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Glasflasche oder Plastikflasche: Was ist eigentlich umweltfreundlicher?


Blick aufs Pfandsystem
Einweg- oder Mehrwegflaschen: Was ist umweltfreundlicher?

Von t-online, sms

Aktualisiert am 25.10.2023Lesedauer: 4 Min.
Die Debatte um Glas oder Plastik zieht sich nicht nur durch Getränkeflaschen.Vergrößern des BildesGlas oder Plastik? Viele fragen sich, was besser für Umwelt und Gesundheit ist. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Ist die Flasche, aus der sie trinken, wirklich umweltfreundlich oder wirkt es nur so? Das fragen sich viele mit Blick auf Einweg- oder Mehrwegflaschen.

Wer Leergut zurückbringt, tut das oft mit dem guten Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun. Falsch ist das nicht – aber der Hinweis "Pfandflasche" allein sagt über die Umweltbilanz einer Wasser- oder Limoflasche noch nicht allzu viel aus.

Pfandlogo: Zeichen für Einwegflaschen.
Pfandlogo: Zeichen für Einwegflaschen. (Quelle: Eulalia Cayuela Martinez/getty-images-bilder)

Wie unterscheiden Sie Einweg- und Mehrwegflaschen?

Dazu gibt es einige wichtige Merkmale: Mehrwegflaschen haben beispielsweise keine einheitliche Kennzeichnung, während Einwegbehälter ein Pfandlogo aufweisen.

Bei Mehrwegflaschen ist das Pfand meist unterschiedlich hoch – in der Regel 8 oder 15 Cent, Einwegverpackungen kosten 25 Cent Pfand.

Wie hoch ist der Mehrweg-Anteil in Deutschland?

1991 lag der Mehrweg-Anteil bei Getränken noch bei 93 Prozent, 2016 nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) nur noch bei 44,2 Prozent. Davon landeten 42,8 Prozent in Mehrwegflaschen, 1,4 Prozent in ökologisch vorteilhaften Einwegverpackungen, also Getränkekartons und bestimmten Beuteln.

Zurzeit liegt die Quote laut der Deutschen Umwelthilfe bei rund 43 Prozent – sie ist also nicht deutlich gesunken, aber auch nicht wieder angestiegen. Seit 1991 hat sich der Anteil somit mehr als halbiert.

Dabei heißt es im Verpackungsgesetz (VerpackG2; gültig seit 16.05.2023), der Anteil der Mehrwegflaschen solle gestärkt werden. "Ziel ist es, einen Anteil von in Mehrweggetränkeverpackungen abgefüllten Getränken in Höhe von mindestens 70 Prozent zu erreichen", heißt es im dritten Abschnitt §1 des Gesetzes.

Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert vor allem Discounter wie Lidl und Aldi, die den deutschen Getränkemarkt mit Einweg-Plastikflaschen versorgen. Pro Jahr werden demnach 16,4 Milliarden Einwegflaschen deutschlandweit verbraucht, der Verkauf von Getränkedosen sei auf 4,5 Milliarden angestiegen.

Warum sinkt der Mehrweg-Anteil?

Mit Einwegflaschen lässt sich Geld machen. Die Flaschen aus dem Kunststoff Polyethylenterephthalat (kurz: PET) lassen sich als sortenreines Plastik gut weiterverkaufen, zur Produktion neuer Flaschen, oftmals aber auch für die Polyester-Produktion.

Viele Händler setzen auf Einweg, weil das logistisch einfacher ist. PET-Flaschen sind deutlich leichter und lassen sich daher in größeren Mengen transportieren und lagern.

Was tut die Politik?

Bereits 2003 hat die Bundesregierung das Pflichtpfand von 25 Cent auf bestimmte Getränke und deren Verpackungen eingeführt. Dazu gehörten bereits damals beispielsweise Bier, Mineralwasser und Erfrischungsgetränke.

Seit 2022 sind alle Getränke pfandpflichtig, die in Einwegplastikflaschen oder Einwegdosen verkauft werden. Dazu gehören seither auch Säfte und Schaumwein. Milch und Milchgetränke hingegen fallen erst ab 2024 unter diese Pfandpflicht.

Die Umweltfrage: Mehrweg oder Einweg?

Verbraucher sind oftmals verunsichert: Schaden Plastikflaschen der Umwelt mehr als Glasflaschen? Dabei ist die Frage eher: Kaufen Sie Mehrweg- oder Einwegflaschen? Der große Vorteil an Mehrwegflaschen ist dem Naturschutzbund (Nabu) zufolge, dass sie sehr oft gereinigt und neu befüllt werden können.

