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Zahl der Sexualpartner: Männer schätzen, Frauen zählen

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Zahl der Sexualpartner  

Männer schätzen, Frauen zählen

29.07.2018, 15:02 Uhr | dpa

Zahl der Sexualpartner: Männer schätzen, Frauen zählen. Sexualpartner: Forscher haben eine mögliche Erklärung für die unterschiedlich hohen Angaben von Frauen und Männern hinsichtlich der Zahl ihrer Partner gefunden. (Quelle: Getty Images/eclipse_images)

Sexualpartner: Forscher haben eine mögliche Erklärung für die unterschiedlich hohen Angaben von Frauen und Männern hinsichtlich der Zahl ihrer Partner gefunden. (Quelle: eclipse_images/Getty Images)

Fragt man Männer und Frauen nach der Anzahl ihrer bisherigen Sexualpartner, unterscheiden sich die Antworten enorm: Durchschnittlich ist die Zahl bei Männern doppelt so hoch wie bei Frauen – und das in Untersuchungen weltweit.

Statistisch lässt sich das kaum erklären. Forscher der Universität von Glasgow sind nun der Frage nachgegangen, woher diese Differenzen kommen. Eine mögliche Erklärung: Während Männer schätzten, würden Frauen zählen, berichtet das Team im Fachblatt "The Journal of Sex Research".

Befragungen aus den USA, Großbritannien und Deutschland kommen immer wieder zu dem Ergebnis, dass Männer doppelt so viele Sexualpartner nennen wie Frauen. Hierzulande ergab zuletzt eine repräsentative Studie, deren Ergebnisse 2017 im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht wurden, dass Männer in ihrem Leben mit zehn Partnerinnen geschlafen hätten, während die Antwort von Frauen "fünf Partner" lautete. "Selbstwertdienliche Verzerrungen und geschlechtsspezifisches Antwortverhalten könnten zu den unterschiedlichen Angaben beigetragen haben", schrieben die Wissenschaftler dazu. Und weiter: "Unseres Wissens nach wurden die Ursachen für diese diskrepanten Angaben bisher nicht untersucht."

14 Partnerinnen versus sieben Partner

Eben jene Forschungslücke ist nun auch das Team um die Sexualforscherin Kirstin Mitchell von der Universität Glasgow angegangen. Als Grundlage für ihre Untersuchung nutzten die Wissenschaftler Daten des dritten britischen "National Survey of Sexual Attitudes and Lifestyles", kurz Natsal-3. Im Rahmen dieser Studie werden ungefähr alle zehn Jahre mehrere tausend Briten in persönlichen Interviews zu ihrem Sexualverhalten befragt. An Natsal-3 nahmen 15.162 Frauen und Männer zwischen 16 und 74 Jahren teil. Eine ähnlich große Bevölkerungsstudie zum Sexualverhalten gibt es in Deutschland nicht.

Der Befragung zufolge hatten die Männer im Schnitt Sex mit 14 Partnerinnen während Frauen mit durchschnittlich sieben Männern geschlafen hatten. Auf der Suche nach Erklärungen für diesen Unterschied stießen die Wissenschaftler aus Glasgow auf verschiedene Gründe. So verzerrten etwa Studienteilnehmer, welche besonders viele Sexualpartner angaben, die Durchschnittszahlen – dieses Phänomen war bei Männern häufiger zu beobachten als bei Frauen. Ließe man beispielsweise alle Männer weg, die von 110 und mehr Sexualpartnerinnen berichteten, oder alle Frauen mit mehr als 50 Partnern, werde der Unterschied zwischen den Geschlechtern insgesamt kleiner.

Schätzungen ergeben höhere Zahlen 

Dieser Unterschied wurde noch geringer, wenn die Forscher berücksichtigten, auf welche Weise die Zahlen zustande gekommen waren: So schätzten 24 Prozent der Männer die Anzahl ihrer Sexpartner, während es bei den Frauen nur 15 Prozent waren. Je höher die Zahl der berichteten Sexualpartner, umso wahrscheinlicher handelte es sich vor allem bei den Männern um eine Schätzung.

Insgesamt, so die Beobachtung der Forscher, zeigten Frauen zudem eine konservativere Einstellung gegenüber Sex. So gaben weniger von ihnen an, kein Problem mit One-Night-Stands zu haben, und sie verurteilten Fremdgehen von verheirateten Menschen schärfer. Kaum eine Rolle für das Studienergebnis spielte hingegen bezahlter Sex, die Angabe zum Sex mit Partnern außerhalb Großbritanniens veränderte die Zahlen ebenfalls nur geringfügig.

Für die beteiligten Forscher ist ihre Arbeit mehr als eine Erklärung statistischer Phänomene: "Die genaue Erfassung der Zahl von Sexualpartnern ist aus vielen Gründen von entscheidender Bedeutung, einschließlich der Bewertung des individuellen Risikos sexuell übertragbarer Infektionen (STI) sowie der Schätzung der Übertragungsrate von STI- und HIV-Infektionen", so Sexualforscherin Kirstin Mitchell in einer zur Studie veröffentlichten Mitteilung. Ähnlich hatten auch die Autoren der deutschen Erhebung argumentiert und für breiter angelegte Bevölkerungsstudien plädiert.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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