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Facebook bezahlt Teenager für Smartphone-Daten

Apple reagiert mit Rauswurf  

Facebook bezahlt Teenager für Smartphone-Daten

30.01.2019, 14:02 Uhr | dpa

Facebook bezahlt Teenager für Smartphone-Daten. Facebook: Das soziale Netzwerk bietet Nutzern Geld an, wenn sie dafür ihren gesamten Datenverkehr überwachen lassen.  (Quelle: dpa/Oliver Berg)

Facebook: Das soziale Netzwerk bietet Nutzern Geld an, wenn sie dafür ihren gesamten Datenverkehr überwachen lassen. (Quelle: Oliver Berg/dpa)

Wer Facebooks Forschungs-App nutzt, gibt dem Konzern tiefe Einblicke in sein Leben und wird dafür mit Gutscheinen entlohnt. Auch Teenager sollen bezahlt worden sein. Apple wirft Facebook aus einem Programm für Firmen-Apps.  

Facebook hat unter anderem auch Teenagern Geld bezahlt, um sich in einer Studie Zugang zu ihren gesamten Aktivitäten auf Smartphones zu verschaffen. Nutzer der App "Facebook Research" im Alter zwischen 13 und 35 Jahren hätten dafür bis zu 20 Dollar pro Monat in Gutscheinen bekommen, schrieb das Technologieblog "TechCrunch" in der Nacht zum Mittwoch.

Das Netzwerk erforschte damit Online-Gewohnheiten. Facebook betonte, dass die Nutzer bei der Anmeldung ihre Zustimmung zur Datensammlung gegeben hätten. Weniger als fünf Prozent von ihnen seien Teenager gewesen – und in diesem Fall hätten Eltern zugestimmt. Das seit 2016 laufende App-Projekt wird nun eingestellt.

Apple reagierte auf die Enthüllung mit einem Rauswurf der umstrittenen Marktforschungs-App aus einem Programm für Firmen-Apps. Die reguläre Facebook-App bleibt nach wie vor im AppStore.

Mit den angeforderten Berechtigungen konnte die App unter anderem auf Unterhaltungen in Chat-Diensten, verschickte Fotos und Videos, Adressen besuchter Webseiten und auch Daten aus Ortungs-Anwendungen zugreifen, sagte IT-Sicherheitsexperte Will Strafach "TechCrunch". Unklar blieb zunächst, an welchen Informationen genau Facebook interessiert sei. Nutzer seien zum Teil auch aufgefordert worden, eine Liste ihrer Amazon-Bestellungen einzureichen.

Laut "TechCrunch" war nicht immer gleich erkennbar gewesen, dass Facebook hinter der über Plattformen für App-Tests vertriebenen Anwendung stehe. Facebook widersprach. "Es war nichts "heimlich" daran; der Name war buchstäblich "Facebook Research App"", erklärte ein Sprecher. Auch sei es kein Ausspähen der Nutzer gewesen, weil sie informiert und bezahlt worden seien. Facebook macht keine Angaben dazu, in welchen Regionen die Studien-App verbreitet wurde.

Das Online-Netzwerk betrieb zuvor bereits die App "Onavo", die als eine sichere VPN-Tunnel-Verbindung beworben wurde. Zugleich lieferte die App Facebook aber auch wichtige Informationen darüber, welche anderen Online-Dienste bei Nutzern populär sind. Apple verbannte "Onavo" im vergangenen Jahr nach einer Verschärfung der Regeln zum Datenzugriff von Apps aus seiner Download-Plattform.

Facebook hält ständig Ausschau nach populären neuen Apps, die dem Netzwerk Nutzer abjagen könnten – und reagiert schnell. Die Foto-Plattform Instagram und der Chat-Dienst WhatsApp wurden gekauft. Bei Snapchat scheiterte der Übernahmeversuch - stattdessen kopierte Facebook dann die populäre "Stories"-Funktion und war damit erfolgreicher als Snapchat selbst.

Die App "Facebook Research" wurde auf iPhones an Apple vorbei installiert, schrieb "TechCrunch". Facebook mache dafür von seinen Möglichkeiten Gebrauch, als Firma eigene Apps auf Telefone von Mitarbeitern aufspielen zu können. Aus Sicht des IT-Experten Strafach ist diese Vorgehensweise ein Verstoß gegen Apples App-Store-Regeln, Facebook bestritt dies bei "TechCrunch". 


Marktforschung führen alle möglichen Unternehmen durch, dass eine Testperson dafür praktisch die gesamten Online-Aktivitäten offenlegt, ist eher ungewöhnlich. Laut der von "TechCrunch" zitierten Erklärung zu der Anwendung beim Beta-Test-Service Applause erfasste sie zum Beispiel, "welche Apps auf Ihrem Telefon sind, wie und wann Sie diese nutzen, Daten über Ihre Aktivitäten und Inhalte in diesen Apps sowie wie andere Menschen mit Ihnen oder Ihren Inhalten in diesen Apps interagieren". Diese Formulierung wirft die Frage auf, ob dadurch eventuell auch Daten von Personen, die nicht an der Studie teilnahmen, erfasst worden sein könnten.

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