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Frauen kommen oft zu kurz: So kann man den Orgasmus trainieren

MEINUNGKolumne "Lust, Laster und Liebe"  

So kann man den Orgasmus trainieren

Frauen kommen oft zu kurz: So kann man den Orgasmus trainieren. Masturbation: Sogar bei der Selbstbefriedigung kommt nicht jede Frau zum Höhepunkt. (Quelle: Getty Images)

Masturbation: Sogar bei der Selbstbefriedigung kommt nicht jede Frau zum Höhepunkt. (Quelle: Getty Images)

Zu viele Frauen kommen beim Sex häufig nicht zum Orgasmus. Das ist das Ergebnis mehrerer Studien und Umfragen. Lediglich knapp jede Dritte oder Vierte kann sagen, regelmäßig in den Genuss eines Höhepunkts zu kommen. Das sind viel zu wenige!

Kopfkino – zumindest bei jeder zweiten Frau funkt laut Umfragen beim Sex öfter mal der Kopf dazwischen: Alltagsstress, unschöne Ereignisse oder die Einkaufsliste. Oder es sind Frust und Gedanken wie "Hoffentlich ist er bald fertig, ich werde ja eh nicht kommen" oder "Irgendwie spüre ich es nicht richtig", die ihren Höhepunkt verhindern.

Wissenschaftlerinnen, Sextherapeutinnen und Gynäkologinnen haben noch weitere Gründe gefunden, warum Frau nicht kommt: Sie sind selbst Schuld. Ja, es klingt völlig daneben, und kein Mann sollte sich jetzt freuen, dass der Kelch an ihm vorübergegangen ist. Aber dennoch: Frauen machen selbst viel falsch beim Geschlechtsverkehr – sie atmen falsch, verkrampfen oder wählen die falsche Stellung.

Schluss damit! Es ist höchste Zeit, den Orgasmus in die eigene Hand zu nehmen.

Atmen Sie!

Frauen atmen beim Sex häufig falsch. Beispielsweise halten viele, wenn sie den nahenden Höhepunkt spüren, die Luft an – oder ihnen bleibt dieselbe weg, weil sie sich so sehr auf einen möglichen Orgasmus konzentrieren, dass sie das Atmen vergessen. Andere wiederum atmen sehr flach – um bloß nichts an der scheinbar perfekten Situation zu verändern oder um mögliche eigene laute Töne und Geräusche zu verhindern. Wird die Luft allerdings angehalten oder wird zu flach geatmet, bleibt auch dem Körper der Sauerstoff weg. Das Blut zirkuliert weniger – auch in der Vulva. Und schlecht durchblutet ist sie deutlich weniger empfindlich.

Eine Tantra-Lehrerin rät: Tief und langsam atmen. Am besten in den unteren Bauch hinein. Alles wird besser durchblutet und die sexuelle Erregung ist intensiver spürbar. Eine derartige Atmung ist erst mal schwer umzusetzen. Anfangs konzentriert man sich dann so sehr darauf, dass der Orgasmus erst recht ausbleibt. Schließlich denkt man oft nur noch: "Ich muss richtig atmen." Die Technik sollte daher vorher beim Masturbieren geübt werden – denn schon beim Solosex wird falsch geatmet. Wenn das klappt, dann sicherlich nach und nach auch beim Geschlechtsverkehr.

Ändern Sie Ihre Spannung!

Einige Frauen glauben, dass sie den Penis ihres Partners besonders gut spüren, wenn sie ihren eigenen Körper nur stark genug anspannen: "Dadurch entstehen doch ganz viele Reibungspunkte." Klingt einleuchtend – ist nur keine gute Idee. Denn diese Anspannung führt zu einer Versteifung und zum Verkrampfen. Darüber hinaus bewegen sich dann viele Frauen häufig gar nicht mehr – wie auch, wenn sie regungslos und hart wie ein Brett einfach nur daliegen (können). Da ist nicht mehr viel mit Bewegung.
Tipp von Gynäkologen: Locker werden. Und versuchen, das eigene Becken etwas hin und her zu schaukeln, mit der Hüfte die Stoßbewegungen für sich selbst zu intensivieren und zu lenken sowie den eigenen Körper an dem des Partners zu reiben. Den Körper zu spüren, ist hier der wichtigste Ratschlag.

Vervielfältigen Sie Ihre erogenen Zonen

Neben einer Steigerung des Selbstwertgefühls findet man durch Masturbation neue erogene Zonen. Denn durch Selbstbefriedigung lernt man nicht nur selbst, sondern auch der eigene Körper dazu. Ganz nach dem Motto "Huch, die Zone habe ich ja schon total ausgeblendet, die sollte ich wieder mehr beachten" knüpft das Gehirn durch die neuen Erfahrungen frische Synapsen, wenn man sich an anderen Körperstellen zärtlich berührt. Das Gehirn und man selbst lernen den eigenen Körper besser kennen. Genial! Ein Blind Date mit sich selbst sozusagen. Und ein essenzieller Grund für mehr Masturbation – auch, wenn man in einer Beziehung ist.

Vom Orgas-muss zum Orgas-kann

Die Formulierung "Vom Orgas-muss zum Orgas-kann" habe ich einmal aufgeschnappt und fand sie sehr passend. Sie fasst kurz und knapp zusammen: Du musst nicht zum Höhepunkt kommen, damit der Sex gut ist. Stimmt! Anstatt sich auf den kommenden oder vielleicht doch mal wieder ausbleibenden Orgasmus zu fokussieren, sollte man sich lieber seinen Gefühlen hingeben. Das klingt sehr meditativ. Daran ist der Ansatzpunkt auch angelehnt. Und genau deswegen ist der Tipp ideal, um unerwünschte Gedanken auszublenden und den Kopf etwas auszuschalten. 

Das heißt nun nicht, laut "Oooohmmmm" zu brummen – außer, es hilft. Es geht eher so: Wenn man ein Kribbeln oder die Reibung des Penis spürt, konzentriert man sich darauf. Diese Empfindungen sollte man dann nachverfolgen: "Oha, das kribbelt ja nicht nur dort, sondern auch da!" oder "Huch, die Erregung wandert von diesem zu jenem Punkt." Am besten versucht man, sich so lange auf die Empfindungen zu konzentrieren, wie es geht. Zudem ist es wichtig, sich auf jegliche Erregung einzulassen und sie vollständig zu spüren: von Anfang bis Ende. Das ist der ideale Killer fürs Gedankenkarussell.

Mach mal langsam!

Übrigens lautet der Erotiktrend 2020: Slow Sex. Er ist stark an Tantra-Sex angelehnt. Geschlechtsverkehr ist kein bloßes Rein-und-Raus-Stecken oder krampfhaftes Rumgeschubber mehr. Stattdessen werden die Bewegungen verlangsamt und somit intensiviert. Slow-Sex soll besonders für die Frau die bessere Art des Geschlechtsverkehrs sein, da dadurch die Vulva sensibilisiert wird – zu heftiger Sex lässt sie nämlich oft abstumpfen. Und welche Frau möchte schon eine unempfindliche Vulva? Sie ist schließlich viel mehr als nur eine Körperöffnung. Und man kann mit ihr so viel Spaß haben – mit und ohne Orgasmus. Also: Fangen Sie an zu spielen, zu experimentieren und bezwingen Sie Ihre Orgasmus-Verzweiflung.

 


Jennifer Buchholz, Redakteurin bei t-online.de, schreibt in ihrer Kolumne "Lust, Laster, Liebe" über Liebe, Partnerschaft und Sex.


Verwendete Quellen:

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