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Ratgeber-Artikel

FĂŒr diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfĂ€ltig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Richtiges Verhalten bei einem Wildschweinangriff

  • Jennifer Buchholz
Von Jennifer Buchholz

Aktualisiert am 22.05.2022Lesedauer: 5 Min.
Das Risiko einem Wildschweinkeiler im Wald zu begegnen ist sehr gering: Normalerweise meiden sie Menschen sehr weitrÀumig.
Das Risiko einem Wildschweinkeiler im Wald zu begegnen ist sehr gering: Normalerweise meiden sie Menschen sehr weitrÀumig. (Quelle: VladyslavDanilin/getty-images-bilder)
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Sie wandern mit einem Freund durch den Wald. Plötzlich taucht ein Wildschwein auf, den Kopf gesenkt, die Borsten aufgestellt. Es sprintet auf Sie zu, rammt Sie, reißt Ihnen eine Wunde ins Bein, rennt auch Ihren Freund um und verschwindet. Kann das wirklich passieren?

Das Wichtigste im Überblick


Die Meldung von Wildschweinen, die Wanderer im Wald angreifen, gibt es hin und wieder. Meist aber nur im FrĂŒhjahr zwischen MĂ€rz und Mai, wenn Bachen (weibliche Wildschweine) ihren Nachwuchs bekommen haben und im Winter, wenn die Keiler auf Paarungssuche sind.


Wildschweine

Ein Wildschweinrudel mit Bache und Frischlingen ist friedlich und scheu. Doch fĂŒhlt die Bache sich oder den Nachwuchs bedroht, kann es schnell ernst werden.
Bitte nicht anfassen: Frischlinge sehen sĂŒĂŸ aus, doch will man sie streicheln, beginnen sie aus Angst zu quieken – die Mutter wird in Sekundenschnelle zur Verteidigung auftauchen.
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Schnelle 150 Kilogramm

Wildschweine sind beeindruckende Waldbewohner: Die MĂ€nnchen haben eine Schulterhöhe von bis zu 1,10 Meter. Sie können bis zu 150 Kilogramm schwer werden. Bachen wiegen die HĂ€lfte. Trotz ihres Gewichts können Wildschweine sehr schnell laufen, wenn sie sich bedroht fĂŒhlen. Die Keiler haben bis zu 20 Zentimeter lange, hervorstehende EckzĂ€hne. Mit ihnen und ihrem starken Unterkiefer verteidigen sich die Tiere, wenn es notgedrungen zu einem Kampf kommt.

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Wildschweine greifen jedoch nicht ohne Grund an. Vor allem nicht Menschen, da sie fĂŒr die Wildtiere weder Beute noch Futterkonkurrenten sind.

Wann die Gefahr am grĂ¶ĂŸten ist

Wildschweine haben laut JĂ€ger und Förster Manfred Eckhardt eine natĂŒrliche Scheu vor Menschen. SpaziergĂ€nger und Wanderer begegnen ihnen daher selten. Sobald die Tiere Menschen hören oder riechen, ergreifen sie die Flucht oder halten ausreichenden Abstand. Von diesen Waldbewohnern geht in der Regel keine Gefahr aus. Es gibt jedoch zwei Ausnahmen.

In der Regel ab Februar, mittlerweile aber aufgrund der guten Lebensbedingungen und milden Winter, bekommen die Bachen oft ĂŒber das ganze Jahr hinweg ihren Nachwuchs (Frischlinge). In den ersten Tagen sind die Frischlinge noch hilflos und können bei Gefahr nicht fliehen. Wird dann abseits der Wege versehentlich eine Rotte (Verband mehrerer Wildschweine) aufgescheucht, können die Tiere aggressiv reagieren und wollen ihre Jungen verteidigen. Die Bache reagiert in dieser Situation unter anderem mit Fauchen und DrohgebĂ€rden. Ein Angriff ist durchaus möglich.

Achtung
Wenn Sie Frischlinge sehen, meiden Sie jeglichen Kontakt und kehren Sie um. Es kann passieren, dass das Muttertier Ihre AnnÀherung als Gefahrensituation einschÀtzt.

