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Remo Largo ist tot: Der Erziehungspapst starb im Alter von 76 Jahren

"Kinder dürfen rumhängen"  

Erziehungspapst Remo Largo ist gestorben

13.11.2020, 17:15 Uhr | dpa

Remo Largo ist tot: Der Erziehungspapst starb im Alter von 76 Jahren. Remo H. Largo (1943–2020): Der Schweizer war Kinderarzt und Autor von Sachbüchern. (Quelle: dpa/Gaetan Bally/Keystone)

Remo H. Largo (1943–2020): Der Schweizer war Kinderarzt und Autor von Sachbüchern. (Quelle: Gaetan Bally/Keystone/dpa)

"Der Remo" – wenn ein Autor nur beim Vornamen genannt wird, gehört er praktisch zur Familie. So war es bei Remo Largo, der Millionen Eltern in aller Welt Gelassenheit predigte. Jetzt ist der Kinderarzt gestorben.

Seine Bücher heißen "Babyjahre" (1993), "Kinderjahre", "Schülerjahre", "Jugendjahre" oder "Glückliche Scheidungskinder" und wurden Bestseller. Als Standardwerke zur kindlichen Entwicklung sind sie in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. Und bis heute für Millionen Eltern in aller Welt hilfreich während der Erziehung.

Jetzt ist der Autor, der bekannte Schweizer Erziehungsratgeber Remo H. Largo, tot. Er starb bereits am 11. November im Alter von 76 Jahren, wie der Piper Verlag am Freitag in München mitteilte.

Bleibt entspannt, sagte Largo den Eltern

Wann ein Kind sitzen, sprechen oder durchschlafen muss? Bleibt entspannt, sagte Largo den Eltern: Jedes Kind sei anders, wie früh oder spät der nächste Entwicklungsschritt komme, sei unerheblich. Baby hat Fieber? Bleibt gelassen, so Largo, das kommt immer mal vor.

"Wenn sich jedes Kind nach seinen individuellen Bedürfnissen und Begabungen entwickeln kann, hat auch die Gesellschaft am meisten davon", sagte er im vergangenen Jahr dem Schweizer Sender SRF. Er lehnte "Förderwut", strikte Stundenpläne und Leistungsdruck ab. Das verdeutlichte er gerne mit einem afrikanischen Sprichwort: "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht."

Leistungsdruck ist gefährlich für Kinder

Die gesunde Entwicklung der Kinder sah er aber zunehmend in Gefahr und wurde darüber zum Gesellschaftskritiker. Die Leistungsgesellschaft, die Gefahr der Vereinsamung in der Massengesellschaft – für Largo war das alles Gift für Kinder. Er fürchtete, dass die Menschen in immer engere Bahnen gedrängt und den Bedürfnissen der Wirtschaft untergeordnet werden.

"Wenn es ein Wunschkind wird, führt das dazu, dass man hohe Erwartungen hat", sagte Largo. "Ich habe manchmal das Gefühl, ein durchschnittliches Kind langt nicht mehr, es muss mehr als das sein." Aber die Rechnung "je mehr Input ich meinem Kind biete, desto mehr Output" gehe nicht auf.

Die individuellen Bedürfnisse und Stärken der Kinder würden zu wenig berücksichtigt. Dabei müssten die Kleinen altersgerecht auch mal sich selbst überlassen sein, allein im Wald spielen oder ohne Aufsicht und Termine mit Nachbarskindern rumhängen. "Ein Kind muss mit anderen Kindern zusammensein", sagte Largo. "Sie werden nur so sozialkompetent."

"Ein wahrer Humanist"

Die Familie – Largos Frau, drei Töchter und neun Enkel – würdigte ihn in ihrer Todesanzeige am Freitag so: "Ein wahrer Humanist – menschlich, fürsorglich, warmherzig, mitfühlend, feinfühlig, achtsam, sanft, kümmernd, hilfsbereit, tröstend, präsent, wach, offen, wissend, interessiert, wissensdurstig, engagiert, beharrlich, inspirierend, begeisterungsfähig, umsichtig, humorvoll, zuvorkommend, geduldig, verzeihend, beratend, demütig und bis zum Ende würdevoll."

Largo studierte Medizin an der Universität Zürich und der Entwicklungspädiatrie an der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Er wurde Kinderarzt und leitete fast 30 Jahre die Abteilung für Wachstum und Entwicklung am Kinderkrankenhaus Zürich. Dort wurden seit den 50er Jahren Entwicklungsdaten von mehr als 700 Kindern erfasst. Largo setzte diese Untersuchungen fort und wurde mit diesen Langzeitstudien ein weltweit angesehener Akademiker.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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