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Gibt es schwierige Kinder - oder werden sie schwierig gemacht?

t-online, Sabine Caron

Aktualisiert am 01.02.2012Lesedauer: 4 Min.
Junge streckt seine Zunge raus.
Immer mehr Kinder werden heutzutage wegen ihrem Verhalten therapiert. (Bild: imago)
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In vielen Familien, in KindergĂ€rten und Schulen gibt es Kinder mit dem Ruf schwierig, verhaltensauffĂ€llig oder gar „gestört“ zu sein. Immer mehr Kinder werden wegen ihres Verhaltens therapiert, werden Kinderpsychologen vorgestellt und/oder bekommen Medikamente wie Ritalin (gegen ADHS) verschrieben. Eine Studie des Robert Koch-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als 20 Prozent aller Kinder als verhaltensauffĂ€llig gelten. Sind diese Kinder einfach schwierig oder werden sie von Erwachsenen dazu gemacht? Welche Ursachen fĂŒr auffĂ€lliges Verhalten gibt es und was kann man dagegen tun?

Jedes Kind bringt sein Temperament mit

ZunĂ€chst bringt jedes Kind ein gewisses Temperament beziehungsweise bestimmte Charaktereigenschaften mit. So hat jedes Baby beispielsweise von Anfang an seine eigene Form, Missfallen zu Ă€ußern. Manche Babys meckern sehr vehement, andere eher zurĂŒckhaltend, wenn sie noch hungrig sind. WĂ€hrend das eine Kind offen auf andere Menschen zugeht, beobachtet das andere gerne Fremde zunĂ€chst aus der Distanz. Manche Kinder schlucken ihren Frust einfach herunter, andere greifen gleich zu den FĂ€usten. Als „schwierig“ wahrgenommen werden vor allem die trotzigen, aggressiven oder unruhigen Kinder. ZurĂŒckgezogene, beobachtende und passive Kinder, die vielleicht ebenfalls Probleme haben, werden dagegen selten als „schwierig“ empfunden. Wer ein „schwieriges“ Temperament mitbringt, muss aber noch lange nicht zum Problemkind werden. Eine adĂ€quate Reaktion, eine gelungene Erziehungsleistung allerdings gewinnt hier an Bedeutung. Auch kann mit Temperamentsunterschieden nicht die Zunahme an verhaltensauffĂ€lligen Kindern erklĂ€rt werden.

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Ein Symptom kranker Beziehungen

Fehlende Grenzen, ein zu hoher Medienkonsum und verwöhnte Einzelkinder, es gibt viele ErklĂ€rungsansĂ€tze fĂŒr die wachsende Zahl an „Problemkindern“. Viele neue AnsĂ€tze gehen davon aus, dass ein „schwieriges Kind“ in erster Linie ein Symptom einer gestörten Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen ist. Eine solche Beziehungsstörung liegt dem Jugendpsychiater Michael Winterhoff zufolge vor, wenn das Kind wie ein Partner behandelt wird und in alle Entscheidungen eingebunden wird oder wenn ein Erwachsener immer und zu jedem Zeitpunkt von seinem Kind geliebt werden will. Andere Eltern betrachten das Kind als Teil ihrer selbst, der funktionieren muss. Funktioniert das Kind nicht, wird nicht nach den wahren GrĂŒnden gesucht, sondern zum Beispiel die Ursache beim Lehrer oder einer Krankheit gesucht (zum Beispiel ADHS, HyperaktivitĂ€t). Wichtig dabei ist dem Psychiater zufolge zu wissen, dass Kinder ab fĂŒnf Jahren alles fĂŒr ihre Eltern tun. So geht ein gesund gebundenes Kind nur fĂŒr seine Eltern zur Schule, und nicht weil es dies als wichtig fĂŒr sein Leben erkennt. Ist diese Beziehung aber gestört, leidet auch das Sozial- und Leistungsverhalten des Kindes außerhalb des Elternhauses.

