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Social Trading: Diese Chancen und Risiken stecken hinter dem Anlagetrend


Schwarmintelligenz  

Kann ich mit Social Trading auf Finanzberater verzichten?

26.03.2021, 12:37 Uhr
Social Trading: Diese Chancen und Risiken stecken hinter dem Anlagetrend. Der Anlagenberater im Handy? Das verspricht Social Trading mit seinen Apps – aber sind Anleger damit wirklich erfolgreich? (Quelle: imago images/Giorgio Fochesato)

Der Anlagenberater im Handy? Das verspricht Social Trading mit seinen Apps – aber sind Anleger damit wirklich erfolgreich? (Quelle: Giorgio Fochesato/imago images)

Mit einem Klick erfolgreiche Investoren kopieren: Auf diese Weise sollen Anfänger so reich wie die Profis werden, sagen zumindest Social Trading Plattformen. Doch ist das wirklich so einfach? 

Es klingt nach einem verlockenden Versprechen: Ohne eigene Expertise mit wenigen Klicks lukrative Investments finden und hohe Gewinne kassieren. Möglich soll das mit dem sogenannten Social Trading sein – hier folgen Sie in sozialen Netzwerken anderen Nutzern und kopieren ihr Kaufverhalten an den Finanzmärkten.

Doch ist das wirklich sicher, kann ich den Nutzern vertrauen und so vielleicht sogar wichtige Anlagestrategien lernen? t-online erklärt, was sich hinter dem Trend verbirgt. 

Was ist Social Trading?

Social Trading ist eine Art des Geldanlegens, für die Sie sich auf bestimmten Plattformen im Netz anmelden müssen. Hier folgen Sie anderen Nutzern und kopieren mithilfe eines Algorithmus deren Verhalten an der Börse. Ein alternativer Begriff ist daher auch Copy Trading. Auf Onlineplattformen bieten verschiedene Investoren – beim Social Trading häufig Signalgeber genannt – einen Einblick in Ihr Portfolio, sodass andere Nutzer ihre Käufe und Verkäufe kopieren können.

Je nach Plattform geschieht das sogar automatisch. Das bedeutet: Kauft der Signalgeber fünf Amazon-Aktien, kaufen auch seine Follower automatisch fünf Aktien des US-Konzerns.

Wie funktioniert Social Trading?

Social Trading findet über spezielle Onlineplattformen statt, auf denen Sie sich sowohl als Signalgeber wie auch als einfacher Anleger registrieren können. Wie in einem herkömmlichen sozialen Netzwerk können Sie sich hier mit anderen Investoren austauschen und sich gegenseitig Tipps geben.

Größere Anbieter für Social Trading sind zum Beispiel: 

  • eToro
  • Naga
  • Wikifolio 

Der Anbieter Wikifolio unterscheidet sich dabei etwas von eToro und Naga. Denn bei Wikifolio folgen Sie dem Depot, das ein Investor auf der Onlineplattform zusammenstellt. Erst wenn sich genug Follower finden, werden Zertifikate (mehr dazu hier) für das Depot ausgegeben. Anschließend wandelt der mit Wikifolio kooperierende Finanzdienstleister Lang und Schwarz das Depot in ein Indexzertifikat um, das dann am regulären Börsenhandel teilnimmt. Als Signalgeber können hier professionelle Trader und auch Laien auftreten. 

Bei eToro und Naga folgen Sie stattdessen Ihren Lieblingsinvestoren und geben Kopieraufträge. Im Falle von eToro heißt das: Kopieren Sie zum ersten Mal einen Signalgeber, werden alle Finanzprodukte des Portfolios nachgekauft – allerdings zu den aktuellen Marktpreisen.

Hat der Signalgeber also mit einer Aktie ein Schnäppchen gemacht und damit einen hohen Gewinn erwirtschaftet, schlägt sich das nicht zwangsläufig in Ihrem Portfolio nieder. Sie können aber auch die Option wählen, dass nur neue Käufe und entsprechende Verkäufe kopiert werden. 

Viele Plattformen verlangen Mindestbetrag bei Investments

Damit die Plattform dem Signalgeber bequem Aktien, Fonds oder Anleihen für Sie nachkaufen kann, müssen Sie einem Trader Geld zuweisen. Das Geld bekommt dabei aber nicht der Signalgeber selbst. Stattdessen nutzt eToro das Budget, um die gleichen Aktien oder Finanzprodukte wie der Trader zu kaufen. Bei Naga läuft das Ganze ähnlich.

Bei beiden Plattformen gilt: Sie müssen als Nutzer eine Mindesteinlage hinterlegen. Bei eToro sind es 200 Euro, Naga empfiehlt, 250 Euro auf das Plattform-Konto zu überweisen, um die Kopierfunktion vollumfänglich nutzen zu können. 

Die Signalgeber dagegen verdienen Geld damit, dass diese ihre Strategien teilen. Bei eToro erklimmen die Trader Stufen, die Gehaltsklassen entsprechen. Als sogenannter Cadet (Kadett) beweisen sich die Trader erst einmal ohne Entlohnung. Bei einer geringen Risikobewertung und vielen Kopierern steigen die Signalgeber auf.

Bei Naga bekommen die Nutzer, die Sie kopieren, einen Bonus pro Abonnent. Bei Wikifolio gibt es eine Erfolgsprämie, wenn das Depot genug Unterstützer hat, die Zertifikate kaufen, und das Indexzertifikat des Signalgebers genügend Gewinn erwirtschaftet.

