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Wenn das Elternsein in die Krise f├╝hrt

t-online, Nicola Wilbrand-Donzelli

Aktualisiert am 27.03.2015Lesedauer: 5 Min.
Kinder sind h├Ąufig eine gro├če Herausforderung f├╝r die Beziehung.
Kinder sind h├Ąufig eine gro├če Herausforderung f├╝r die Beziehung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Kinder bedeuten f├╝r viele Paare die Kr├Ânung ihres Gl├╝cks. Gleichzeitig kann das Familienleben zur gr├Â├čten Herausforderung werden. Die Rollen von Mann und Frau ver├Ąndern sich: Aus einem Liebespaar werden Eltern, aus Zweisamkeit wird "Mehrsamkeit". Doch so einfach diese Formel klingt, so schwierig ist sie im Alltag. Nicht wenige Beziehungen scheitern daran. Diese Tipps k├Ânnen helfen, damit es nicht so weit kommt.

"Das ist mir alles zu viel", mit diesen Worten verabschiedete sich Jan (Name ge├Ąndert) vor zwei Jahren, als er die Wohnung verlie├č, wo er bis dahin mit seiner Freundin Mira und der gemeinsamen Tochter wohnte. Der Familienalltag mit einem Kleinkind war dem jungen Vater ├╝ber den Kopf gewachsen, erz├Ąhlt die junge Mutter. Doch der Abschied kam in Raten: "Wir haben es ja versucht als frischgebackene Eltern. Jan hatte sogar sein Studium unterbrochen, um mehr Geld zu verdienen. Aber auch der Alltag mit der Kleinen war stressig. Immerzu schrie sie und an einen regelm├Ą├čigen Tages- oder Nachtrhythmus war nicht zu denken."

Die Folge waren Schlafmangel, Ersch├Âpfung und Desillusionierung: "So hatten wir uns das nicht vorgestellt", erinnert sich Mira. "Immer ├Âfter gab es Zoff, weil die Nerven blank lagen. Auch hatten wir keine Zeit mehr zu zweit. So begann Jan irgendwann abends mit Freunden um die H├Ąuser zu ziehen, fl├╝chtete sich in Ablenkungen. Ich blieb mit dem Kind zuhause und f├╝hlte mich v├Âllig im Stich gelassen." Nach einem Jahr zog Tim dann aus. Ein Paar sind er und Mira nicht mehr, aber er sieht seine kleine Tochter regelm├Ą├čig. "Ich glaube, wenn wir kein Baby bekommen h├Ątten, w├Ąren wir vielleicht heute noch zusammen. Eigentlich waren wir mal ein super Team", so das nachdenkliche Res├╝mee der jungen Mutter.

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Kinder sind eine Feuerprobe f├╝r die Beziehung

Dass solche Erfahrungen keine Seltenheit sind, spiegelt sich auch in statistischen Zahlen wider. Bei etwa der H├Ąlfte aller Scheidungen haben die Paare laut Statistischem Bundesamt minderj├Ąhrige Kinder. 40 Prozent dieser Trennungen finden bereits im ersten Jahr nach der Geburt des ersten Kindes statt. Ohne Trauschein ist das Trennungsrisiko wahrscheinlich noch h├Âher. Doch woran liegt das?

Diplomp├Ądagogin und Paar- und Familientherapeutin Susanne K├╝hn-Heinrich sieht als einen Grund f├╝r solche Krisen, dass die Eltern h├Ąufig nicht genug darauf vorbereitet seien, was Elternschaft ├╝berhaupt bedeute. Gegen├╝ber der Eltern-Redaktion von t-online.de sagt sie: "Bevor ein Paar zu Vater und Mutter wird, ist ihm oft nicht klar, dass ein Kind das Leben v├Âllig umkrempelt und die Umstellung sehr anstrengend ist. Ein Kind ist eine Sollbruchstelle, eine echte Feuerprobe in der Beziehung." Denn wenn ein schreiendes 53-Zentimeter-Wesen das Licht der Welt erblickt, ist nichts mehr, wie es war: Schlaflose N├Ąchte, M├╝digkeit, keine Spontanbesuche im Restaurant und keine romantischen Spritztouren mehr in eine angesagte Metropole. "Die Ern├╝chterung ist nach der Geburt enorm", so Susanne K├╝hn-Heinrich. "Jeder versucht zwar sein Bestes, aber es scheint nicht zu reichen. Da keine Entspannung aufkommt, gelingt es auch nicht sich gegenseitig zu umwerben, wie in der ersten Zeit des Verliebtseins."

Eltern bauen sich eine "Unverwundbarkeitsillusion" auf

Dieser Umbruch trifft die junge Elterngeneration von heute besonders hart, die mehr als etwa fr├╝here Generationen auf der Suche nach Maximierung ihres individuellen Gl├╝cks ist und gro├če Freiheit und Unabh├Ąngigkeit gew├Âhnt ist. Die Professorin am Institut f├╝r P├Ądagogische Psychologie und Soziologie in Ludwigsburg, Dr. Barbara Reichle, erforscht seit Jahren den ├ťbergang von Paaren in die Elternschaft und bietet dazu auch als Vorbereitung auf den neuen Lebensabschnitt das Programm "Elternstart" an.

