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Auf Mallorca kehrt der Stierkampf zurĂŒck

dpa, Patrick Schirmer Sastre

Aktualisiert am 06.08.2019Lesedauer: 3 Min.
Stierkampf in Andalusien: Der Stierkampf hat in Spanien eine lange Tradition.
Stierkampf in Andalusien: Der Stierkampf hat in Spanien eine lange Tradition. (Quelle: Agencia EFE/imago-images-bilder)
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Nach zwei Jahren ohne "Corrida" sollen bald wieder Stiere im Coliseo Balear auf Mallorca getötet werden. Sowohl Gegner als auch BefĂŒrworter der Veranstaltung machen mobil. Findet das Spektakel wirklich statt?

An der prĂ€chtigen Stierkampfarena von Palma de Mallorca wird fleißig Werbung fĂŒr ein Event gemacht, dem die Balearenregierung eigentlich fĂŒr immer "AdiĂłs" sagen wollte: Eine "Gran Corrida de Toros" wird auf bunten Plakaten fĂŒr Freitag (9. August) angekĂŒndigt. Ein Stierkampf, und dazu noch mit so illustren Akteuren wie dem spanienweit bekannten Torero Morante de la Puebla.


In der Arena von Mallorca steht ein Stierkampf bevor

Ein Plakat wirbt fĂŒr den Stierkampf am 09. August vor der Stierkampfarena von Palma de Mallorca.
Menschen stehen an einem Ticketschalter, um Eintrittskarten fĂŒr den Stierkampf zu kaufen. Laut TicketverkĂ€ufer lĂ€uft der Vorverkauf gut.
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Das Besondere: Zwei Jahre lang durften auf der Urlaubsinsel keine Stiere mehr getötet werden – nun feiert das Spektakel dank der spanischen Justiz sein Comeback. Viele Fragen sind noch offen, aber eine Gewissheit gibt es: Es wird wieder Bullenblut fließen.

Gericht kippte Stierkampfverbot aus 2017 in Teilen

Schon Tage vor der Corrida haben sich rund 50 TierschĂŒtzer vor dem Rathaus von Palma postiert und protestieren mit SpruchbĂ€ndern und Parolen wie "Das ist keine Kultur, sondern Tortur!" gegen das Revival der Tauromachie. Was ist passiert? Ende vergangenen Jahres hat das spanische Verfassungsgericht ein balearisches Stierkampfverbot aus dem Jahr 2017 in Teilen gekippt. Die BegrĂŒndung: Da der Stierkampf 2013 zum nationalen Kulturgut erklĂ€rt worden sei, könne nur der Staat ĂŒber ein komplettes Verbot entscheiden. Die einzelnen Regionen dĂŒrfen demnach nicht eigenmĂ€chtig solche BeschlĂŒsse fassen.

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Nachdem bereits 2016 in Katalonien ein entsprechendes Verbot rĂŒckgĂ€ngig gemacht worden war, sind nun die Kanaren die einzige Region des Landes, in der noch eine Art Stierkampfverbot gilt. Dort gibt es aber auch keine Tradition dieses Spektakels.

Die Arena wirkt fast wie ein Ufo

Noch ist es fast beschaulich vor dem im Jugendstil erbauten "Coliseo Balear", das zwischen 1999 und 2013 sechsmal Schauplatz der frĂŒheren ZDF-Show "Wetten dass..?" war und in dem 2016 das Finale von Heidi Klums ProSieben-Show "Germany's Next Topmodel" ausgerichtet wurde.

In dieser Gegend, die sonst heruntergekommenen 60er-Jahre-Bauten dominieren, wirkt die eindrucksvolle Arena fast wie ein Ufo. Eine italienische Reisegruppe macht Selfies vor dem Rund, das der Architekt Gaspar Bennàssar vor 90 Jahren fertiggestellt hat. "Auf StierkÀmpfe stehe ich nicht so", sagt einer der Urlauber. "Aber die Arena ist schön."

Die Faszination fĂŒr den Stierkampf sei schwer zu verstehen, wenn man nicht damit aufgewachsen sei, erklĂ€rt Raul Arenas. Der 33-JĂ€hrige berichtet seit Jahren in Online-Medien und im Radio ĂŒber StierkĂ€mpfe. "Mein Onkel hat mich mit zehn Jahren zu meinem ersten Kampf mitgenommen. Von da an habe ich alles ĂŒber diese Kunst in mich aufgesogen."

Das ist fĂŒr den Stierkampf geplant

Insgesamt vier Toreros sollen am Freitag antreten. 50 Euro kosten die gĂŒnstigsten Karten. Wer in der ersten Reihe sitzen will, zahlt stolze 130 Euro. FĂŒr ihn sei die RĂŒckkehr der StierkĂ€mpfe zwar eine große Freude, aber gleichzeitig werde diese durch die von der Justiz auferlegten BeschrĂ€nkungen getrĂŒbt, sagt Arenas. "Deshalb werden wir vor der Corrida eine Demo veranstalten."

Die Stierkampffreunde sind empört, dass MinderjĂ€hrige nicht mehr in die Arena dĂŒrfen und kein Alkohol mehr ausgeschenkt wird – diese Artikel aus dem balearischen Stierkampfgesetz hatte das Verfassungsgericht fĂŒr rechtmĂ€ĂŸig erklĂ€rt. "Diese Regeln machen es den Veranstaltern schwer, wirtschaftlich zu arbeiten", so der Experte.

Es wird nicht die einzige Protestaktion am Freitag bleiben. Aida Cortecero hat mit ihrer Tierschutzgruppe "I.C.A. Animalista" ebenfalls zu einer Kundgebung aufgerufen – aber aus anderen GrĂŒnden. Mit ihren Mitstreitern kĂ€mpft sie energisch gegen das blutige Spektakel. Dass das Verfassungsgericht das balearische Stierkampfgesetz gekippt habe, sei jedoch keine Überraschung gewesen, sagt sie. Aber immerhin hĂ€tten die zwei Jahre Pause der Stierkampfbewegung auf Mallorca erheblich geschadet, glaubt die Aktivistin. Die 38-JĂ€hrige hofft derweil noch, dass das Event aufgrund technischer MĂ€ngel ausfĂ€llt.

Einhaltung baulicher und medizinischer Auflagen muss geprĂŒft werden

Am vergangenen Freitag hatten Inspektoren der Stadt die Arena besucht, um die Einrichtung auf die Einhaltung der baulichen Auflagen zu prĂŒfen. Eine Sprecherin der zustĂ€ndigen StadtrĂ€tin fĂŒr Bauwesen, Neus Truyols, sagte, das entsprechende Gutachten solle nun so bald wie möglich erstellt werden. "Gleichzeitig muss das Gesundheitsministerium die medizinischen Auflagen ĂŒberprĂŒfen, das Agrarministerium den Transport der Tiere. Die finale Entscheidung darĂŒber, ob das Event stattfindet, wird von der stĂ€ndigen Vertretung der Zentralregierung auf den Balearen getroffen", betonte die Sprecherin.

Ganz sicher ist es also noch nicht, dass am Freitag nur wenige Kilometer vom Ballermann entfernt wieder Stiere sterben werden. Die Verfechter der "Tauromaquia" freuen sich hingegen schon auf Morante de la Puebla und Konsorten. "Die Karten verkaufen sich ziemlich gut", sagt der junge Mann am TickethÀuschen gelassen.

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