Welche Kosten gibt es beim Social-Trading?

Es gibt verschiedene Gebührenmodelle je nach Plattform. Naga verbucht eine Pauschale von 50 Cent pro kopiertem Trade. Weitere fünf Prozent nimmt Naga, wenn Sie als Anleger mit einem kopierten Handel mehr als 5 Euro Gewinn erzielen. 

eToro wirbt damit, keine zusätzlichen Gebühren zu erheben. Die Plattform finanziere sich aus dem sogenannten Spread, also der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis.

  • Beispiel: Eine Aktie kostet am Markt 9,50 Euro, Ihr Makler (Broker) verlangt aber einen Preis von 10 Euro. Der Spread beträgt in diesem Fall 50 Cent. Wollen Sie die Aktie später zum dann aktuellen Kurs von 13,50 Euro verkaufen, erhalten Sie nur 13 Euro von Ihrem Broker zurück. Erneut liegt der Spread bei 50 Cent.

Wikifolio nimmt erst mit dem Zertifikat Gebühren – dann allerdings gleich über zwei Wege. Zum einen kassiert die Plattform beim Kopierer eine sogenannte Zertifikatsgebühr von 0,95 Prozent pro Jahr, wobei Wikifolio diese Kosten anteilig täglich verrechnet. Zum anderen nimmt der Anbieter eine sogenannte Performancegebühr auf das Indexzertifikat von bis zu 30 Prozent. 

Tipp: Wer erst einmal die Vorgänge des Social Tradings verstehen möchte, kann sich bei vielen Anbietern auch Demokonten einrichten. Diese sind meist kostenlos.

Lohnt sich Social Trading?

Das müssen Sie als Anleger oder Anlegerin selbst für sich entscheiden. Fest steht: Social Trading macht es Ihnen zwar leicht, an der Börse zu investieren, aber es birgt auch viele Risiken. Die Vor- und Nachteile im Überblick:

Diese Chancen bietet Ihnen das Social Trading:

  • Leichter Einstieg in das Thema Geldanlage: Mit Social-Trading-Plattformen können Sie spielend Zugang zur Börse finden und die einzelnen Finanzprodukte kennenlernen – ganz ohne Wirtschaftsstudium. Besonders die Demokonten geben Ihnen dabei die Möglichkeit, sich zuerst mit der Umgebung und den einzelnen Signalgebern vertraut zu machen, bevor Sie mit Ihrem Ersparten einsteigen.
  • Ideen und Austausch mit anderen Nutzern: Die Plattformen verbinden einen klassischen Broker mit sozialen Netzwerken. Investieren ist so kein Alleingang, sondern Teamwork. Die Community kann Ihnen neue Impulse geben und Sie können sich über Risiken und Chancen einzelner Anlagen austauschen. Signalgeber haben zudem die Möglichkeit, Hintergründe zu ihren Investmententscheidungen oder mögliche Marktszenarien mit ihren Abonnenten zu teilen. So kann die Gemeinschaft den Finanzberater ergänzen oder gar ersetzen.
  • Sie können an den Erfolgen erfahrener Anleger teilhaben. Mit Social-Trading müssen Sie nicht selbst die Märkte perfekt analysieren können – es reicht, wenn Sie jemanden finden, der es kann. So sparen Sie Zeit und müssen sich nicht aufwendig in die Produkte einlesen, Strategien entwickeln und Szenarien abwägen. Stattdessen geben Sie einen Auftrag, stellen das Budget ein und lehnen sich zurück. 

Diese Risiken sollten Sie dabei bedenken:

  • Jeder kann Signalgeber werden. Dafür braucht es weder eine Ausbildung noch eine anderweitige Qualifikation – der Trader muss lediglich eine Zeit lang ein gutes Händchen beweisen. Eine Börsenweisheit lautet aber auch: Alte Erfolge lassen nicht auf zukünftige Erfolge schließen.
  • Sie lassen andere entscheiden: Wenn der Signalgeber kalte Füße bei einem plötzlichen Kursfall bekommt, verkauft die Plattform bei den automatischen Kopiervorgängen auch Ihre Anteile. Wenn der Kurs sich später fängt, bleiben Sie womöglich auf Ihren Verlusten sitzen.
  • Plattformen verleiten zu risikoreichen Spekulationen. Eine Studie, die chinesische Social-Anleger untersuchte, zeigte auf, dass die Plattformen nicht das Börsenwissen der Nutzer erweitern. Vielmehr ließen sich die beobachteten Anleger verführen, in volatile, risikoreiche Aktien (mehr dazu hier) zu investieren.
  • Es gibt keine Regulierungen. Die Signalgeber sind – anders als Fondsgesellschaften – nicht per Gesetz reguliert. Sie müssen beispielsweise nicht ein ausführliches Prospekt für ihre Anlagestrategie herausgeben. Hier reicht ein kurzer Text in ihrem Profil.
Verwendete Quellen:
  • Finanzfluss: Börsenhandel per Copy + Paste
  • Bergfürst: Social Trading – Wenn die Community den Finanzberater ersetzt
  • T3N:  Social Trading – Diese Plattformen sind ideal für Einsteiger
  • wikifolio.de: Offizielle Website
  • etoro.de: Offizielle Webiste
  • naga.de: Offizielle Website
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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