Die Psychologin hat dabei die Erfahrung gemacht, dass sich viele Paare im Vorfeld eine "Unverwundbarkeitsillusion" aufbauten, damit sie sich ├╝berhaupt trauten, eine Familie zu gr├╝nden. Viele angehende Elternpaare betrachteten die Dinge deshalb gerne durch eine rosarote Brille, sagte sie gegen├╝ber "Brigitte", und stellten sich ihre Zukunft weitgehend unbeeinflusst vom Kind vor, au├čer dass ein liebevoll ausgestattetes Kinderzimmer und ein schicker Kinderwagen angeschafft w├╝rden. Das perfekte Scheinbild sei eines, in dem sich trotz der Kinder so wenig wie m├Âglich ├Ąndere.

Er arbeitet, sie k├╝mmert sich um die Kinder

Schwer wiegt auch die Umstellung des beruflichen Werdegangs, von der vor allem die Frauen betroffen sind. Laut des Familienreports 2010 fanden es ├╝ber 60 Prozent der M├Ąnner ideal, wenn die Frau in den ersten Kinderjahren beruflich zur├╝cksteckt. Das fanden aber nur rund 37 Prozent der Frauen. Sie w├╝nschten sich Familiengl├╝ck und ein erf├╝lltes Berufsleben. Eine Statistik, die Konfliktpotenzial enth├Ąlt. So schlittern immer noch viele eher aus pragmatischen Erw├Ągungen als aus ├ťberzeugung in das klassische Familienmodell: Er arbeitet, weil er mehr verdient und sie k├╝mmert sich um den Haushalt und den Nachwuchs, verzichtet auf ihren Job. Frust, Entt├Ąuschung aber auch ├ängste, den Belastungen nicht gewachsen zu sein, sind auf beiden Seiten dann h├Ąufig die Folge.

Kommunikation und Z├Ąrtlichkeit bleiben auf der Stecke

├ähnlich erging es auch Rebecca (Name ge├Ąndert) und Martin. Als der Nachwuchs da war, wurde der Bankkaufmann zum Alleinverdiener und seine Frau konzentrierte sich in den ersten Jahren voll und ganz auf den h├Ąuslichen Bereich. "Da ich in dieser Zeit finanziell alles alleine schultern musste und an meiner Karriere arbeitete", berichtet Martin, "war ich nicht viel zuhause. Meine Frau managte zwar alles perfekt, aber sie war unzufrieden mit der Situation, f├╝hlte sich nicht genug gew├╝rdigt, mit dem was sie leistete. Ich konnte ja au├čerdem nicht viel helfen und war todm├╝de, wenn ich abends sp├Ąt nach Hause kam."

Mit der Zeit hatte Martin das Gef├╝hl nur noch das f├╝nfte Rad am Wagen zu sein. "Meine Frau fixierte sich voll und ganz auf die Kinder. Mittlerweile war das zweite auch da. Und irgendwie waren wie beide so eingebunden, dass wir nur noch wenig Zeit hatten, uns auszutauschen. Der Gro├čteil unserer Kommunikation diente dann dazu, den reibungslosen Alltag zu organisieren. Das endete h├Ąufig im Streit. Und irgendwie entfernten wir uns immer mehr voneinander."

V├Ąter f├╝hlen sich ausgegrenzt

Auch Familienexpertin K├╝hn-Heinrich kennt solche F├Ąlle. Wenn die Mutter den ganzen Tag mit dem Kind verbringe, werde es nicht selten statt des Partners zum engen Vertrauten und der Vater gerate so in den Hintergrund. Alle Aufmerksamkeit geh├Âre dann dem Nachwuchs. "Es ist aber nicht so", erl├Ąutert die Therapeutin, "dass nur die Frauen ihr Kind auf einen Thron heben. Auch die M├Ąnner tun das. Die klassischen Hierarchien werden so ausgehebelt. Vater und Mutter tanzen dann um ihr Kind, wie um das goldene Kalb und sehen dabei allzu h├Ąufig ihre Paarbeziehung nicht mehr."

Durch diese verzerrte Orientierung und die Spannung, die sich durch die Lebenssituation aufbaut, kann oftmals konfliktfreie Kommunikation nicht mehr stattfinden. "Man spricht dann irgendwann nicht mehr ├╝ber seine Gedanken und Tr├Ąume. Das ist ein Teufelskreis. Denn je weniger man sich dem anderen mitteilt, desto kleiner werden die gemeinsamen Schnittmengen", so Susanne K├╝hn-Heinrich.

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Auf diese Weise kommt es zur Entfremdung, die auch Martin mit seiner Frau erlebte. Sie fanden nach jahrelanger "Sprachlosigkeit" keinen Zugang mehr zueinander, so dass das Paar sich auch k├Ârperlich immer seltener nahe kam. Martin zog sich zur├╝ck, f├╝hlte in seiner M├Ąnnlichkeit nicht best├Ątigt und als Besch├╝tzer der Familie nicht gebraucht. Er fl├╝chtete sich in seine Arbeit und lernte schlie├člich irgendwann eine andere Frau kennen, verliebte sich neu. "Eigentlich war Rebecca meine gro├če Liebe", erinnert er sich " aber wir haben uns wohl gegenseitig verloren - zerschlissen am Familienalltag."

Damit es so weit nicht kommt und eine Beziehung wegen der Kinder zerbricht, k├Ânnen V├Ąter und M├╝tter einiges tun. Hier sind hilfreiche Verhaltenstipps.

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