens 50 Cent, jede weitere nur noch 10 Cent. Mindesteinwurf: 20 Cent. 

Doch es gibt auch immer noch Telefonzellen, die stark benutzt werden, zum Beispiel an Flughäfen oder Bahnhöfen. Ganz aussterben werden sie also nicht, die Telefonzellen. Einige bleiben stehen und werden anders genutzt, als Bücherbox zum Beispiel, in die man seine Bücher einstellen und gegen andere tauschen kann. Oder sie werden für Mini-Partys zweckentfremdet.

120 Millionen Gespräche im Jahr aus der Zelle

In den letzten Jahren ist die Zahl der Telefonzellen immer weiter zurückgegangen. Von den stehengebliebenen 20.000 Stück wurden 2010 noch rund 120 Millionen Gespräche geführt. Im Durchschnitt also 6.000 Anrufe pro Zelle. 2009 waren es noch 165 Millionen, 1999 waren es rund eine Milliarde Gespräche. 

Die Versorgung mit frei zugänglichen Telefonen wird nach und nach immer dünner, die Zeiten des "öffentlichen Fernsprechers" sind vorbei, ein Retro-Trend nicht in Sicht. Eine Grundversorgung bleibt allerdings bestehen, versichert die Telekom. Es gibt sogar neue Ideen und Services, so wurden 2010 etwa 3,5 Millionen SMS von öffentlichen Telefonzellen verschickt.

Hotspots und Tickets an der Stele

Auch gibt es WLAN-Hotspots an rund 2.000 "Telestationen" und "Multimediastationen", die häufig ehemalige Telefonzellen sind. In der Umgebung dieser Hotspots kann also per Laptop oder Smartphone im Internet gesurft werden. Zu erkennen sind diese Standorte an einem Aufkleber mit dem magentafarbenen Hotspot-Logo.

Auch mit Fahrgastinformationen, der Anzeige und Ansage von Abfahrtzeiten, werden Telefonzellen aufgerüstet. Weitere Ideen sind Rufbusse, die sich an abgelegenen Haltepunkten herbeirufen lassen und Ticketing, der Kauf von elektronischen Fahrscheinen und Parkscheinen.

Für 350 Euro gibt es eine Zelle für den Garten

Telefon-Nostalgiker können sich eine alte Telefonzelle kaufen. Unter "info@telekom.de" sind Preise und Verfügbarkeiten zu erfahren. Ausgemusterte Zellen werden unter anderem in einem Wäldchen bei Potsdam gesammelt. Ab 350 Euro geht es los, für Selbstabholer.

Google Maps listet übrigens viele Standorte von Telefonzellen auf, wenn man "Telefonzellen" in die Suche eintippt. Man kann sogar eine Bewertung schreiben. Nur macht das heute niemand mehr. Die Zeit der kleinen Zellen, sie ist definitiv vorbei.

Was haben Sie in Telefonzellen erlebt? Schreiben Sie uns Ihre Geschichte in den Kommentaren!

Verwendete Quellen:

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