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Weltweites Ärztenetzwerk veröffentlicht Fake News zu Corona

Von t-online, arg

Aktualisiert am 22.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Ein Arzt zieht eine Spritze mit dem Impfstoff von Moderna auf
Ein Arzt zieht eine Spritze mit dem Impfstoff von Moderna auf. (Quelle: Oliver Berg/dpa/Symbolbild/dpa-bilder)
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In der Corona-Pandemie werden massenhaft Desinformationen veröffentlicht. Eine Studie zeigt, wie ein internationales Netzwerk von Medizinern die Verbreitung von Fake News weiter anheizt.

Dass Desinformationen und Fake News ein gravierendes Problem sind, war bereits vor Corona bekannt. Die Anzahl falscher Behauptungen, beispielsweise wie viele Tote es durch Covid-Impfstoffe gibt oder woher das Virus kommt, erreichen während der Pandemie aber einen neuen Höhepunkt.

Eine aktuelle Studie des Instituts für strategischen Dialog (ISD) zeigt nun, wie das internationale Ärztenetzwerk "World Doctors Alliance" (WDA) die Verbreitung falscher Corona-Informationen vorantreibt und dass das soziale Netzwerk Facebook wenig dagegen getan hat.

"Superspreader der Desinformation"

Wie die Tagesschau aus der Studie berichtet, habe die Analyse des ISD gezeigt, wie die World Doctors Alliance sich von einer relativ kleinen und bedeutungslosen Facebook-Gruppe zu "Superspreadern der Desinformation" entwickeln konnte. Und wie machtlos Facebook zu sein scheint, die Verbreitung der falschen Inhalte maßgeblich einzuschränken.

Denn: Mitglieder der WDA fallen immer wieder durch irreführende oder falsche Behauptungen auf und Facebook reagiert kaum oder gar nicht auf die vorliegenden Falschinformationen.

So wurde beispielsweise behauptet, dass die Impfung gegen Covid tödliche Zytokinstürme auslöse oder dass Masken und Abstandsregeln unnötig seien, da sich Covid-19 mit "Ernährung, Vitaminen und Hydroxychloroquin" behandeln ließe.

Für diese Aussagen gibt es weder Belege noch umfassende wissenschaftliche Erkenntnisse, die einen zu diesem Schluss kommen lassen - es handelt sich also nachweislich um Desinformation.

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Enormer Gewinn an Reichweite

Während die World Doctors Alliance zu Beginn der Pandemie lediglich etwas über 3.400 Follower auf Facebook aufweisen konnte, stieg die Anzahl im Verlauf der Pandemie enorm.

So konnte die WDA ihre durchschnittliche Anzahl an Interaktionen auf Facebook in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 mehr als verdoppeln. Zudem ist das Netzwerk deutlich gewachsen: Mittlerweile existieren sieben Facebook-Seiten mit mehr als 460.000 Followern.

Der Anstieg der Popularität ist laut Tagesschau auf die prominentesten Mitglieder der Gruppe zurückzuführen. Zum einen auf Dr. Dolores Cahill, ehemalige Professorin am University College Dublin, und zum anderen auf Dr. Scott Jensen, ehemaliger US-Senator aus Minnesota. Beide sind durch das Verbreiten von Fake News in Bezug auf die Pandemie mehrfach negativ aufgefallen.

Nach Angaben der Tagesschau gehört auch ein Arzt und ehemaliger AfD-Landtagsabgeordneter aus Deutschland zum Netzwerk. Dieser sei mehrfach auf "Querdenker"-Demonstrationen aufgetreten und bezeichnete Befürworter der Covid-Impfung als "Jünger Josef Mengeles". Josef Mengele war ein nationalsozialistischer Kriegsverbrecher und Mediziner, der unmenschliche Experimente an KZ-Häftlingen durchführte.

Faktenchecks ohne Folgen

In ihrer Analyse stellten die Experten fest, dass es bei Facebooks Programm für Faktenchecks gravierende Mängel gibt, vor allem bei Inhalten, die nicht auf Englisch veröffentlicht werden.

So offenbarte eine Überprüfung der 50 beliebtesten Beiträge, die die World Doctors Alliance zitierten oder erwähnten, die Schwachstellen des Faktenchecks:

Nur 13 Prozent der englischsprachigen Beiträge, die gänzlich falsche oder irreführende Aussagen enthielten, wurden mit einem sogenannten Factcheck-Label versehen. Bei den deutschen Beiträgen waren es lediglich 8 Prozent, bei den spanischen 5.

So ist das Endergebnis der Studie auch wenig überraschend: "In den allermeisten Fällen" scheitere Facebook an der Kennzeichnung der als falsch eingestuften Beiträge, fasst der Artikel der Tagesschau zusammen.

Facebook meldet sich zu Wort

Eine Sprecherin des Meta-Konzerns, zu dem Facebook gehört, teilte auf Anfrage von tagesschau.de mit, dass es sich bei der Analyse lediglich um eine kleine Stichprobe handele. Die Hauptorganisation "World Freedom Alliance", zu der auch die WDA zählte, wurde bereits im Juli von der Seite entfernt.

Die Stichprobe sei auch "in keiner Weise repräsentativ für die Hunderte von Millionen von Beiträgen, die Menschen in den vergangenen Monaten auf Facebook über Covid-19-Impfstoffe geteilt haben".

Ob repräsentativ oder nicht. Laut ISD sind sich internen Untersuchungen von Facebook zufolge die Verantwortlichen bewusst, dass ein Großteil der problematischen Inhalte von einer kleinen Anzahl von Nutzern stamme. Und dennoch schaffe es das Unternehmen nicht, das Problem an der Wurzel zu packen.

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