Kleine Jungen, große Not

Jungen gelten besonders hĂ€ufig als schwierig. Der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann nennt als einen wesentlichen Grund die Dominanz der MĂŒtter und die „Vaterlosigkeit“, die er weniger auf deren zu lange Abwesenheit, sondern mehr auf deren Verhalten als „mutlose, emotionale Randfiguren“ bezieht. HĂ€ufig werde der Vater zur Randfigur, weil er fĂŒr die Mutter kaum noch vorkommt. FĂŒr sie steht der Sohn im Mittelpunkt, dem Vater traut sie den Umgang letztlich nicht zu. Der Vater zieht sich weiter zurĂŒck, dafĂŒr erntet er wiederum Kritik. Ein Teufelskreislauf, in dem sich die Mutter weiter auf den Sohn fixiert und ihn verwöhnt. Diese Erwartungshaltung, dass sich alles um ihn und seine BedĂŒrfnisse drehen muss, ĂŒbertrĂ€gt der Junge auf die Außenwelt – und wird wĂŒtend, wenn die Außenwelt nicht entsprechend reagiert. Dabei liegt laut Bergmann in einer Vaterfigur, die StĂ€rke und Zuneigung verbindet, eine große Chance, das Kind fĂŒr die Außenwelt zu stĂ€rken. Auch fĂŒr den Schulerfolg - vor allem von Jungen - ist diese Mischung aus Zugewandtheit und Strenge („Dem kann man nicht auf der Nase rumtanzen!“) im Lehrerverhalten zentral, so Bergman - wichtiger als jedes Konzept.

Die Ursachen herausfinden?

Um die Ursachen fĂŒr das Verhalten der Kinder herauszufinden, sollten sich Eltern unter anderem folgende Fragen zu stellen:

  • Bekommt das Kind genug Liebe, Anerkennung und Förderung?
  • Stimmt der „Stresspegel“? Sind die Bezugspersonen unglĂŒcklich?
  • Stimmen die Erwartungen? Bei zu genauen Vorstellungen, wie ein Kind sein soll, sind EnttĂ€uschungen vorprogrammiert
  • In welcher Beziehung stehen Sie zum Kind? Betrachten Sie es zum Beispiel als Partner?
  • Welche Rolle nimmt der Vater in der Familie ein? Wie kommt es dazu?

Was Eltern tun können

Eltern wollen wissen, was sie tun können, um die Situation zu verbessern. Einige Tipps von Experten zusammengefasst:

  • Zeit nehmen, im Sinne von unverplanter Zeit, ohne Programmpunkte und Hektik
  • ein hohes Maß positiver Zuwendung; StĂ€rken betonen
  • aggressives oder anderes „negatives“ Verhalten niemals ignorieren, sein Missfallen - auch mit der Mimik - deutlich Ă€ußern ohne in endloses Schimpfen und Meckern zu verfallen
  • MitgefĂŒhl zeigen ("Puh, das sind wirklich viel Hausaufgaben!")
  • Machen Sie sich klar, dass ein Kind die Folgen seines Handelns nicht abschĂ€tzen kann. Deshalb treffen Eltern die Entscheidungen (zum Beispiel dĂŒnne oder dicke Kleidung), Kinder treffen höchstens „Unterentscheidungen“ (zum Beispiel die Farbe der Hose)
  • Eltern geben den Zeitrahmen vor, zum Beispiel fĂŒr Hausaufgaben oder Flöte ĂŒben. Macht ein Kind nicht mit oder verfĂ€llt ins Schimpfen, nicht ins „ZurĂŒck-Meckern“ verfallen. Gehen Sie aus der Situation (Raum verlassen) und sagen Sie dem Kind, dass der geplante Tagesablauf erst weitergehen kann, wenn es die Aufgabe erfĂŒllt hat
  • „Sternchen“ oder „Smileys“ fĂŒr erwĂŒnschtes Verhalten vergeben: Kleinkinder erhalten nach dem vierten Sternchen ein kleines Geschenk, das als Überraschung an der KĂŒchenlampe hĂ€ngt
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