Einwegflaschen werden hingegen nach einmaliger Nutzung zu Abfall – auch dann, wenn es Pfandflaschen sind. Mehrwegflaschen gibt es aus Glas und Plastik (PET). Beide sind ökologisch besser als Einwegflaschen oder Getränkedosen.

Mehrweg: Plastikflaschen etwas besser als Glasflaschen

Beim direkten Vergleich der Mehrwegflaschen aus PET und Glas schneidet die Mehrwegflasche aus PET ökologisch ein wenig besser ab: Glas ist sehr schwer, deswegen sind beispielsweise die klimaschädlichen Emissionen höher. Neben dem Gewicht schonen kurze Transportwege die Umwelt. Daher empfiehlt der Nabu regional abgefüllte Getränke.

Dazu erklärt beispielsweise ein Sprecher der Schwarz Produktion Stiftung t-online: "Lidl füllt alle in Deutschland verkauften Flaschen auch in Deutschland ab. Das Getränkenetzwerk der MEG (Schwarz Produktion) verfügt über fünf Getränkeabfüllstandorte in Deutschland. Dadurch halten wir die Fahrtwege für befüllte Flaschen im regionalen Bereich bei durchschnittlich circa 180 Kilometern." Ähnlich sieht es beispielsweise bei Aldi und Edeka aus.

"Je häufiger die Mehrwegflaschen wiederverwendet werden, je kürzer die Transportwege und je effizienter die Reinigungsprozesse sind, desto umweltfreundlicher sind die Flaschen", schreibt das Umweltbundesamt.

Dem widerspricht allerdings der Sprecher der Schwarz Produktion Stiftung: "Eine grundsätzliche ökologische Überlegenheit von Mehrweg ist nicht erwiesen." Mehrweg löse zum Beispiel in der Logistik mehr Emissionen aus, weil auch der Rücktransport der leeren Flaschen erfolge. Und: Eine Mehrwegflasche zu reinigen, koste in den derzeit bestehenden Systemen mehr Energie als die Wiederherstellung der Flaschenform aus Rezyklat.

Wie schädlich sind die Plastikflaschen für die Gesundheit?

Auch der gesundheitliche Aspekt ist vielen Konsumenten bei der Wahl des Getränkebehälters wichtig. So begegnet man Materialien aus Plastik generell mit einem gewissen Misstrauen, während Glas weiterhin einen guten Ruf hat.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt Entwarnung: Gesundheitliche Schäden seien vom Trinken aus Plastikflaschen nicht zu erwarten. Zwar sei in Studien eine Hormonbelastung in Plastikflaschen nachgewiesen worden. Diese stelle jedoch nur einen Bruchteil der natürlichen Belastung durch Lebensmittel wie Milch oder Rotwein dar, weshalb sie gesundheitlich kaum relevant sei. Ein direkter Nachweis, dass hormonelle Aktivität durch einen Materialstoff der PET-Verpackung ausgelöst werde, fehle bislang.

Von Schadstoffen wie Acetaldehyd, das sich unter Umständen in Plastikflaschen freisetzt und für einen leicht veränderten Geschmack bei Wasser sorgt, gehe ebenfalls keine Gefahr aus, da sie die gesetzlichen Grenzwerte deutlich unterschreiten. Weichmacher, die sogenannten Phthalate, werden zudem in der Produktion der PET-Flaschen gar nicht erst eingesetzt, wie das BfR erklärt.

Zusammengefasst herrschen zwischen Glas- und Plastikflasche also keine Unterschiede, die für die Gesundheit relevant sind. Wer aufgrund der hormonellen Belastung dennoch Bedenken hat, kann diese durch den Griff zur Glasflasche reduzieren.

Verwendete Quellen
  • verbraucherzentrale.de: "Mehrweg oder Einweg: Unterschiede und Regeln bei Getränken"
  • umweltbundesamt.de: "Trotz leichten Anstiegs: Mehrweg-Ziel nicht erreicht"
  • bfr.bund.de: "Fragen und Antworten zu PET-Flaschen"
  • nabu.de: "Fragen und Antworten zu Mehrweg und Einweg beim Getränkekauf
  • Aussagen eines Sprechers der Schwarz Produktion Stiftung
  • verpackungsgesetz.com: "Verpackungsgesetz"
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