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Wenn Kinder stehlen

Aktualisiert am 10.05.2012Lesedauer: 3 Min.
Wenn Kinder Geld oder Gegenst├Ąnde stehlen, stecken meist seelische Gr├╝nde dahinter.
Wenn Kinder Geld oder Gegenst├Ąnde stehlen, stecken meist seelische Gr├╝nde dahinter. (Quelle: /imago-images-bilder)
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Die Aufregung ist gro├č, wenn Eltern Gegenst├Ąnde oder Geld entdecken, deren Herkunft ihre Kinder nicht erkl├Ąren k├Ânnen. Schnell steht dann der Verdacht im Raum, der Nachwuchs h├Ątte geklaut. Wenn ein Kind nur ein- oder zweimal "stibitzt", braucht man keine Angst haben, dass es sp├Ąter kriminell wird. Die meisten Kinder stehlen irgendwann einmal, am h├Ąufigsten um den Schuleintritt herum und w├Ąhrend der Pubert├Ąt. Die Gr├╝nde daf├╝r sind vielf├Ąltig.

Begriff "Besitz" muss gelernt werden

In den ersten zwei Lebensjahren greift ein Kleinkind nach allem, was interessant erscheint. Mein und Dein kennt es noch nicht. Mit dem Gebrauch von eigenen Spielsachen entwickelt es dann eine Vorstellung von Besitz. Wenn es etwas Sch├Ânes sieht, m├Âchte es den Gegenstand besitzen und nimmt ihn impulsartig an sich. In diesem Alter lernen die Kleinen bereits, dass sie einem anderen Kind Spielzeug nicht einfach wegnehmen d├╝rfen, weil es sonst traurig wird. Dieses Verst├Ąndnis gilt aber nur f├╝r einen Moment. Erst ab dem vierten und f├╝nften Lebensjahr k├Ânnen Kinder mit der abstrakten Norm "Besitz" etwas anfangen und verinnerlichen sie. Sp├Ątestens im Grundschulalter sollten Eltern ihrem Nachwuchs deutlich machen, dass es Privateigentum gibt und dass man es nicht einfach wegnehmen darf.

Intellektueller Entwicklungsschritt

Auch wenn der Spr├Âssling diese moralische Komponente begriffen hat, kann es trotzdem sein, dass er sich an fremdem Besitz vergreift. Doch deshalb ger├Ąt ein Kind nicht gleich auf die schiefe Bahn, beruhigt Diplompsychologe Andreas Engel besorgte Eltern. Gegen├╝ber urbia.de sagt er: "Wenn ein Kind flunkert, klaut oder sich aus H├Âflichkeit verstellt, zeigt es damit, dass es einen wichtigen intellektuellen Entwicklungsschritt gemeistert hat." Der Experte wertet dieses Verhalten als intelligent: "Jemanden hinters Licht zu f├╝hren, selbst auf Nachfrage die Wahrheit leugnen und das Geheimnis bewahren, ist eine sehr differenzierte Leistung, die das Kind ab dem sp├Ąten Kindergartenalter ausprobiert und bis zum zehnten Lebensjahr perfektioniert", so Engel. In den meisten F├Ąllen geschehen Kinderdiebst├Ąhle in dieser entsprechenden Entwicklungsphase und gehen damit auch vor├╝ber.

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Diebstahl hat viele Beweggr├╝nde

Dennoch sollten Eltern das Verhalten des Spr├Âsslings in dieser Phase nicht einfach abnicken und dulden. Der Experte r├Ąt, das Kind zuerst ruhig und deutlich darauf hinzuweisen, dass Stehlen falsch ist und dann ├╝ber die Situation zu sprechen. Um die Handlungsweise des Nachwuchses zu verstehen, sei es wichtig zu kl├Ąren, was er genommen hat, wem er es gestohlen hat und was er mit dem "Diebesgut" gemacht hat. Daran lassen sich oftmals schon die Gr├╝nde f├╝r den Diebstahl erkennen. Vielleicht klaut das Kind Dinge, die unter Gleichaltrigen als Statussymbol gelten oder um Freunden seinen Mut zu beweisen. Dahinter stecke, so Andreas Engel, in beiden F├Ąllen der Wunsch dazuzugeh├Âren. Manchmal stehlen Kinder auch so auff├Ąllig, dass sie erwischt werden m├╝ssen. Hinter einem solchen Verhalten steckt m├Âglicherweise Rebellionsverhalten gegen die Eltern oder das Betteln um mehr Aufmerksamkeit.

Diplompsychologe Engel kennt noch mehr emotionale Gr├╝nde, die Kinder zum Klauen verleiten: "Wenn ein neues Geschwisterkind auf die Welt kommt, f├╝hlt sich das Erstgeborene oft zur├╝ckgesetzt und stiehlt zum Beispiel S├╝├čigkeiten, um sich selbst etwas Gutes zu tun. Damit zeigt es: 'Mir stehen auch Liebe und Aufmerksamkeit zu' und kompensiert den Mangel." Auch wenn Kinder sich heimlich Geld aus dem Portemonnaie der Eltern nehmen, gehe es selten um materielle Bed├╝rfnisse sondern um die Sehnsucht nach Zuwendung, so Andreas Engel: "Geld und Waren stehen in unserer Gesellschaft f├╝r das Gef├╝hl versorgt zu sein und Aufmerksamkeit zu bekommen."

Sensibler Umgang mit dem "Langfinger"

Ist ein Kind erstmal "erwischt" worden, sollte man zuerst behutsam mit dem Langfinger sprechen und gemeinsam das Problem besprechen, das hinter der Tat steckt. Das Klauen selbst wird dabei zur Nebensache. Dennoch sollte das Ganze Konsequenzen haben. Unkommentierte Strafen und Schimpfen sind dabei jedoch weniger sinnvoll, so der Diplompsychologe Engel: "Zeigen Sie Ihrem Kind eine konkrete M├Âglichkeit, seine Tat wieder gutzumachen und begleiten Sie es dabei. Es sollte die geklaute Sache zur├╝ckgeben oder ersetzen und sich entschuldigen." Eine solche "Gegen├╝berstellung" mit dem Bestohlenen hat oft den positiven Effekt , dass das Kind sich sch├Ąmt und so zur Gewissenbildung beigetragen wird. Diese "moralische Schulung" ist wahrscheinlich wesentlich heilsamer als eine simple Bestrafung des Kindes.

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