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Spaghetti Bolognese: Darum kennt kein Italiener das Gericht


Mysteriöser Name
Darum kennt kein Italiener Spaghetti Bolognese


14.02.2024Lesedauer: 2 Min.
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pork bolognese spaghetti with parmesan cheeseVergrößern des Bildes
Ein Teller mit Spaghetti und Fleischsoße: Die Italiener nennen sie Ragù, die Deutschen Bolognese. (Quelle: imago-images-bilder)

Ein Teller dampfender Spaghetti Bolognese – viele können sich nichts Besseres vorstellen, wenn der Hunger kommt. Aber eigentlich gibt es das Gericht gar nicht.

Ob zu Hause oder in der Kantine: Spaghetti Bolognese gehört zu den Leibspeisen der Deutschen. Kein Wunder, schmeckt das italienische Gericht mit der Fleischsoße doch einfach herrlich, lässt sich einfach zubereiten und erinnert an den Urlaub in Bella Italia. Aber halt, in Italien kennt kein Mensch ein Essen dieses Namens. Sind die Spaghetti Bolognese gar nicht italienisch? Oder sagen wir Deutschen etwas Falsches?

Wenn wir von Spaghetti Bolognese sprechen, meinen wir eigentlich Ragù. So heißt das Gericht, das in ganz Italien zubereitet wird. Die Fleischsoße aus Schweine- und Rinderhack, Speck, Zwiebeln, Sellerie, Karotten und Tomatenmark wurde im 17. Jahrhundert erstmals schriftlich erwähnt. Über die Tradition des Ragù alla Bolognese und seiner spezifischen Zutaten wacht heute die Accademia della cucina italiana (lesen Sie hier mehr dazu).

Ein Name nur für deutsche Urlauber

Und was ist jetzt mit den Deutschen? Sie kommen mit der italienischen Küche erstmals zehn bis 15 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in Berührung. Das Wirtschaftswunder spült Geld in deutsche Börsen und die Menschen fangen an, sich Urlaube zu gönnen. Italien ist ihr beliebtestes Reiseziel, und hier vor allem die Riviera Romagnola mit der berühmten Renaissancestadt Bologna, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler und Historiker Alberto Grandi von der Universität Parma t-online.

"In den Hotels und Pensionen der Romagna wurde den deutschen Urlaubern in den Sechziger- und Siebzigerjahren das Ragù als Bologneser Soße präsentiert", so Grandi. Wahrscheinlich, um die Wiedererkennung und die Verknüpfung zwischen Wohlgeschmack und der Region zu verstärken. Die Deutschen prägten sich den Namen ein und probierten das Rezept bei ihrer Rückkehr aus. Seitdem steht auf deutschen Mittagstischen die Bolognese und nicht das Ragù. Dazu kommt: In Italien wird Ragù mit Tagliatelle, Penne oder anderen Pastaformen gegessen, aber wirklich niemals mit Spaghetti.

Überraschung: Deutsche Zutat in Italien

Übrigens: Die Italiener schwören bei der Zubereitung ihrer weltberühmten Speisen auf traditionelle, heimische Zutaten. Aber eine deutsche Ingredienz hat es doch in ihre Küche geschafft: Wurstl – gemeint sind Wiener beziehungsweise Frankfurter Würstchen. "Wurstl gehören heute zu den klassischen Belägen für Pizza und auch für Reissalat", sagt Grandi. Wurstl, italienisch für Würstchen, werden bei der Herstellung heißgeräuchert und verleihen Speisen deshalb einen ganz besonderen Geschmack.

Grandi beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte der weltberühmten italienischen Rezepte und zerstört dabei auch Mythen. So schockte der Professor seine Landsleute vor wenigen Jahren mit seinem Buch "Denominazione di Origine Inventata" (zu deutsch: Erfundene Ursprungsbezeichnung). In der Abhandlung behauptet er, dass viele der italienischen Nationalgerichte anderen Küchen entlehnt sind. Unter dem passenden Titel "Mythos Nationalgericht. Die erfundenen Traditionen der italienischen Küche" erscheint es im Mai 2024 auch hierzulande in deutscher Sprache.

Verwendete Quellen
  • schriftliches Interview mit Alberto Grandi, Professor für Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Parma
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