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Wenn das geliebte Haustier stirbt

dpa-tmn, Julia Kirchner, dpa

Aktualisiert am 18.11.2015Lesedauer: 4 Min.
Wenn das geliebte Haustier stirbt, kann ein Grab Kindern beim Trauen helfen.
Wenn das geliebte Haustier stirbt, kann ein Grab Kindern beim Trauen helfen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Stirbt das Haustier, ist die Trauer bei Kindern groß. Eltern fühlen sich in dieser Situation hilflos. Einfach ein neues Tier zu kaufen, ist aber keine Lösung. Besser ist es, Kindern ihre Gefühle zuzugestehen und gemeinsam mit ihnen zu trauern.

Tim und Hündin Nicky sind unzertrennlich. Der Labrador folgt dem Sechsjährigen auf Schritt und Tritt. Als das Tier plötzlich morgens nicht mehr aufstehen will, ahnen Tims Eltern das Schlimmste. Ein Besuch beim Tierarzt bringt die Gewissheit: Die Hündin muss eingeschläfert werden. Auf die Trauer, die Tim in den nächsten Tagen überkommt, waren die Eltern nicht vorbereitet.

Nichts beschönigen

Hilflos sehen sie zu, wie ihr Kind jeden Tag vor dem leeren Körbchen steht. Würde ihn ein neues Tier von seiner Trauer ablenken? Sollen sie den Hund im Garten bestatten? Wenn ein Haustier stirbt, stellen sich Eltern viele solcher Fragen. Psychologen raten, möglichst offen mit der Trauer umzugehen und nichts zu beschönigen.

Große Trauer auch um kleine Tiere

In jedem Fall sollten Eltern Kinder in ihrem Schmerz ernst nehmen. Das gilt auch, wenn ein kleines Tier gestorben ist. Denn die Beziehungsqualität zwischen Kind und Tier hat nichts mit dessen Größe zu tun oder der Bedeutung, die ihm Erwachsene beimessen: "Ein Kind kann auch um eine Maus trauern", sagt Andrea Beetz, die am Institut für Sonderpädagogik der Uni Rostock lehrt.

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Warum Haustiere für Kinder so wichtig sind

Die Verbindung zwischen Kindern und Tieren sei meist sehr eng. "Tiere werden wie Familienmitglieder oder Freunde behandelt", sagt Beetz. Studien hätten mittlerweile belegt, dass Kinder mit Tieren weniger gestresst sind, sich mehr zutrauen und auch leichter auf andere Kinder zugehen können. Stirbt das Tier, ist der Schock deshalb groß. Umso wichtiger ist dann die Reaktion von Mutter und Vater.

Den Tod nicht verheimlichen

"Auf keinen Fall sollten Eltern den Tod geheim halten", sagt Silke Haase, Psychotherapeutin in Berlin. Beispielsweise dann, wenn das Tier während der Schulzeit sterben würde. Manche Eltern kämen auch auf die Idee, schnell ein neues Tier in den Käfig zu setzen und darauf zu hoffen, dass der Unterschied nicht auffällt. "Besser ist es, wenn Kinder den ehrlichen Grund für den Tod des Tieres erfahren. Sie spüren ohnehin, wenn Eltern ihnen etwas verheimlichen."

Sollen Kinder beim Einschläfern dabei sein?

Stirbt das Tier überraschend, bleibt meist keine Chance, Kinder einzubinden. Anders sieht es aus, wenn das Tier schon länger leidet und der Tierarzt es einschläfern soll. Grundsätzlich könnten Kinder bei dieser Prozedur dabei sein. "Eltern sollten aber vorher abklären, ob die Kinder das wollen", rät Haase. Nach Erfahrung von Andrea Beetz können Kinder mit der Situation beim Tierarzt unterschiedlich gut umgehen.

"Wichtig ist auf jeden Fall, dass sie sich von dem Tier noch einmal verabschieden können, bevor es die Spritze bekommt." Wichtig sei, hinterher mit den Kindern über das Erlebte zu sprechen. Dabei ist auch die Wortwahl wichtig: "Mutter und Vater sollten nicht sagen 'Der schläft nur'", warnt Beetz. Denn vor allem kleine Kinder entwickelten dann Angst, selbst schlafen zu gehen und vielleicht nicht mehr aufzuwachen.

Schlimmer als der Tod eines Verwandten

Wie Kinder den Tod eines Haustieres verkraften können, ist auch Thema des Kinderbuches "Adieu, Herr Muffin". Der schwedische Autor Ulf Nilsson hat das Buch über das sterbende Meerschweinchen aus der Perspektive seiner Tochter geschrieben. "Der Tod eines Meerschweinchens kann für Kinder härter sein als der Tod eines Verwandten im Krankenhaus", schildert Nilsson. Ihm sei es in seiner Geschichte darum gegangen, Worte für die Trauer zu finden. "Wenn Kinder eine Sprache dafür haben, können sie besser mit der Situation umgehen."

Kinder brauchen Trauerrituale

Ganz gleich, auf welche Art und Weise das Haustier stirbt, wichtig sind für Kinder Trauerrituale. Dies kann ein Abschiedsbrief sein oder die eigene Decke, die mit ins Grab gelegt wird. Doch nicht nur Kinder trauern: Auch die Eltern schmerzt der Verlust des Haustieres. Zurückhalten sollten sie diese Emotionen nicht: "Eltern sollten den Kindern gegenüber zeigen, dass sie traurig sind", sagt Haase. Dadurch könnten sie ihre eigenen Gefühle besser einordnen.

Bloß kein "Ersatz-Tier" in den Käfig setzen

Zur Wiedergutmachung kaufen viele Eltern ein neues Haustier. Das sei aber genau das Falsche, sagt Haase: "Damit geht man einfach über die Trauer hinweg." Für Kinder sei es aber eine wichtige Erfahrung, dass manche Dinge unersetzbar sind. Wenn überhaupt, sollten Eltern erst dann ein neues Tier kaufen, wenn das Kind selbst diesen Wunsch äußert, rät Pädagogin Beetz.

Kinder trauern anders

So groß die Trauer am Anfang auch sein mag - nach einiger Zeit scheint sie bei Kindern wie weggeblasen zu sein. Dieser Eindruck könne aber auch täuschen: "Kinder trauern nicht an einem Stück, sondern eher sporadisch", sagt Haase. Nachfragen zum Tod könnten auch noch nach Monaten auftauchen, ergänzt Beetz. Dann sollten Eltern darauf eingehen und keine Bemerkungen wie "Das ist doch jetzt schon so lange her" machen.

Wo man Tiere bestatten darf

Unter bestimmten Voraussetzungen können Halter ihr totes Tier im eigenen Garten begraben. Das Tier darf nicht an einer Seuche gestorben sein und muss in mindestens 50 Zentimetern Tiefe vergraben werden. Der Ort darf nicht in einem Wasserschutzgebiet oder in der Nähe von öffentlichen Wegen liegen, erläutert die Tierschutzorganisation Vier Pfoten auf ihrer Homepage. Am besten erkundigen sich Besitzer beim zuständigen Ordnungsamt, da die Bestimmungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind.

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Von Claudia Zehrfeld
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