DarĂŒber hinaus ist es gefĂ€hrlich, einem verletzten Keiler, der beispielsweise von einem Auto angefahren oder einem JĂ€ger angeschossen wurde, zu begegnen. Kommen Sie ihm zu nahe, kann die Situation eskalieren und er könnte einen Angriff mit fatalen Folgen starten, sagt Förster Eckhardt.

Das richtige Verhalten im Ernstfall

Begegnen Sie einem Wildschwein oder rennt es auf Sie zu, bleiben Sie ruhig. NÀhern Sie sich dem Tier nicht. Vermeiden Sie hektische Bewegungen. Sie können, genau wie Versuche, das Tier zu verscheuchen, als Bedrohung interpretiert werden. Ausweichmanöver und panisches Wegrennen können Wildschweine ebenfalls zu einem Angriff animieren.

Gehen Sie stattdessen langsam und ruhig rĂŒckwĂ€rts. Versuchen Sie, wieder eine sichere Distanz herzustellen. Das Wildschwein braucht genĂŒgend Abstand, um die Situation nicht mehr als Gefahr anzusehen und sich selbst in Ruhe zurĂŒckziehen zu können. Reden Sie wĂ€hrenddessen beruhigend auf das Wildschwein ein und versuchen Sie, jeglichen Stress fĂŒr das Tier zu vermeiden.

Stehen Sie einem Wildschwein nicht im Weg und versperren Sie ihm auch seine Fluchtwege nicht – beispielsweise entlang von Gattern, ZĂ€unen und Schluchten. So verringern Sie die Chance, von dem Tier umgerannt oder angegriffen zu werden.

Hunde ruhig halten

Wenn Sie einen Hund dabei haben, sollten Sie ihn sofort zurĂŒckrufen, sobald Sie ein Wildschwein entdeckt haben. Leinen Sie ihn dann umgehend an und versuchen Sie, ihn ruhig und nahe bei sich zu halten. Leckerlies können ebenfalls dazu beitragen, dass der Hund ruhiger wird. Denn ein aufgebrachter und lauter Hund wird von Wildschweinen hĂ€ufig als Angreifer gesehen. Kommt es doch zur Konfrontation, gehen Sie nicht dazwischen. Oft können die Vierbeiner schnell rennen und – im Gegensatz zu Wildschweinen – Haken schlagen und so bei einem Angriff ausweichen. Keiler und Bachen laufen hingegen mit einem hohen Tempo geradeaus.

FĂŒttern von Wildschweinen verboten

Laut Eckhardt sind Wildschweine friedlich. Die Waldbewohner scheuen Auseinandersetzungen, da sie sich weder selbst in Gefahr bringen noch verletzen wollen. Flucht ist der Regelfall. Konflikte mit der Folge eines Angriffs gibt es meist nur dort, wo die Tiere an Menschen gewöhnt sind oder wo sie gefĂŒttert werden, erklĂ€rt der Förster Eckhardt. Das Nahrungsangebot durch den Menschen hemmt die natĂŒrliche Scheu der Wildschweine. Sie sind daher immer hĂ€ufiger auch in StĂ€dten anzutreffen.

WĂ€hrend ihrer Nahrungssuche in bewohnten Gegenden richten Wildschweine teilweise große SchĂ€den an. Um das zu vermeiden, sollten Sie Nahrungsreste, die im Freien gelagert werden, stets gut verschlossen aufbewahren. Befestigen Sie beispielsweise Ihre Biotonne entsprechend und sorgen Sie dafĂŒr, dass sie nicht geöffnet werden kann. Werfen Sie zudem keine Nahrungsmittel wie verdorbene Obstreste, altes Brot oder Speisereste auf Ihren Kompost. Das kann ebenfalls Wildschweine anlocken.

Nacht und DĂ€mmerung meiden

Am ehesten können Sie einem Wildschwein begegnen, wenn Sie in der DĂ€mmerung oder nachts allein und still ab vom Weg durch den Wald laufen. In dichten Unterwucherungen sowie im Fichten- und Schilfdickicht haben Wildschweine ihre Schlaf- und WohnstĂ€tten und rechnen am wenigsten mit Menschen. Überraschen Sie sie, kann ihre Panik unter UmstĂ€nden einen Angriff verursachen. Wahrscheinlicher ist es allerdings, dass sie schon vorher die Flucht ergreifen, wenn Menschen sich nĂ€hern. DarĂŒber hinaus werden Wildschweinrotten hĂ€ufig von erfahrenen Bachen angefĂŒhrt, die jeder Art von Konflikten vorausschauend aus dem Weg gehen. Darauf verlassen sollten Sie sich jedoch laut dem Förster nicht.

