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Temperatur-Anomalien in den Weltmeeren – Forscher warnt


Neue Temperaturrekorde drohen
"Hier tickt eine Zeitbombe"


09.07.2023Lesedauer: 1 Min.
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Animationen zeigen, wie stark die Meerestemperaturen angestiegen sind: Klimaforscher Mojib Latif warnt vor den Folgen. (Quelle: t-online)

Noch nie waren die Weltmeere so warm wie jetzt. Die Faktoren sind vielschichtig, die Folgen gravierend. Ein Klimaforscher erklärt, was uns in Zukunft erwartet.

Extreme Hitzewellen in Spanien, sintflutartige Regenfälle, gefolgt von Überschwemmungen in Italien, Tornados und Superzellen in Deutschland. Dass diese Starkwetterereignisse immer häufiger und intensiver auftreten, hängt auch mit der Erwärmung der Meere zusammen, erklärt Mojib Latif, einer der führenden Klimaforscher Deutschlands, im Gespräch mit t-online.

Der vergangene Monat ist nach Auswertungen des EU-Klimawandeldienstes Copernicus der weltweit wärmste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Auch die Meeresoberflächen wiesen nach Angaben von Copernicus eine Rekordwärme auf, insbesondere im Nordatlantik sind außergewöhnlich hohe Temperaturanomalien gemessen worden.

In diesem Jahr könnte ein zusätzlicher Faktor die ohnehin schon hohen Temperaturen noch weiter steigen lassen: Das Wetterphänomen El Niño, das sich durch eine Erwärmung des Oberflächenwassers im Pazifischen Ozean auszeichnet.

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"Es gibt keine Alternative dazu, dass wir uns anpassen, dass wir jetzt die notwendigen Maßnahmen einleiten, weil sonst werden die Auswirkungen des Klimawandels fast unbeherrschbar werden."

Noch nie waren die Weltmeere so warm wie jetzt. Die Faktoren sind vielschichtig, die Folgen gravierend – für Meereslebewesen, das Ökosystem, aber auch für uns Menschen.

Extreme Hitzewellen in Spanien, sintflutartige Regenfälle, gefolgt von Überschwemmungen in Italien, Tornados und Superzellen in Deutschland. Dass diese Starkwetterereignisse immer häufiger und intensiver auftreten, hängt auch mit der Erwärmung der Meere zusammen, erklärt Deutschlands führender Klimaforscher Mojib Latif im Gespräch mit t-online.

"Der Hauptgrund ist die globale Erwärmung. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Weltmeere über 90 Prozent der Wärme aufnehmen, die im System verbleiben. Wärmere Meere bedeutet auch in gewisser Weise, dass da so eine Art Heizplatte ist für die darüber liegende Atmosphäre. Es verdunstet auch mehr Wasser und es ist mehr Energie in der Atmosphäre vorhanden. Und das sorgt eben dann letzten Endes dafür, dass wir auch öfter Wetterextreme bekommen und dass sie sich teilweise auch intensivieren können."

Die Wassertemperaturen in einigen Gebieten des Nordatlantiks liegen derzeit mitunter 3 bis 4 °C über dem Durchschnitt dieser Jahreszeit. Teile der Nordsee sind sogar 5 Grad wärmer als gewöhnlich. Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von Temperaturanomalien und marinen Hitzewellen – denn eine derart drastische Erwärmung hat es bislang nicht gegeben. Die Auswirkungen sind bereits jetzt spürbar.

"Die Folgen können wir heute schon zumindest in abgeschwächter Form sehen. Ökosysteme leiden unter der Meereserwärmung, Stichwort Korallen. Die Ökosysteme leiden auch unter der CO2-Aufnahme. Ungefähr 1/4 des CO2 sollen in die Luft blasen. Das nehmen die Weltmeere auf und das führt zur Meeres Versauerung. Und insofern tickt hier wirklich eine Zeitbombe. Denn sowohl Meereserwärmung als auch Meeres Versauerung haben erhebliche Auswirkungen auf die Ökosysteme in den Ozeanen."

In diesem Jahr könnte ein zusätzlicher Faktor die ohnehin schon hohen Temperaturen noch weiter steigen lassen: das Wetterphänomen El Niño.

"El Niño ist ja eine Erwärmung des tropischen Pazifiks und in der Folge erwärmt sich auch der tropische Indische Ozean. Das heißt also, wir haben da eine riesige Fläche, die sich erwärmt und das hat natürlich automatisch dann auch Einfluss auf die globale Temperatur."

Wie stark El Niño in diesem Jahr ausfallen wird, lässt sich derzeit noch nicht bestimmen.
Es scheint jedoch absehbar, dass das Wetterphänomen auch in diesem Jahr zahlreiche Extreme hervorrufen dürfte. Die Jahre 2023 bis 2027 werden nach Angaben der Vereinten Nationen mit größter Wahrscheinlichkeit die heißesten fünf Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

"Die Folgen sind mehr Wetterextreme, Stress für die Marine Ökosysteme, aber natürlich auch für die Ökosysteme auf Land und eine Beschleunigung des Klimawandels. Wenn ich daran denke, dass durch Hitzewellen letztes Jahr ungefähr 4500 Tote zu beklagen gewesen sind, dann zeigt das, dass der Klimawandel, die Folgen des Klimawandels schon längst bei uns in Deutschland angekommen sind. Und ich glaube, wir sind eben nicht besonders gut vorbereitet. Wir haben uns viel zu spät Gedanken darüber gemacht, wie wir damit umgehen wollen. Wir müssen einfach damit rechnen, dass die Erwärmung in den nächsten Jahren und vermutlich auch in den nächsten Jahrzehnten weiter geht und dass wir deswegen auch immer wieder neue Temperaturrekorde bekommen. Das ist schon das neue Normal. Sowohl was die Landregion angeht, als auch was die Meeresregion angeht."

Klimaforscher Latif plädiert auch deshalb für eine noch stärkere Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen, anders werde man die Klimaziele nicht erreichen können. Auch die Vernunft des Einzelnen spiele eine entscheidende Rolle, insbesondere bei einem nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen.

"Es gibt keine Alternative dazu, dass wir uns anpassen, dass wir jetzt die notwendigen Maßnahmen einleiten, weil sonst die Auswirkungen des Klimawandels fast unbeherrschbar werden."

Welche gravierenden Folgen die Erwärmung der Meere für die Ökosysteme hat, warum Deutschland nicht gut vorbereitet ist und was der Klimaforscher fordert, sehen Sie hier oder oben im Video.

Verwendete Quellen
  • Eigenes Interview mit Mojib Latif
  • mit Material via Twitter.com, Reuters, dpa, Getty Images, DTN
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