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Das Heimlich-Manöver als letzte Maßnahme

How to: Im Notfall seine Freundin vorm Ersticken retten  

How to: Im Notfall seine Freundin vorm Ersticken retten

04.10.2016, 13:28 Uhr | Uwe Kauss

Das Heimlich-Manöver als letzte Maßnahme. Die Liebste droht zu ersticken - was nun? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Liebste droht zu ersticken - was nun? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wenn sich die Herzensdame beim Essen so verschluckt, dass sie keine Luft mehr bekommt, ist sofortige und gezielte Hilfe gefragt. Ein renommierter Notfallmediziner erklärt, was zu tun ist - ein optimales Training für Helden in spe.

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Mit der Freundin im feinen Restaurant. Der Hauptgang ist serviert, die Weingläser gefüllt, die Gespräche intensiv. Plötzlich keucht, stammelt und schnauft sie, deutet auf ihre Kehle, ihr Gesicht färbt sich dunkelrot. Sie rudert mit den Armen, taumelt umher, kurz darauf beginnt die Gesichtsfarbe, sich blau zu färben. Lebensgefahr droht.

Erste Hilfe ist gefragt

Was nun? "Bitten Sie einen Gast, den Rettungsdienst zu rufen und beginnen Sie sofort mit der Ersten Hilfe. Viele Möglichkeiten gibt es nicht", sagt DRK-Bundesarzt Prof. Peter Sefrin aus Würzburg. Das Vorstandsmitglied des Deutschen Roten Kreuzes gilt als einer der renommiertesten Notfallmediziner Deutschlands und hat das medizinische Standardwerk "Notfalltherapie" herausgebracht. Zudem ist er seit Jahren als Notarzt im Einsatz, auch mit einem Porsche als Einsatzfahrzeug mit Blaulicht.

Er erklärt, was zu tun ist: "Zunächst fordern Sie sie auf, wenn es ihr möglich ist, zu husten. Wenn das nichts bringt, beugen Sie den Oberkörper Ihrer Freundin in Richtung Boden und schlagen Sie ihr fünf Mal kräftig auf den Rücken zwischen die Schulterblätter. Bitte nicht häufiger." Wenn das klappt, den Vorgang im Zweifelsfall mehrfach in diesem Rhythmus wiederholen.

Er erläutert, warum das die schnellste und beste Hilfe ist: Durch das Husten werde Luft aus der Lunge in Richtung Kehle gepresst. Dieser Druck helfe, die Speise zu lösen. "Mit den Schlägen lockert man zudem den Speisebrocken, der – der Schwerkraft folgend – sich in Richtung Mund bewegt." Im besten Falle könne die Freundin das Stück Steak ausspucken und erst mal kräftig durchatmen.

Niemals im Sitzen oder Stehen!

Daher dürfe man in so einer Situation niemals der Freundin auf den Rücken schlagen, wenn sie aufrecht sitzt oder steht - der Brocken löst sich und rutscht tiefer.

Steht sie unsicher, geht der Retter auf die Knie und winkelt ein Bein nach vorne auf den Boden, um den Oberschenkel in der Waagerechten zu halten. Nun legt der Retter seine Freundin knapp über den Hüften darüber, damit Oberkörper und Kopf nach unten fallen.

Die Unterschiede: Luft- und Speiseröhre In seiner langjährigen Einsatzzeit als Notarzt ist er häufiger zu solchen Fällen gerufen worden. Oft hätten Kinder etwa Legosteine verschluckt, doch auch bei Erwachsenen habe er immer wieder eingreifen müssen. Er weiß: "In der Kehle kommen Luftröhre und Speiseröhre zusammen. Doch die Muskeln der menschlichen Kehle funktionieren so intelligent, dass nur äußerst selten etwas in die Luftröhre geraten kann." Steckt ein Stück Steak in der Speiseröhre fest, sei das häufig nicht ganz so gefährlich. Gerät allerdings etwas – durch einen Schreck oder eine falsche Bewegung - in die Luftröhre, sei die Sacher meist ernster. Der Grund: "Ihr Durchmesser wird dünner, je tiefer sie nach unten verläuft." Doch auch ein größeres Stück Mahlzeit in der Speiseröhre könne die Luftröhre von hinten zusammendrücken. Was tun, wenn die Freundin in Ohnmacht fällt?

Wird die Freundin im schlimmsten Fall durch den Sauerstoffmangel bewusstlos, hilft laut Prof. Peter Sefrin nur noch eins: Sofort mit der Wiederbelebung - das ist Herzdruckmassage und Mund-zu-Nase-Beatmung - beginnen.

Also kniet sich der Mann neben seine Freundin und beginnt mit der Herzdruckmassage in der Mitte des Brustkorbes, fasst danach ihren Kopf mit einer Hand an der Haaransatzgrenze und mit der anderen am Unterkiefer und verschließt so den Mund mit dem Daumen. Er drückt die Unter- gegen die Oberlippe. Ihr Kopf wird überstreckt. Nun kräftig einatmen, den Mund fest über den Nasenlöchern aufsetzen und ausatmen. Dies wird fortgesetzt, bis der Notarzt eintrifft. Er kann mit einer speziell geformten Zange versuchen, das Stück zu fassen zu bekommen. Doch auch das ist oft ein schwieriges Unterfangen.

Das Heimlich-Manöver

Auf vielen Websites und auf Youtube sind Videos und Anleitungen publiziert, welche empfehlen, in diesem Notfall das Heimlich-Manöver auszuführen.

Es ist benannt nach dem amerikanischen Arzt Henry J. Heimlich, der die Technik 1974 erstmals beschrieben hat. Durch die Kompression des Bauchraums soll versucht werden, das Speisestück in Richtung Mund zu befördern. Im Netz wird es meist als einfache, unkomplizierte und effektive Methode erklärt. Der Helfer stellt sich hinter die Betroffene, umfasst mit den Armen ihren Bauchraum unterhalb des Brustbeins und ballt eine Faust. Die andere Hand umfasst sie fest und drückt sie schnell und ruckartig in Richtung seines Körpers. Durch den so entstehenden Überdruck soll sich der Fremdkörper lösen.

Lebensgefährliche Anwendung

Doch Prof. Sefrin warnt ausdrücklich davor: "Das ist ein lebensgefährliches Manöver, das viele innere Organe schädigen kann." In der Notfallmedizin, gelte das Heimlich-Manöver als "Ultima Ratio", als allerletzter Rettungsversuch, bevor der Tod eintrifft. Daher sollten es – anders als auf vielen Websites beschrieben – nur erfahrene und ausgebildete Rettungskräfte ausführen. Die Milz und die Leber könnten einreißen, sogar die Aorta, die Hauptschlagader, erklärt der Notfall-Experte die Risiken. Dann habe die Freundin im Restaurant "noch zwei Minuten, bis sie verblutet ist". Doch insgesamt seien Todesfälle durch das Verschlucken von Speisestücken äußerst selten, macht Prof. Peter Sefrin den Helfern Mut. In seiner jahrzehntelangen Erfahrung habe er nur einen einzigen Extremfall erlebt, in dem der Tod eines Patienten eingetreten sein könnte. "Das ist aber nur mein persönlicher Verdacht der Todesursache." Es habe damals keine Obduktion des Verstorbenen gegeben. Doch wenn einmal der Notfall wie im Restaurant eintreten sollte, bleibt Sefrin professionell gelassen: "Wenn der Freund alles richtig macht, ist die Chance relativ groß, dass seine Freundin überlebt." Und Sie werden zum Helden.

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