Kontakt mit Wildschweinen minimieren

Minimieren Sie Ihr Risiko, indem Sie beim Wandern auf den beschilderten Wegen bleiben. Die vorhandenen Pfade riechen so intensiv nach Menschen, dass Wildschweine sie mit ausreichendem Abstand meiden.

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DarĂŒber hinaus sollten Sie sich gut hörbar unterhalten. Sind Sie allein unterwegs, können Sie laut SelbstgesprĂ€che fĂŒhren oder singen. So verscheuchen Sie die Tiere frĂŒhzeitig.

Wildschweine
Bache und Frischlinge: Weibliche Wildschweine verteidigen ihren Nachwuchs und können daher gefÀhrlich werden. (Quelle: Martin Wagner/imago-images-bilder)

Wie sich Autofahrer richtig verhalten

FĂŒr Autofahrer kann die Begegnung mit einem Wildschwein allerdings schnell tödlich ausgehen. In der dunklen und kalten Jahreszeit ĂŒberqueren die Tiere bei DĂ€mmerung hĂ€ufig Bundes- und Landstraßen. Sieht der Autofahrer das Wildschwein nicht rechtzeitig, kann er oft nicht mehr abbremsen und stĂ¶ĂŸt mit dem Wildschwein zusammen. Diese WildunfĂ€lle sind hĂ€ufig sehr schwer und können auch tödlich ausgehen.

Fahren Sie in der kalten Jahreszeit in der DĂ€mmerung vorsichtig und langsam auf Straßen durch WĂ€lder, Felder sowie Bundesstraßen. Gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h, können Sie bei den entsprechenden Witterungsbedingungen auch 60 km/h fahren. Das reduziert Ihr Unfallrisiko.

Kommt es trotz Ihrer vorausschauenden Fahrweise zu einem Wildtierunfall, sollten Sie das Auto nicht verlassen. Verletzte Wildschweine können sehr aggressiv sein und Sie dann angreifen. Bleiben Sie in Ihrem Auto und informieren Sie umgehend die Polizei. Diese wird zusammen mit einem erfahrenen JÀger eintreffen, der mit seinem Hund nach dem verletzten Tier sucht.

Beim Camping Vorsichtsmaßnahmen treffen

Auch Camper können sowohl wĂ€hrend der DĂ€mmerung als auch tagsĂŒber und in der Nacht von Wildschweinen ĂŒberrascht werden. Bei ihrer Nahrungssuche riechen die Tiere die Lebensmittel der Camper und gehen zu den Quellen – auch wenn sie den Menschengeruch ebenfalls wahrnehmen.

Achtung
HĂ€ufig besteht die Gefahr einem Wildschwein beim Zelten zu begegnen nur, wenn Sie wild campen. Das ist allerdings strengstens verboten. Auf ausgewiesenen ZeltplĂ€tzen sind oftmals Sicherheitsmaßnahmen gegen Wildtiere vorhanden. Dennoch kann es vorkommen, dass sich ein Tier auf Nahrungssuche hierher verirrt.

Um einen Besuch von Wildschweinen und anderen Waldtieren zu vermeiden, sollten Sie alle Lebensmittel sowie Lebensmittelreste in BĂ€ume hĂ€ngen – mindestens zwei Meter ĂŒber dem Boden sind zu empfehlen. Kommen Ihnen dennoch Wildschweine beim Campen nahe, brauchen Sie keine Angst zu haben, beruhigt Eckhardt. Den Tieren gehe es nur um die Nahrung und nicht um einen Angriff. Er rĂ€t Campern, ruhig im Zelt zu verharren, bis die Wildschweine wieder weg sind.

Auch wenn Wildtiere Angst vor Feuer haben und Sie sich deswegen von einem Lagerfeuer Schutz erhoffen: Lagerfeuer sind nur auf ausgewiesenen PlÀtzen erlaubt. Zwischen dem 1. MÀrz und dem 31. Oktober herrscht im Wald ein striktes Verbot von Rauch und offenem Feuer.

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