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Starkregen und Hochwasser: Wie kann ich mich warnen lassen?

Starkregen und Hochwasser  

Wie kann ich mich rechtzeitig warnen lassen?

23.07.2021, 14:58 Uhr | dpa-tmn, t-online

Starkregen und Hochwasser: Wie kann ich mich warnen lassen?. Hochwasser: Ein Schild warnt die Bevölkerung vor Gefahren. (Quelle: dpa/Sebastian Gollnow)

Hochwasser: Ein Schild warnt die Bevölkerung vor Gefahren. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa)

Die Flut offenbart Lücken beim Katastrophenschutz: Die meisten Sirenen sind abgebaut. Stattdessen warnen Apps, Radio, Fernsehen und das Internet. Die Voraussetzung: Strom. Und wenn der ausfällt?

Apps, Sirenen, Lautsprecherwagen, Warnungen in Radio und Fernsehen: In Friedenszeiten sind die Bundesländer für den Bevölkerungsschutz im Katastrophenfall zuständig. Doch auch einige anderen Behörden schlagen Alarm. Über folgende Kanäle und Medien kann man sich informieren und warnen lassen. Doch nicht jede erreicht auch die Betroffenen. Ein Überblick.

Radio und Fernsehen

Eine Vielzahl der deutschen Fernseh- und Radiosender sind an das Warnsystem MoWaS angeschlossen. Aber: Vor allem nachts sind Radio und Fernseher oft ausgeschaltet, eine Weckfunktion gibt es nicht. Auch bei Stromausfällen sind die Durchsagen und Einblendungen nutzlos, da in den wenigsten Haushalten batteriebetriebene Empfangsgeräte vorhanden sind.

Unser Tipp
Sogenannte Notfallradios oder Kurbelradios funktionieren auch ohne Strom. Sie können mit der Handkurbel, Batterien oder über ein eingebautes Solar-Panel betrieben werden.

Sirenen

Seit Ende des Kalten Krieges gibt es in vielen Kommunen nur noch wenige oder gar keine öffentlichen Sirenen mehr. Vorgeschrieben sind sie nur in der Nähe von Atomkraftwerken und großen Chemiebetrieben.



Gemeinden, die noch funktionstüchtige Sirenen und Lautsprecher-Anlagen haben, sind vor allem dann im Vorteil, wenn die Gefahr nachts droht und die Menschen schlafen. Ein Heulton weckt deutlich besser als eine SMS oder die Benachrichtigung einer App.

SMS

Nicht jeder Mensch in Deutschland hat ein internetfähiges Handy. Und nicht alle Smartphone-Nutzer haben eine Warn-App installiert. Der Landkreistag hat deshalb vorgeschlagen, SMS zu verschicken. "Das sollte bei größeren sich anbahnenden Katastrophen damit auch auf älteren Handys und ohne zu installierende Apps möglich sein", so der Präsident des kommunalen Spitzenverbandes, Reinhard Sager. Ob und wann das SMS-Warnsystem eingerichtet sein wird, ist noch offen. Allerdings kommt auch eine Warnung per SMS nicht an, wenn Sturm oder Flutwasser die Mobilfunkmasten umreißen.

Warn-Apps

Die Warn-App Nina des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und die von Fraunhofer Fokus entwickelte Katwarn-App halten Nutzer standortgenau auf dem Laufenden und haben Notfalltipps parat.



Kommt es beispielsweise zu einem Unwetter oder Großbrand, sendet Nina Push-Benachrichtigung aufs Smartphone. Dafür ist aber eine Datenverbindung über Mobilfunknetz oder WLAN erforderlich. Als Quelle nutzt Nina das Modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS).

Verschiedene Apps: Sie warnen im Notfall. Auch per SMS sind Informationen verfügbar. (Quelle: dpa/tmn/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild)Verschiedene Apps: Sie warnen im Notfall. Auch per SMS sind Informationen verfügbar. (Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/tmn)

Die App Katwarn hingegen funktioniert nicht nur auf Smartphones. Nutzer älterer Handys können sich die Warnungen auch als SMS schicken lassen. Zur Anmeldung muss man lediglich eine SMS mit dem Wort "KATWARN" und der Postleitzahl, für die man Warnungen erhalten möchte, an 0163 7558842 senden. Die Warnhinweise stammen von autorisierten Behörden und werden von Katwarn weitergeleitet.



Die vom Deutschen Wetterdienst (DWD) angebotene WarnWetter-App bezieht ihre Informationen von der DWD-Datenbank. Neben Warnungen vor Unwettern sowie Schnee und Glätte enthält die App auch Details zum aktuellen Wetter.

Notfall-Apps

Im Play Store von Android und iOS werden zudem Notfall-Apps angeboten. Nutzer können mit ihnen ihren Standort an Rettungsdienst oder Polizei schicken. Diese Apps werden von privaten Unternehmen betrieben. Voraussetzung ist meist auch, dass die entsprechenden Behörden an die Dienste angebunden sind.

Unser Tipp
Achten Sie bei solchen Apps besonders auf die Datenschutzbestimmungen und Nutzerbewertungen in den App Stores. Sonst geben Sie im schlimmsten Fall Ihre Daten an Betrüger weiter.

Was muss besser werden?

Nun diskutiert die Politik über den Bevölkerungsschutz in Deutschland und darüber, ob früher und präziser gewarnt werden kann. Sehr genau vorhersagen lassen sich örtliche Starkregenereignisse aber nicht. "Selbst mit der besten Meteorologie nicht", betont Ortwin Renn, Experte für Umwelt- und Risikosoziologie. "Eine etwas realistischere Einschätzung über Plötzlichkeit und Gewalt von Unwettern muss stärker ins Bewusstsein dringen."

Risikokompetenz nennt Gerd Gigerenzer das. Wichtig ist aus Sicht des Direktors des Harding-Zentrums für Risikokompetenz an der Universität Potsdam, Risiken gut einschätzen zu können – selbst wenn nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen.

Was heißt eigentlich Regenwahrscheinlichkeit?

Als erstes nennt er in seinem Buch "Risiko" ausgerechnet Wetterberichte und dass viele nicht wüssten, wie sie Regenwahrscheinlichkeiten korrekt interpretieren müssen. Teils mangele es an der nötigen Ausbildung in den Schulen, moniert Gigerenzer. Teils hätten aber auch Experten nie gelernt, Wahrscheinlichkeiten richtig zu erklären.

Umweltsoziologe Renn meint: "Je mehr die Hochwasserereignisse verblassen, desto eher werden wir wieder in alte Routinen übergehen." Er empfiehlt Übungen, "um uns wachzuhalten". Viele wüssten gar nicht, wie man sich in einer solchen Situation verhalten müsste, dass man zum Beispiel nicht unbedingt noch die Fotoalben im Keller ins Trockene bringen sollte.

Und es lohne sich, über besondere Warnstufen nachzudenken, sagt er. "Wenn die App jeden Tag warnt, denkt man sich: 'Na und?'". Hier könnte eine weitere Alarmschwelle hilfreich sein – auch wenn präzise Aussagen, wo Katastrophen drohen, nur sehr kurzfristig möglich seien.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa-tmn

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