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Mit TV-Team geplante Kindesentführung endet im Desaster

Von dpa, afp, t-online, ap
Aktualisiert am 22.04.2016Lesedauer: 3 Min.
Kindesentführung: Reporterin Tara Brown und ihr Kollege Stephen Rice vom australischen Sender Channel Nine waren im Libanon wegen der Verwicklung in eine Kindesentführung zwei Wochen im Gefängnis.
Reporterin Tara Brown und ihr Kollege Stephen Rice vom australischen Sender Channel Nine waren im Libanon wegen der Verwicklung in eine Kindesentführung zwei Wochen im Gefängnis. (Quelle: EPA/Dean Lewins Australia and New Zealand/dpa-bilder)
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Wer hat hier wen entführt? Ein Fall von Kindesentzug mit einer zwielichtigen und dramatisch gescheiterten "Befreiuungsaktion" sorgt in Australien für Wirbel. In dem Familiendrama spielt ein TV-Sender eine unrühmliche Rolle. Er soll Geld dafür gezahlt haben, zwei Kleinkinder aus dem Libanon nach Australien

Die Vorgeschichte: Die Australierin Sally Faulkner und ihr aus dem Libanon stammender Ehemann Ali al-Amin haben zwei gemeinsame Kinder: Lahala (6) und Noah (4). Es kam zur Trennung und die Kinder blieben bei der Mutter, die nach australischen Medienberichten das Sorgerecht für sie hat. Das Paar ließ sich aber nicht scheiden.

Sally Faulkner ging eine neue Beziehung ein und bekam ein Baby mit dem neuen Partner. Das missbilligte Ehemann Al-Amin und brachte Lahala und Noah im Mai 2015 unter dem Vorwand einer Urlaubsreise in den Libanon. Dort leben sie seitdem in seiner Obhut - ein typischer Fall von Kindesentzug ins Ausland.

Profis für Entführung der Kinder angeheuert

Statt auf legalem Weg für die Rückkehr ihrer Kinder zu kämpfen, reiste Faulkner mit einem Team des Fernsehsenders Channel Nine in den Libanon, darunter die in Australien prominente Moderatorin Tara Brown. Sie wollten die Kinder aufspüren und zurückholen. Dazu wurde eine Firma angeheuert, die sich auf die Rückführung von Kindern spezialisiert hat.

Der Versuch, die Kinder auf der Straße vor laufender Kamera ihrer Oma zu entreißen, scheiterte aber. Die Großmutter, die die Kinder gerade zum Bus bringen wollte, soll dabei niedergeschlagen worden sein.

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Wegen Kindesentführung verhaftet

Einen Tag später entdeckte die Polizei Mutter und Kinder in einer Wohnung und übergab die Kinder dem Vater. Die Ortung von Faulkners Mobiltelefon hatte die Ermittler auf die richtige Spur gebracht. Sie hatte ihren Mann angerufen und wissen lassen, dass sie im Libanon sei und die Kinder bei sich habe.

Faulkner und die vier Reporter wurden am 7. April wegen Kindesentführung verhaftet, ebenso zwei Briten und zwei Libanesen, die vermutlich an der Ausführung des Plans beteiligt waren. Medienberichten zu Folge seien für die Anklagepunkte Haftstrafen zwischen drei und zehn Jahren möglich.

Nach zwei Wochen durften Faulkner und das TV-Team das Gefängnis am 20. April verlassen, nachdem Faulkners Ehemann seine Anzeige wegen Kindesentführung zurückgezogen hatte. Das erklärte Ermittlungsrichter Rami Abdallah. Die fünf Australier seien gegen Zahlung einer Kaution frei gekommen könnten aber noch in Abwesenheit verurteilt werden.

TV-Sender soll halbe Millionen Dollar für Freilassung gezahlt haben

Pikant ist die Rolle des TV-Senders Channel Nine, der sowohl Geld für die angezettelte Entführung als auch für die Freilassung von seinen Mitarbeitern und Sally Faulkner gezahlt haben soll. Australische Nachrichtenportale veröffentlichten ein Dokument, das belegen soll, dass der Sender der von Faulkner engagierten Firma umgerechnet fast 50.000 Euro bezahlt hat. Weiter hieß es, der Sender habe dem Vater Ali al-Amin eine halbe Million US-Dollar gezahlt, damit er die Anzeige gegen die Reporter fallen lässt. Er bestritt das in einem Radiointerview allerdings.

Er beteuerte, er habe die Vorwürfe gegen seine getrennt lebende Frau zurückgezogen, weil er nicht wolle, dass seine Kinder denken, er habe ihre Mutter ins Gefängnis gebracht.

Auch in Australien droht Mutter und TV-Team jetzt Ärger

Australiens Regierungschef Malcolm Turnbull bezeichnete das Verhalten der TV-Crew in einem in einem Radio-Interview als "sehr unklug". Zu den angeblichen Zahlungen sagte er: "Das dürfte zweifellos verschiedene Behörden interessieren. Wer in einem anderen Land Gesetze bricht, hat meist auch australische Gesetze gebrochen."

Nach dem Verlassen des Frauengefängnisses sagte Faulkner, sie sei froh, dass sie nun frei sei. Laut ihrer Anwältin bedauere sie die Tat. Für Lahala und Noah soll nun der Vater nach libanesischem Gesetz das Sorgerecht bekommen. Einige australische und britische Medien berichten, dass Faulkners Verzicht auf das Sorgerecht eine Bedingung für al-Amins Rückzug der Anzeige gewesen sein soll.

Nach ihrer Freilassung durfte die Mutter einen Nachmittag mit ihren Kindern verbringen. Der Vater soll eingeräumt haben, dass sie die beiden in Zukunft nach Belieben besuchen dürfe. Er wolle den Kindern nicht den Kontakt zur Mutter verwehren.

Sorgerecht leichtsinnig verspielt

Sally Faulkner will nun so schnell wie möglich anch Australien zu ihrem drei Monate alten Baby und ihrem neuen Partner zurückkehren. Der hohe Preis für den Entführungsversuch ist der Verlust des Sorgerechts für Lahala und Noah.

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